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Curasan: "Es stehen noch weitere Zulassungen in nächster Zeit an“

Markus Horntrich

Der US-Medizintechnikkonzern Stryker hat sich den Curasan-Konkurrenten Orthovita geschnappt. Welche Konsequenzen das für den deutschen Spezialisten für regerative Medizin erläutert Vorstandschef Rössler im Gespräch mit dem AKTIONÄR.

Im Februar 2011 hatte die auf Produkte für die Knochen- und Geweberegeneration spezialisierte Curasan AG einen europaweiten Vertriebsvertrag mit der schweizerischen Stryker S.A. gemeldet. Vor wenigen Tagen wurde bekannt,  dass die amerikanische Muttergesellschaft von Stryker S.A den Curasan-Wettbewerber Orthovita Inc. zu einem Preis von rund 316 Millionen Dollar übernehmen will. Die Notierung von Orthovita hat sich nach Bekanntgabe der geplanten Transaktion fast verdoppelt. Warum Curasan bei der aktuellen Marktkapitalisierung von circa 25 Millionen Euro noch zu günstig ist und welche Konsequenzen die Übernahme von Orthovita für Curasan hat erläutert Vorstandschef Hans Dieter Rössler im Interview mit dem AKTIONÄR.

DER AKTIONÄR: Herr Rössler, verlieren Sie mit Stryker S. A. nicht einen sehr wichtigen Vertriebspartner?

Hans Dieter Rössler: Stryker hätte sicherlich für unsere Produkte sehr viel bewegen können. Andererseits setzt Stryker mit dieser Aktion ein Signal für die Wettbewerber im Orthopädiemarkt. Andere Firmen werden sich nunmehr vermehrt für Biomaterialien zur Knochenregeneration interessieren, weil sie jetzt mit der Nase darauf gestoßen wurden, dass die synthetischen Materialien dabei sind, die bislang insbesondere im weltgrößten Markt USA führenden Produkte  aus Leichenknochen zu überholen.

Sind Sie über diese Entwicklung erbost oder aufgebracht?

Ein solch krasser Vertragsbruch ruft natürlich spontan zunächst einmal Ärger hervor. Zwischenzeitlich sehe ich es aber mit zwei lachenden Augen, da der Curasan AG hieraus ein erheblicher Schadensersatz zusteht, der wirtschaftlich kurz- und mittelfristig einen besseren Ertrag bringen wird, als wenn der Vertrag gelebt worden wäre.

Kann es sein, dass die Übernahme von Orthovita gar nicht zustande kommt, weil das Übernahmeangebot ja an eine bestimmte Menge von Aktien gebunden ist?

Solche Verträge haben immer Klauseln mit aufschiebenden Bedingungen wie das Erreichen einer Mindeststückzahl an Aktien oder die Zustimmung der Kartellbehörde. Ich sehe jedoch keine Gründe, die den Deal ernsthaft gefährden und selbst wenn es dazu käme, sehe ich es als unzumutbar an, mit einem vorsätzlich vertragsbrüchig gewordenen Unternehmen zusammen zu arbeiten.

Ist Orthovita für die Curasan-Produkte ein echter Wettbewerber oder gibt es nur periphere Überschneidungsfälle?

Anders herum wird ein Schuh daraus. Curasan hat auch Knochenersatzmaterialien in Analogie zu denen von Orthovita entwickelt und dabei deutliche Optimierungen vorgenommen. Es handelt sich dabei um ein Gemisch aus Kollagen und Knochenaufbaumaterial. Orthovita erzielte mit seinen Produkten Vitoss 2010 rund 97 Millionen Dollar. Stryker wird dies sicherlich noch steigern. Mit unseren Produkten könnte ein vertriebsstarker Lizenznehmer die Durchsetzung dieser Produktlinie gegen Materialien aus Leichenknochen beschleunigen und damit sowohl am Marktwachstum als auch im Verdrängungswettbewerb mit einem verbesserten Produkt punkten. Darüber hinaus verfügen wir über eine Reihe von Entwicklungen, die Orthovita nach unserer Kenntnis nicht aufbieten kann.

Was mag Stryker bewogen haben, bei Orthovita so ein deutliches Aufgeld im Vergleich zum Börsenkurs zu bieten?

Zunächst einmal muss man wissen, dass Stryker über eine prall gefüllte Kriegskasse von über drei Milliarden Dollar verfügte und in letzter Zeit massiv auf Einkaufstour ist. Stryker hat wiederholt kundgetan, einen strategischen Fokus auf Knochenregeneration zu legen. Mit dem Übernahmeangebot wollte man wohl in erster Linie Umsatz kaufen. Im Vergleich zu dem Erwerb von Apatech durch Baxter oder Progentix durch NuVasive ist der von Stryker zu zahlende Preis noch als günstig einzustufen.

Curasan hat es geschafft, in diesem Jahr bereits zwei FDA-Zertifizierungen für die Curasan-Produkte OsboneDental und Ceracell Dental zu erhalten. Gibt es für diese Produkte schon entsprechende Vertriebspartner?

Es stehen noch weitere Zulassungen in nächster Zeit an und wir führen sehr intensive und konkrete Verhandlungen über die Auslizenzierung des gesamten Paketes

Mit wie viel Zulassungen rechnen Sie im laufenden Jahr noch?

Wir gehen derzeit von etwa vier bis sechs Zulassungen noch in 2011 aus.

Gibt es zu Stryker S. A. schon kurzfristig einen Ersatzpartner?

Die meisten der potenziellen Partner haben ihren Sitz im größten Markt USA und sind deshalb in erster Linie an Lizenznahmen für Produkte interessiert, die bereits eine USA-Zulassung haben. Wir werden unsere Verhandlungsposition weiter verstärken, indem wir zunächst die entsprechenden Produktzulassungen bei der FDA erwirken und dann erst in abschließende Vertragsverhandlungen einsteigen.

Sehen Sie sich durch die Orthovita-Übernahme in Ihrer Produktentwicklung bestätigt?

Wenn es noch eines Beweises für die Richtigkeit und die Werthaltigkeit unserer Pipelineprodukte bedurft haben sollte, so konnte dieser wohl kaum besser als durch dieses Übernahmeangebot erbracht werden.

Die Aktie von Curasan hat bisher noch nicht auf das Signal der eindeutigen Unterbewertung reagiert. Wie können Sie sich das erklären?

Wäre die Curasan-Aktie in USA notiert sähe das mit Sicherheit anders aus. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die vielen positiven Nachrichten, die wir dieses Jahr noch bringen werden, den Kurs beflügeln werden.

Herr Rössler, vielen Dank für das Gespräch.

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