Werner Sperber
Aktien-Strategie beschäftigt sich ausnahmsweise mit dem spekulativen Wert Balda. Der Aktionärsbrief kürt Conergy zum "Bären der Woche" und sieht weitere Chancen für die Aktie von Celesio. Börse Online ist vom Chart von Klöckner + Co begeistert und von den weiteren Aussichten beim Turnaroundwert Greiffenberger. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots.
Börsenwelt Presseschau: Die Experten von Aktien-Strategie suchen üblicherweise Aktien von soliden Firmen, welche mit einem ordentlich laufenden Geschäft glänzen und eine vielversprechende Zukunft vor sich haben. Heute begeben sich die Experten ausnahmsweise einmal unter die Spekulanten: Balda hat zwar den Neuen Markt überlebt, eine Krise danach hat aber fast die Existenz gekostet. Balda konnte die Banken nur mit dem Verkauf von Beteiligungen besänftigen und den Konzernumbau beginnen. Balda fertigt Kunststoffteile, die etwa in Gehäusen von Mobiltelefonen verbaut werden sowie komplette Elektronikprodukte für den Kommunikations- und Unterhaltungssektor, etwa für Kunden wie Canon oder United Internet. Die Sparte Medizintechnik beliefert Kunden wie Roche und Bayer. Das operative Geschäft läuft noch immer schwach: In den ersten neun Monaten 2010 stieg der Umsatz im Jahresvergleich zwar um sechs Prozent auf fast 109 Millionen Euro, das operative Ergebnis belief sich aber auf minus 3,6 Millionen Euro. Zudem hat der Vorstand innerhalb kurzer Zeit zweimal die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Die Experten werten die neuen Kunden Samsung, Panasonic und Sanyo als Lichtblick. Mit einem weiteren potenziellen Großkunden laufen Verhandlungen. Im Medizintechnik-Segment laufen 2011 mehrere Produkte an, so dass die Sparte prozentual zweistellig wachsen sollte. Insgesamt erwartet der Vorstand für das nächste Jahr die Rückkehr in die operative Profitabilität. Das Kerngeschäft lockt also kaum Anleger, dafür aber die Beteiligung mit gut 16 Prozent am taiwanesischen Touchscreenhersteller TPK, der jüngst an die Börse gegangen ist. Aktuell ist der TPK-Anteil von Balda rund 520 Millionen Euro beziehungsweise 8,80 Euro je Balda-Aktie wert. Falls Balda den operativen Turnaround 2011 schafft, ist ein so hoher Abschlag des Aktienkurses zum Wert der Beteiligung je Anteilschein nicht mehr gerechtfertigt. Die Experten geben den "fairen Kurs" der Balda-Aktie einschließlich des (geringen) Wertes für das operative Geschäft mit rund neun Euro an. Ein Investment ist spekulativ, wie schon alleine der Kursverlauf der vergangenen Monate zeigt. Die Notierung befindet sich zwar in einem Aufwärtstrend, allerdings wurde der zuletzt durch einen massiven Rücksetzer unterbrochen. Zudem hängt die weitere Entwicklung der Balda-Aktie vom Börsenkurs von TPK ab. Deshalb sollten nur risikobereite Anleger die Aktie bis zu Notierungen von höchstens 5,40 Euro kaufen. Das Kursziel beträgt neun Euro und der Stoppkurs sollte bei 4,25 Euro gesetzt werden.
Änderungen im Musterdepot von Aktien-Strategie:
Die Verantwortlichen für das Musterportfolio haben ihre 600 Anteilscheine von SMT Scharf mit einem Gewinn von 31 Prozent zu 16,39 Euro ausgebucht. Nun wollen sie 400 Aktien von Euromicron zu höchstens 20,85 Euro aufnehmen.

Der Aktionärsbrief: Conergy und Celesio, Kandidaten für die Pleite und die Übernahme
Über Conergy, dem "Bären der Woche", kreist nach Ansicht der Experten des Aktionärsbriefes der Pleitegeier. Die Gläubigerbanken rund um den Großaktionär Commerzbank und die engagierten Hedge-Funds stehen einander unversöhnlich gegenüber. Während die Commerzbank die Kredite zu verbesserten Konditionen verlängern will, drängen die Hedge-Funds darauf Conergy einen Teil der Schulden zu erlassen und in Eigenkapital umzuwandeln. Einigen sich die Parteien nicht bis Weihnachten, droht die Pleite. Dabei ist es derzeit sowieso zweifelhaft, ob Conergy unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in der Solarbranche mittelfristig zu sanieren ist. Die Experten haben Zweifel und erklären, dass niemand Conergy im Depot haben sollte.
