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COR&FJA: "Wir spüren eine hohe Nachfrage"

Markus Horntrich

Die COR&FJA-Gruppe hat vor Kurzem einen Großauftrag von der DEVK erhalten. DER AKTIONÄR sprach mit Firmenchef Ulrich Wörner über den Neuauftrag und welche Pläne er für 2012 und darüber hinaus hat.

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Trotz Krise im Finanzsektor blieb die auf Software für Versicherungen und Banken spezielisierte COR&FJA immer profitabel, wenn auch bei rückläufigen Margen. Für die nächsten zwei bis drei Jahre ist Vorstandschef Ulrich Wörner jedoch zuversichtlich, wieder eine zweistellige EBIT-Marge erreichen zu können.

DER AKTIONÄR: Herr Wörner, herzlichen Glückwunsch zum DEVK-Großauftrag. Die Kölner DEVK-Gruppe wird COR&.FJA Life Factory zukünftig als zentrale Plattform im Lebensversicherungsbereich einsetzen. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für COR&FJA?

Ulrich Wörner: Es ist natürlich immer schön, von einem der Top-20-Versicherer in Deutschland einen solchen Großauftrag zu gewinnen. Und der Auftrag unterstreicht einmal mehr, dass immer mehr große Anbieter unsere Standardsoftwarelösungen als echte Alternative zu ihren bisherigen Eigenentwicklungen betrachten und dementsprechend das Gespräch mit uns suchen.

Wer waren Ihre härtesten Wettbewerber und was hat den Ausschlag für die COR.FJA Life Factory gegeben?

Ich möchte mich grundsätzlich nicht zu unseren Wettbewerbern äußern und bitte diesbezüglich um Nachsicht. Ganz offensichtlich sprachen für COR&FJA erneut die Punkte, die wir seit Langem in unserer Außenkommunikation immer wieder hervorheben: Der hohe Grad an Ausgereiftheit und damit einhergehend die hohe Time-to-Market eines jahrzehntelang erfolgreich eingesetzten Produkts, die moderne und damit flexible Facharchitektur der Lösung sowie die Möglichkeit für Kunden zur Teilhabe an den regelmäßigen Release-Zyklen im Rahmen der Produktweiterentwicklung. Wichtig für die DEVK war nicht zuletzt auch unser ausgewiesenes Migrations-Know-how rund um den Transfer der bestehenden Verträge aus den Alt-Systemen in die neue IT-Plattform. All diese Punkte führen im Ergebnis dazu, dass sich neue Lebensversicherungsprodukte schnell und sicher in den jeweiligen IT-Systemen abbilden lassen. Und das wiederum ist für Versicherer in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld ein wichtiger, wenn nicht gar entscheidender Faktor geworden.

Erwarten Sie im Versicherungsbereich weitere Großaufträge in den kommenden Monaten? Welche Märkte und Sektoren könnten zusätzliche Wachstumsimpulse liefern?

Sie dürfen davon ausgehen, dass wir auch im weiteren Verlauf des Jahres die eine oder andere kapitalmarktrelevante Erfolgsmeldung veröffentlichen werden. Insgesamt spüren wir auf fast allen unseren Vertriebsfeldern eine hohe Nachfrage nach unseren Lösungen, also von Versicherungen und Banken aus Deutschland wie aus dem Ausland gleichermaßen. Ob sich diese Anfragen dann auch zeitnah in Aufträgen niederschlagen, bleibt abzuwarten.

Sie sind bereits Ende Januar und damit relativ früh mit Planzahlen für das laufende Geschäftsjahr an die Öffentlichkeit gegangen. Der Umsatz soll im laufenden Jahr um rund 10 Mio. Euro auf 145 Mio. Euro zulegen, das EBITDA auf 9 Mio. Euro steigen. Wollten Sie damit auch ein Zeichen setzen, dass COR&FJA die Talsohle nun durchschritten hat?

Ich halte es für falsch, bei COR&FJA von einer Talsohle zu sprechen. Denn man sollte nicht vergessen, dass das Unternehmen auch in der Vergangenheit immer profitabel war, wenn auch zugegebenermaßen nicht auf dem Niveau, welches wir eigentlich anstreben und auf dem zum Beispiel eine ex-COR vor einigen Jahren bereits war. Aber das liegt letztlich weniger an uns, sondern vielmehr an einem sehr schwierigen Marktumfeld, in dem sich unsere Kunden seit einigen Jahren bewegen. Ich finde, dass wir im Kontext der schwersten Finanzkrise der Nachkriegszeit einen insgesamt guten Job gemacht haben, sage aber auch, dass wir kontinuierlich besser werden wollen und müssen.

Im vergangenen Jahr mussten Sie im vierten Quartal Ihre Umsatz- und Gewinnprognose zurücknehmen. Was macht Sie so zuversichtlich, dass dies 2012 nicht passieren wird? 

