Chefvolkswirt: "Die Gefahr eines Kollaps ist gebannt"
Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit unbegrenzten Anleihenkäufen notleidenden Euro-Ländern unter die Arme greifen. Die US-amerikanische Notenbank Fed öffnet ebenfalls erneut ihre Schleusen und bringt ein weiteres milliardenschweres Anleihekaufprogramm auf den Weg. Ist das Thema Schuldenkrise damit nun vom Tisch?
In den vergangenen Wochen hat sich einiges getan an den Finanzmärkten. DER AKTIONÄR sprach mit Dr. Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe, über die Auswirkungen der Liquiditätsschwämme der Notenbanken und fragte nach, wie Anleger nun reagieren sollten.
DER AKTIONÄR: Herr Dr. Krüger, EZB und Fed haben die Geldschleusen geöffnet. Das Verfassungsgericht sagt Ja zum ESM. War das nun der große Wurf? Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?
Dr. Alexander Krüger: ESM und EZB senken das Risiko einer unmittelbaren Staatsinsolvenz zwar auf nahe null, sie lösen die Staatsschuldenkrise aber nicht. Es bleibt abzuwarten, ob die Politik die erkaufte Zeit zu einer nachhaltigen Haushaltskonsolidierung und für Strukturreformen nutzt. Der weitere Schwenk in Richtung Haftungsunion birgt Potential für neue politische Konflikte.
Die Eurokrise belastet die Konjunktur. Die wirtschaftliche Dynamik lässt spürbar nach. Wann nimmt der Wachstumsmotor wieder an Fahrt auf?
Da die Gefahr eines Kollaps nun erst einmal gebannt, dürfte sich die zuletzt beobachtbare Investitionsblockade etwas lösen. Zunächst werden die Stimmungsindikatoren wohl steigen und die Wirtschaftsleistung, nachdem sie im zweiten Halbjahr 2012 voraussichtlich stagnieren wird, im kommenden Jahr moderat zunehmen.
DAX und Co sind zuletzt deutlich angestiegen. Wie sollten Anleger reagieren?
Anleger sollten erst einmal abwarten, ob sich die Konjunkturdaten bessern. Schwächephasen sollten zum Positionsaufbau unterbewerteter und dividendenstarker Titel genutzt werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
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