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Chinesen kaufen Louis Vuitton

Steffen Eidam

Der Luxusgüterhersteller LVMH hat gestern noch vor einer möglichen Wachstumsdelle gewarnt. Einen Tag später will der Konzern davon nichts mehr wissen und verweist unterdessen trotzig auf die starken Wachstumsraten in China.

Andrew Wu, der Leiter des China-Geschäfts von Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH), dürfte eine unruhige Nacht verbracht haben. Mit einem sehr defensiven Ausblick auf die weitere Geschäftsentwicklung sorgte er gestern im Rahmen eines Branchentreffens in Shanghai für einen Einbruch der LVMH-Aktie (minus elf Prozent). Heute ruderte der Manager in einer nachgeschobenen Pressemitteilung aber wieder zurück. Seine Aussagen wären von der Presse missverständlich widergegeben worden. Gleichzeitig pries er das hohe Wachstum in China an. Die Reaktion an der Börse erfolgte prompt: Bis Mittag legte das Papier des weltgrößten Luxuskonglomerats um mehr als vier Prozent zu. Dabei war die Message am Vortag eindeutig: Es wird eng mit den Jahresprognosen. Was bleibt, ist daher ein fahler Nachgeschmack.

Überraschende Wende

„Es ist nur vernünftig, für nächstes Jahr sehr vorsichtig zu sein. Zu behaupten, Luxusmarken seien nicht betroffen, ist sehr naiv'', mahnte Andrew Wu gestern mit deutlichen Worten. Er nahm dabei Bezug auf das schwächelnde Konsumklima rund um den Globus. Im gleichen Atemzug regte er eine Zurücknahme der Umsatzprognose an. Direkt im Anschluss an diese pessimistischen Aussagen setzte die Aktie zum Sinkflug an und riss dabei auch andere Branchenvertreter wie Richemont und Swatch mit in die Tiefe. Am heutigen Tag zeigte sich Wu schon wieder viel zuversichtlicher, was die Geschäfte von LVMH betrifft. Mit einem Seitenhieb auf die Journalisten, die seine Worte unvollständig widergegeben hätten, lenkte er den Blick auf das starke Wachstum der Marke Louis Vuitton in China. In den vergangenen Monaten wären dort die Umsätze um rund 30 Prozent angezogen. Und an diesem Trend dürfte sich auch in naher Zukunft nichts ändern, stellte Wu klar. Dank der starken Anziehungskraft der Marke sollte darüber hinaus für eine Ausweitung der Marktanteile führen - trotz Konjunkturflaute.

Wacklige Prognosen

Klar ist, dass nichts klar ist. So könnte man die derzeitige Situation bei LVMH beschreiben. Für die Franzosen spricht eine gewisse Unabhängigkeit von konjunkturellen Entwicklungen. Außerdem ist der Konzern mit etwa 60 zumeist überaus erfolgreichen Marken breit aufgestellt. Das stramme Wachstum in China – bis zum Jahr 2015 soll das Land der Mitte dank zweistelliger Wachstumsraten zum wichtigsten Markt noch vor Japan und den USA aufsteigen – dürfte darüber hinaus für Rückenwind sorgen. Die Gefahr einer Wachstumsdelle ist dennoch nicht von der Hand zu weisen. So belegt eine Studie der Beratungsfirma Bain & Co., dass sich der Umsatz bei Luxusgütern ab dem kommenden Jahr erstmals seit einem Jahrzehnt rückläufig entwickeln wird. Außerdem wollen Trendforscher in den USA eine Abkehr von Luxusgütern ausgemacht haben. Wenngleich Letzteres eher eine temporäre, von der Finanzkrise angeschobene Erscheinung bleiben dürfte, sind die tatsächlichen Auswirkungen der Konsumkrise aus jetziger Sicht kaum vorhersehbar. Ein Blick auf den World Luxury Index (siehe unten stehender Chart) zeigt deutlich, dass sich auch diese noble Branche nicht vollständig von der Weltwirtschaft abkoppeln kann.

Der World Luxury Index zeigt auf Jahressicht deutliche Bremsspuren

Der World Luxury Index umfasst die 20 größten Konzerne der Branche

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