Markus Horntrich
Der Spezialist für Regenerative Medizin hat eine exklusive Vertriebskooperation im Dentalbereich mit dem US-Pharmakonzern Zimmer geschlossen. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert Vorstandschef Hans Dieter Rössler die Bedeutung des Vertrags und wie die Ziele für die nächsten Jahre aussehen.
Positive News aus dem Hause Curasan: Der Spezialist für Regenerative Medizin hat eine exklusive Vertriebskooperation im Dentalbereich geschlossen. Im Herbst 2011 wird die US-Gesellschaft Zimmer Dental Inc. die innovativen Curasan-Produkte Osbone, Ceracell und Osseolive weltweit auf den Markt bringen. Die synthetischen Knochenersatz- und -regenerationsmaterialien werden im ersten Schritt als Granulat, später auch in pastösen und knetbaren Varianten für dentale Anwendungen angeboten. Im AKTIONÄRs-Interview verrät Curasan-Vorstand Hans Dieter Rössler, warum Zimmer Dental der ideale Partner ist, welche Umsätze die Kooperation mittelfristig verspricht und welches ehrgeizige Ziel er in den nächsten fünf Jahren erreichen will.
DER AKTIONÄR: Herr Rössler, welche Bedeutung hat der Vertragsabschluss mit Zimmer Dental für die Curasan AG?
Hans Dieter Rössler: Mit dem US-Konzern Zimmer als Partner haben wir die Möglichkeit, eine führende Position im weltweiten Wachstumsmarkt der dentalen Knochenregenerationsmaterialien zu erreichen. Experten schätzen, dass das Marktvolumen in den nächsten Jahren auf mehr als 250 Millionen Dollar jährlich wachsen wird. Entsprechend bedeutsam ist der wirtschaftliche Aspekt für die Curasan AG.
Was macht Zimmer Dental zum idealen Partner für Curasan?
Zimmer Dental ist ein global aufgestelltes Unternehmen, das insbesondere mit seinen Zahnimplantaten eine langjährige Spitzenposition einnimmt und deshalb über einen großen Kundenstamm verfügt, für den unsere Produkte interessant sind. Somit sind ein zügiger Markteintritt und eine rasche Marktdurchdringung möglich. Andererseits hat Zimmer Dental mit unseren innovativen Knochenregenerationsmaterialien gute Chancen, die potenziellen Kunden zu gewinnen, die die bisherigen Produkte des Zimmersortiments noch nicht gekauft haben.
Außerdem legt Zimmer Dental einen Schwerpunkt auf die ärztliche Fortbildung und unterhält hierfür mehrere Trainingscenter. Besonders wichtig war uns zudem, dass Zimmer bereits erfolgreich Biomaterialien vertrieben hat und deshalb über die hierfür speziell benötigten Marketing- und Vertriebsstrukturen verfügt.
Ist der Vertragsabschluss mit einem Down Payment verbunden?
Es ist ein Down Payment an Curasan zu zahlen, so dass Zimmer Dental ein Interesse daran hat, diese Investition über Umsatzerlöse wieder zügig auszugleichen. Über die detaillierten Konditionen wurde Stillschweigen vereinbart.
Bisher hatten Sie für das laufende Jahr einen Verlust von 3,6 Mio. Euro prognostiziert. Wird sich dieser Betrag durch die nun vereinbarte Down-Payment-Zahlung von Zimmer Dental deutlich verringern?
Unser Ziel ist nicht die kurzfristige Ergebnisoptimierung, sondern die schnellstmögliche Umsetzung unserer Offensivstrategie. Dabei werden wir unsere Aktivitäten zur Zulassung unserer Produkte für den noch bedeutenderen Orthopädiemarkt in den USA intensivieren. Trotzdem ist es gut möglich, dass wir mit einem deutlich besseren Ergebnis in 2011 abschließen als bislang geplant.
Welche jährlichen Umsätze erwarten Sie durch die Kooperation mittelfristig?
