Markus Horntrich
Curasan konnte vor Kurzem die Zulassung eines neuen Produktes in Europa melden. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät Vorstandschef Hans Dieter Rössler, was die Zulassung für eine Bedeutung hat und warum die Aktionäre 2012 mit einem Umsatzsprung bei der Medizintechnikfirma rechnen können.
Einen "Quantensprung für Curasan" sieht Vorstandschef Hans Dieter Rössler in der Zulassung der innovativen Produktneuheit Osseolive. Nach Europa hat Curasan mit dem neuartigen Knochenregenerationsmaterial auch den US-Markt fest im Blick. Im Exklusiv-Interview mit dem AKTIONÄR verrät Rössler, warum die Gesellschaft 2012 vor einem Umsatzsprung steht und welches ehrgeizige Ziel er in den nächsten fünf Jahren erreichen will.
DER AKTIONÄR: Herr Rössler, die positiven Meldungen aus dem Hause Curasan reißen nicht ab. In der vergangenen Woche haben Sie die europäische Vertriebszulassung für Osseolive, ein neuartiges Knochenregenerationsmaterial erhalten. Welche Bedeutung hat diese Zulassung für Curasan?
Hans Dieter Rössler: Diese europaweite Vertriebserlaubnis für Osseolive in granulärer Form ist ein Quantensprung für die Curasan AG. Nach Cerasorb, Osbone und Ceracell ist Osseolive quasi die vierte Wirkstoffkomposition, anwendbar zur Knochenregeneration im gesamten Skelettsystem. Damit ist bis auf weiteres die materialseitige Entwicklungsarbeit abgeschlossen. In der nächsten Zeit wird der Schwerpunkt darauf liegen, diese vier Produkte nicht nur als Granulate und Formteile anzubieten, sondern zusätzlich auch in anwenderfreundlicheren Formen als geschäumte, pastöse und knetbare Produkte.
Welche Vorteile bietet Osseolive gegenüber herkömmlichen Knochenersatzmaterialien?
Mit Osseolive ist es uns gelungen ein synthetisches, bioaktives Knochenregenerationsmaterial zu entwickeln, das einen Widerspruch überwindet. Obwohl es mit etwa 80 Prozent hochporös ist und damit eine rasche Durchbauung mit nach wachsendem Knochen erlaubt, ist es deutlich härter als Wettbewerbsprodukte und verleiht dem Knochendefekt eine ausgezeichnete Stabilität. Trotz seiner Härte wird das Material zügiger ab- und zu Knochen umgebaut, als dies ansonsten der Fall ist. Osseolive beschleunigt das Knochenwachstum und verbessert die Mineralisation des neu gebildeten Knochens.
Welchen Entwicklungsvorsprung weisen Sie gegenüber der Konkurrenz auf?
Osseolive ist eine patentierte Hightech-Keramik. Unser Entwicklungsvorsprung wird an folgendem Beispiel deutlich: Die Europäische Kommission hat in diesem Monat 3,8 Millionen Euro an Fördergeldern für mehre Universitäten und Firmen in Europa genehmigt, um ein solches Material für vielfältige Anwendungen zu entwickeln. Mindestens den gleichen Betrag müssen noch einmal die Empfänger der Fördergelder aufbringen. Die Förderung erstreckt sich über vier Jahre. Sollte das Projekt gelingen, wären daraus frühestens in sieben bis acht Jahren Produkte zu erwarten.
Werden Sie Osseolive auch auf dem amerikanischen Markt einführen? Wann rechnen Sie dort mit einer Zulassung?
Ja, wir haben die USA als den weltweit größten Markt fest im Blick. Wir hoffen die Zulassung um den Jahreswechsel 2011/12 bewerkstelligen zu können.
Welches Gesamtvolumen weist der Markt auf, den Osseolive adressiert?
Mit Osseolive verfügen wir über ein Knochenregenerationsmaterial, dass sich besonders dort eignet, wo Wachstums beschleunigende Stoffe, wie Knochenmark, Stammzellen usw. eingesetzt werden, um auch sehr große Defekte therapieren zu können, wie sie zum Beispiel bei Revisionsoperationen auftreten. Insofern hat Osseolive eine besondere Stellung unter den Knochenersatzmaterialien und wird sich ein eigenes Marktsegment schaffen. Grundsätzlich ist es für alle Anwendungen geeignet und greift damit auf ein Marktvolumen von über einer Milliarde US-Dollar zu.
Eine beeindruckende Größe. Wie werden Sie den Vertrieb organisieren?
Wir haben vor ein paar Monaten eines der weltgrößten Unternehmen und ausgewiesenen Spezialisten für alle orthopädischen Zielgruppen in der Unfall-, Wirbelsäulen und Gelenkersatzchirurgie, die Firma Stryker, als Vertriebspartner in Europa gewonnen.
Derzeit wird die Markteinführung der ersten Produkte für den Sommer diesen Jahres vorbereitet. Der hierfür abgeschlossene Vertrag enthält eine Option für Produktneuentwicklungen.
Die Entwicklungspipeline bei Curasan ist gut gefüllt. Welche weiteren Zulassungen erwarten Sie in den nächsten Monaten?
Wir erwarten zwei weitere Zertifizierungen. Eine für dentale Indikationen für den US-Markt, eine für orthopädische für den Europäischen Markt.
Die Prognose von Warburg Research lässt für das Geschäftsjahr 2012 einen Umsatzsprung von 127 Prozent auf 8,8 Millionen Euro erwarten. Werden Sie ab 2012 die Früchte Ihrer Entwicklungsarbeit ernten?
Bis Ende 2012 erwarten wir die Zulassungen für eine ganze Reihe von Biomaterialien, insbesondere auch in den anwenderfreundlicheren Darreichungsformen, wie Pasten aus der Spritze und modulierbare Produkte und somit also viele gute Nachrichten. Derzeit verhandeln wir mit mehreren weltweit tätigen Firmen über verschiedene Vertriebslizenzvergaben, so dass wir alle Markte und Zielgruppen mit unseren Produkten erreichen werden. Damit einhergehen wird ein enormer Umsatzschub.
Wie sieht Ihre Vision von Curasan aus? Wo könnte die Gesellschaft in fünf Jahren stehen?
Aufgrund unserer extrem gut gefüllten Pipeline und den Projektfortschritten der letzten zwölf Monate sehe ich die Curasan AG in fünf Jahren, auch dank der Hilfe unserer Vertriebspartner, als den weltweit größten Produzenten von synthetischen Knochenregenerationsmaterialien.
Herr Rössler, vielen Dank für das Interview.