Professor Jürgen Kluge, Vorstandsvorsitzender der Franz Haniel & Cie. GmbH, hält nun auch einen Verkauf der Beteiligung am Handelskonzern Metro für möglich. Wie lange Haniel seine Beteiligungen behält, hängt vom jeweiligen Lebenszyklus ab. Damit steigt nach Ansicht der Experten des Aktionärsbriefes die Wahrscheinlichkeit, dass sich in naher Zukunft im Haniel-Portfolio einiges tun wird, wobei in diesem Zusammenhang immer wieder auch Celesio genannt wird. An diesem Pharma-Großhandelsunternehmen und Betreiber der Apotheken-Kette Doc Morris hält Haniel 54,6 Prozent. Celesio überzeugte jüngst mit soliden Quartalszahlen und erhöhte die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2010. Das KGV beträgt demnach rund 12, was angesichts des moderaten Wachstums in Ordnung ist. Wichtiger ist derzeit, dass Celesio als der Vermögensgegenstand des Haniel-Konzerns gilt, welcher möglicherweise als erster zum Verkauf steht. Im Sommer wurde bereits ein erster Schulterschluss mit dem US-amerikanische Gesundheits-Dienstleistungsunternehmen Medco in Form einer Kooperation geschlossen. Medco sucht ebenso den Einstieg in Deutschland wie der US-Weltmarktführer McKesson. Das erste Kursziel für die Celesio-Aktie beträgt 25 Euro und im Fall einer Übernahme wesentlich mehr.
Änderung in einem Musterdepot des Aktionärsbriefes:
Die Verantwortlichen für das spekulativ ausgerichtete Musterportfolio haben 2.000 Anteilscheine von Mensch & Maschine zu 4,22 Euro eingebucht und bei 3,80 Euro abgesichert. Das Limit für die Aufnahme der 250 Aktien von Bet-at-home.com setzen sie von 23,20 auf 23,50 Euro hoch.
Börse Online: Klöckner & Co und Greiffenberger senden starke Signale
Die Experten von Börse Online erklären: Bessere langfristige Signale als die Notierung von Klöckner & Co kann eine Aktie kaum geben. Der MACD-Indikator auf Wochenbasis hat ein Kaufsignal angezeigt und der Kurs schaffte es wieder auf ein Niveau oberhalb der 200-Tage-Linie. Schließlich schaffte es die Notierung des Stahlhandels-Unternehmens auch noch, die seit Sommer 2008 gültige Abwärtstrendlinie zu überwinden. Damit ist der Weg bis zum horizontalen Widerstand bei 24 Euro frei. Der Stoppkurs sollte bei 14,80 Euro gesetzt werden.
Im Rückblick auf die vor mehr als drei Monaten ausgesprochenen Kaufempfehlung für zehn Turnaround-Kandidaten, raten die Experten von Börse Online aktuell erneut zum Einstieg in neun dieser zehn Titel, einzig bei ItN Nanovation wird der Ausstieg empfohlen. Mit einem KGV von 9 für das Jahr 2011, bei einem geschätzten Gewinn von 0,90 Euro je Aktie, ist der Anteilschein von Greiffenberger diesbezüglich am günstigsten bewertet. Das Unternehmen hat sich auf Antriebstechnik, Metallband-Sägeblätter und Präzisions-Bandstahl sowie Kanalsanierungs-Technologie spezialisiert und so gute Quartalszahlen vorgelegt, dass die Experten ihre Gewinnschätzungen erhöht haben. Der jüngste Kursrücksetzer bietet zudem eine Einstiegschance.
Änderungen in den Musterdepots von Börse Online:
Die Verantwortlichen für das dynamisch ausgerichtete Musterportfolio haben 45 Anteile des Fonds Pictet Emerging Local Currency Debt (WKN A0M L2E) zu 132,13 Euro eingebucht und den Stoppkurs bei 113 Euro gesetzt. Nun wollen sie noch 500 Aktien von Mahindra & Mahindra zu höchstens 12,30 Euro sowie 100 Power-Optionsscheine (WKN TB8 A3B) auf Gold zu maximal 48,50 Euro aufnehmen. Die Verantwortlichen für das Trend-Musterdepot haben 250 Anteilscheine von Silver Standard Resources zu 17,60 Euro aufgenommen und bei 13 Euro abgesichert. Nun wollen sie noch 250 Aktien von Klöckner & Co zu höchstens 18,30 Euro sowie weiterhin 1.500 Titel von Paion aufnehmen. Das Limit für Paion-Papiere erhöhen sie auf 2,50 Euro.
Änderung im Musterdepot des Chart Trader:
Die 1.000 Anteilscheine von Q-Cells sind mit einem Verlust von 16 Prozent zu 2,48 Euro ausgestoppt worden.
Änderung im Musterdepot des Zertifikate & Optionsscheine Trader:
Die 2.500 Call-Optionsscheine (WKN CM1 V0C) auf die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) sind mit einem Verlust von 20 Prozent zu 0,70 Euro ausgestoppt worden.
Die zehn aussichtsreichsten, interessantesten oder innovativsten Anlagetipps der "Börsenwelt" sind - ausschließlich - im wöchentlich erscheinenden "Börsenwelt Börsenbrief" zu finden.