Da es sich im Wesentlichen um neue Produkte handelt, müssen diese im Markt bekannt gemacht werden. Eine Aufgabe, die aus der Kombination unserer innovativen Produkte mit der globalen Vertriebsstärke von Zimmer Dental Inc. gut lösbar erscheint. Mittelfristig sollten zweistellige Millionenumsätze möglich sein.
Wie sehen die Vertriebsvoraussetzungen für den wichtigen US-Markt aus?
Für zwei Produkte, Osbone und Ceracell liegt die Vertriebserlaubnis bereits vor, Osseolive wird voraussichtlich in 2012 zugelassen werden.
Wird sich im Rahmen dieser Partnerschaft Zimmer Dental an Curasan oder umgekehrt Curasan an Zimmer Dental beteiligen?
Solche Pläne bestehen nicht und sollte es sie eines Tages geben, werden sie sicherlich bis zum Vertragsabschluss geheim gehalten werden.
Wie zufrieden sind Sie bisher mit dem Geschäftsjahr 2011?
Mit der Umsetzung unserer strategischen Neuausrichtung auf Forschung, Entwicklung und Produktion von regenerativen Biomaterialien bin ich sehr zufrieden. Ein Wermutstropfen ist allerdings der Vertragsbruch durch unseren ehemaligen Vertriebspartner Stryker für den europäischen Orthopädiemarkt.
Sie sprechen den Vertragsbruch durch Stryker an. Wann und in welcher Höhe rechnen Sie mit Schadenersatzzahlungen durch Stryker?
Wenn wir uns mit Stryker außergerichtlich einigen sollten, ist eine Zahlung noch in 2011 möglich. Sollten sich die noch relativ weit auseinander liegenden Positionen nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen, sind jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen nicht zu vermeiden. Angaben hinsichtlich der Höhe sind beim derzeitigen Stand der Verhandlungen kontraproduktiv.
Warburg Research prognostiziert für das Geschäftsjahr 2012 einen Umsatzsprung von mehr als 100 Prozent auf 8,3 Millionen Euro. Teilen Sie diesen Optimismus?
Dass wir in 2012 eine enorme Umsatzsteigerung erreichen werden, ist absehbar. Über die genaue Prozentzahl möchte ich derzeit nicht spekulieren, da dies wesentlich davon abhängig sein wird, wann wir einen starken Vertriebspartner für den Orthopädiemarkt kontraktieren können und was wiederum davon abhängt, wann unsere diesbezüglichen Produkte die USA-Vertriebserlaubnis erhalten. Wegen des Vertriebsvertrages mit Stryker hatten wir den Fokus zunächst auf Europa gelegt.
Welche Ziele verfolgen Sie mit Curasan mittelfristig?
Bis Ende 2012 erwarten wir die Zulassungen für eine ganze Reihe unserer regenerativen Biomaterialien in den USA, sowohl in der klassischen Form als Granulate wie auch in anwenderfreundlicheren Darreichungsformen, wie Pasten aus der Spritze und modulierbare Produkte. Aufgrund unserer extrem gut gefüllten Pipeline und den Projektfortschritten der letzten Monate sehe ich die Curasan AG sehr gut aufgestellt. Mit Unterstützung unserer global tätigen Vertriebspartner sollte es uns auf Sicht von fünf Jahren gelingen, zu dem weltweit größten Produzenten von synthetischen Knochenregenerationsmaterialien aufzusteigen.
Herr Rössler, vielen Dank für das Interview.

Warburg Research erhöht Kursziel
Die Vertriebskooperation mit Zimmer Dental ist für Curasan ein wichtiger Schritt zur angestrebten Marktführerschaft im Bereich der synthetischen Knochenregenerationsmaterialien. Analystin Susanne Schwartze von Warburg Research hat ihre Kaufempfehlung für die Curasan-Aktie bestätigt und das Kursziel auf 4,50 Euro angehoben. Zur Absicherung dient ein Stopp bei 2,80 Euro.