Florian Söllner
Die Zeit für eine Gegenbewegung scheint reif. Der Solar-Nebenwert Colexon hat sehr gute Zahlen vorgelegt und wird derzeit nur noch mit einem 2011er-KGV von 11 bewertet.
Der deutsche Solarprojektierer Colexon hat aufhorchen lassen. Mit einer Umsatzsteigerung von 82 Prozent und einem EBIT-Wachstum von 5,7 auf 8,6 Millionen Euro wurde das bisher erfolgreichste Halbjahr ausgewiesen. DER AKTIONÄR wollte von CEO Thorsten Preugschas wissen, ob sich das Wachstum im zweiten Halbjahr und in den kommenden 24 Monaten fortsetzt.
DER AKTIONÄR: Herr Preugschas, Gratulation zum vorgelegten Halbjahresabschluss für 2010. Was waren die größten Erfolgstreiber?
Thorsten Preugschas: Es hat im ersten Halbjahr einen regelrechten Run auf Solaranlagen gegeben. Bundesrat und Bundestag haben die Einspeisevergütung in Deutschland zum zweiten Halbjahr drastisch gesenkt. Diese politischen Beschlüsse hatten bewirkt, dass viele Kunden ihre Investitionsentscheidungen für Solaranlagen vorgezogen haben.
Welcher Ihrer drei Geschäftsbereiche - Großhandel, Projektgeschäft und Solarkraftwerksbetrieb - hatte den größten Umsatz- und Ergebnisanteil?
Im ersten Halbjahr lag das Großhandelsgeschäft mit einem Umsatz von 76 Millionen Euro und einem EBIT von 10,6 Millionen Euro anteilsmäßig vorne. Da dieser Bereich erwartungsgemäß mehr als die beiden anderen von den Vorzieheffekten aufgrund der Reduktion der Einspeisevergütung profitieren konnte, ist dies jedoch nur eine Momentaufnahme. So wird beispielsweise in der zweiten Jahreshälfte das Projektgeschäft wieder stärker an Bedeutung gewinnen.
Welchem Ihrer drei Bereiche geben Sie die größten Wachstumschancen?
Auch mittelfristig liegen für Colexon die größten Wachstumschancen im Projektgeschäft. Dabei nimmt insbesondere das Auslandsgeschäft eine wichtige Rolle ein.
In welchem Land sehen Sie das größte Potenzial?
Italien bietet zurzeit ohne Zweifel die besten kurzfristigen Erfolgschancen, da der italienische Markt aufgrund der attraktiven Einspeisevergütung und hohen Einstrahlungswerte aktuell die attraktivsten Rahmenbedingungen bietet. Hier verzeichnen wir eine sehr große Nachfrage.
Zudem bin ich mir sicher, dass Colexon im nächsten Jahr eine relevante Anzahl von Projekten in Frankreich umsetzen wird. Denn mit der beschlossenen Reduktion der Einspeisevergütung um 12 Prozent hat die französische Regierung einen ausgewogenen Kompromiss gefunden. Langfristig müssen wir auch Märkte wie die USA und Großbritannien im Blickfeld behalten. Auch Australien steht aufgrund der hohen Einstrahlungswerte eine interessante Entwicklung bevor.
Colexon weist zum 30.06. einen Buchwert von ca. 6,6 Euro je Aktie aus. Wie erklären Sie sich den Discount, mit dem die Aktie gehandelt wird?
Unsere Aktie wird nach wie vor von vielen potenziellen Anlegern unterschätzt. Dabei können wir nicht nur auf eine konstant positive Geschäftsentwicklung zurückblicken, sondern haben uns auch bestens für das künftige Wachstum der Gesellschaft positioniert.
Können Sie schon absehen, in welcher Bandbreite im kommenden Jahr Umsatz und EBIT liegen werden?
Auch für 2011 erwarte ich eine relevante Umsatzsteigerung. Immerhin haben wir jüngst vermelden können, dass wir das Modulkontingent unseres First Solar-Vertrags für 2011 um 65 Prozent gegenüber dem Basisvertrag erhöhen konnten. Was die EBIT-Prognose anbelangt, wird Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt kein seriöses Solarunternehmen eine wirklich verlässliche Zahl nennen können. Das hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel: Wie werden sich die Modulpreise im nächsten Jahr entwickeln? Oder wie wird der italienische Markt in 2011 performen? Wie wird sich die Nachfrage von Investoren in Deutschland sein? Ich bin mir aber sicher, dass wir unseren Wachstumskurs fortsetzen werden und sich unser EBIT im Branchenvergleich positiv entwickeln wird.
SES schätzt für 2011 ein EPS-Wachstum von 13 Cent auf 24 Cent je Aktie und für 2012 sogar einen Sprung auf 42 Cent. Haben Sie dazu eine Meinung?
Die Richtung stimmt. Mit dieser Meinung steht SES nicht allein da. Sie wird von einer Reihe anderer Branchenexperten geteilt.
Haben Sie eine persönliche Kurserwartung?
Das möchte ich den Analysten überlassen. Ich möchte jedoch deutlich sagen, dass ich die Meinung der Analysten teile, dass unser Unternehmen deutlich unterbewertet ist. Für uns gilt es, mit positiven Zahlen weiterhin Zeichen zu setzen, um dieses Potenzial auszuschöpfen. Und ich bin davon überzeugt, dass wir uns hierbei auf dem richtigen Weg befinden.
Vielen Dank für das Gespräch!

Auf Erholung setzen
Mit den guten Zahlen im Rücken könnte die Aktie zu einer Erholungsrallye ansetzen. Zumal es dem Solarspezialisten Colexon durch die Expansion in neue Märkte auch künftig gelingen sollte, überzeugende Zahlen vorzulegen. Die wichtige 90-Tage-Linie wurde bereits zurückerobert. Anleger, die einen Stoppkurs bei 2,20 Euro setzen, können auf einen Kursanstieg auf bis zu 4,20 Euro setzen.