Es war auch für uns eine ganz neue und deshalb unangenehme Erfahrung, unsere Planzahlen nach unten korrigieren zu müssen. Aufgrund unserer aktuellen Marktsituation sind wir uns aber sicher, dass wir so etwas nicht noch einmal erleben werden.

Welche EBIT-Marge peilen Sie mittelfristig an? Ist eine Rückkehr in zweistellige Regionen auf Sicht von zwei bis drei Jahren realistisch?

Wir wollen uns so bald wie möglich mit unserer EBIT-Marge der 10 Prozent-Marke annähern. Das wird uns aber in diesem Jahr absehbar noch nicht gelingen. Was die Langfrist über zwei bis drei Jahre betrifft, bin ich momentan sehr zuversichtlich.

Kommen wir auf Ihr zweites Standbein, die Bankenlösung COR.FJA Banking Suite zu sprechen: Welche Resonanz erfährt die Banken-Komplett-Lösung auf Kundenseite? Inwiefern leiden Sie in diesem Bereich unter den Turbulenzen auf dem europäischen Bankensektor?

Wir verzeichnen eine zunehmende Nachfrage nach der COR.FJA Banking Suite und bekommen außerdem gutes Feedback zur Funktionsbreite und -tiefe sowie zu der vorgenommenen technologischen Modernisierung unserer Banking-Plattform CORBAS. Insbesondere rund um den sogenannten Modellbank-Ansatz, der eine Standardlösung inklusive Application Service Providing umfasst, führen wir momentan vielversprechende Gespräche. Insofern sind wir zuversichtlich, dass wir nach einem für den Banking-Bereich schwierigen Jahr 2011 bereits im laufenden Geschäftsjahr wieder Erfolge verzeichnen können.

Auf Ihre Beteiligung an der B+S Banksysteme Aktiengesellschaft mussten Sie im Geschäftsjahr 2011 eine Abschreibung in Höhe von 2,1 Millionen Euro vornehmen. Wie ist der aktuelle Stand der Kooperation mit B+S? Ist auf dem aktuell niedrigen Bewertungsniveau von B+S eine Aufstockung der Beteiligung eine Option für Sie?  

Wir führen die Beteiligung an der B&S im bilanziellen Sinne als Finanzinvestition. Darüber hinaus findet zu einzelnen Themen eine Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Häusern statt. Auch vor dem Hintergrund des aktuellen Bewertungsniveaus der B+S ist eine Aufstockung unserer Beteiligung nicht geplant.

Nach dem Einstieg bei B+S im Jahr 2010 ist COR&FJA im vergangenen Jahr drei weitere Beteiligungen eingegangen, darunter war auch ein 40-Prozent-Paket an der börsennotierten Beratungsgesellschaft plenum AG. Werden Sie Ihre offensive Expansionspolitik 2012 fortsetzen?

Unsere Beteiligungen erfolgen nicht um des reinen Wachstums willen, sondern vielmehr dann, wenn es strategisch für uns Sinn macht. Insofern liegt unser Hauptaugenmerk momentan auf der Integration unserer neuen Tochtergesellschaft COR&FJA Metris und auf dem weiteren Ausbau der strategischen Partnerschaft mit plenum. Das schließt aber künftige Zukäufe natürlich nicht aus, sofern sie sich gut in unser Produktportfolio und in unsere Unternehmensstrategie integrieren lassen und betriebswirtschaftlich vertretbar sind.

Warburg Research sieht den fairen Wert der COR&FJA-Aktie bei zwei Euro und damit fast 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Wie denken Sie über die Option eines Aktienrückkaufs auf dem derzeitig niedrigen Kursniveau?

Das kommt momentan für uns nicht in Frage: Durch die Aufstockung unserer eigenen Aktien würde die msg systems AG mit ihrem Anteil auf über 50 Prozent Beteiligungsquote rutschen und damit steuerliche Verlustvorträge im Umfang von etwa 50 Mio. Euro untergehen. Diesen riesigen Vermögenswert, der nur zu geringen Teilen bilanziell aktiviert ist, werden wir nicht riskieren.

Welche Ziele haben Sie sich mit COR&FJA mittelfristig gesetzt?

So wie wir heute bereits im Bereich der Lebensversicherungssysteme eine europaweit führende Rolle einnehmen, wollen wir auf mittlere Sicht auch in den beiden Bereichen P&C und Banking zum Key Player in Europa werden. Parallel dazu soll das Unternehmen operativ in die Erfolgsspur zurückkehren, und wir streben - wie bereits vor der Finanz- und Wirtschaftskrise - wieder Wachstumsraten von mehr als fünf Prozent und Renditen von mehr als zehn Prozent an. Und angesichts der positiven Aussichten sehen wir den fairen Kurs unserer Aktie, wie viele Analysten in unserem Umfeld, bei deutlich über zwei Euro.

Herr Wörner, vielen Dank für das Interview.

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