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Börsenstar oder kurz vorm Irrenhaus? Artnet gegen Artprice

Florian Söllner

Großer Streit: Artnet wehrt sich gegen Aussagen des illustren französischen Konkurrenten Artprice. Inmitten des Chaos ist der Rat an die Anleger klar.

Der Streit eskaliert. Artprice-Chef Thierry Ehrmann sagte: "Wir haben keine Konkurrenten. In einer gänzlich anderen Liga gibt es lediglich Artnet." Artnet-Vorstand Hans Neuendorf konterte nun im Gespräch mit dem AKTIONÄR: "Thierry Ehrmann verwechselt offenbar seine ganz eigene ‚Kunstwelt' mit der Realität. (...) Nach dem, was man über ihn liest, läuft er offenbar Gefahr, früher oder später in einer Nervenheilanstalt oder im Gefängnis zu landen."

Kunst ist ihre einzige Gemeinsamkeit. Davon abgesehen könnten Hans Neuendorf und Thierry Ehrmann nicht unterschiedlicher sein: Während das Haus des Artnet-Chefs sehr hell, ordentlich und reduziert eingerichtet und der Rasen sauber geschnitten ist, liegt auf dem Lyoner Gründstück des französischen Konkurrenten ein abgestürzter Hubschrauber im Garten. Der Artprice- Chef lebt im wahrsten Sinne des Wortes im "Chaos" - eine Art großes "wachsendes" Kunst-Museum (siehe Bild). Jetzt sind die beiden Charaktere aneinandergeraten. In einem Interview mit Boursica.com ließ Artprice-Chef Ehrmann kein gutes Haar am Konkurrenten und kritisierte unter anderem die mangelnde Transparenz der Artnet AG.

Vorwürfe, die Neuendorf im Gespräch mit dem AKTIONÄR entschieden zurückweist: "Alle unsere Zahlen sind natürlich geprüft und komplett belegt. Das, was dieser Mann über Artnet erzählt, ist frei erfunden." Neuendorf hat rechtliche Schritte angekündigt.  Da will Thierry Ehrmann nicht nachstehen und kündigte gegenüber dem AKTIONÄR an, gegebenenfalls "zurückzufeuern".

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Aktien-Hype um Artprice

Zumindest was die Kursentwicklung angeht, lag Artprice in den letzten Monaten klar vor Artnet. Auslöser war die Ankündigung der Franzosen, künftig nicht nur mehr Kunstdaten anzubieten, sondern auch eine Kunsthandels-Plattform aufzubauen. Die Umsätze sollen danach explodieren. Nestor-Fondsmanager Dominique Catteaux, der seit dem Ersteinstieg bei Artprice im Jahr 2005 zu drei Euro rund 1.000 Prozent Performance erzielt hat, sagte dem AKTIONÄR: "Artprice rechnet für seine Kunst-Auktionen mit einem jährlichen  Dandelsvolumen von zwei Milliarden Euro. Die Firma will damit 2012 schon rund 90 Millionen Euro Nettoumsatz erzielen. 40 Millionen Euro pro Jahr halten Experten für realistisch. Angestrebt werden hohe Gewinnspannen, da der Prozess vollautomatisch ablaufen soll."

Neuendorf hat keine Angst vor diesem neuen Konkurrenzprodukt: "Ich halte es für unmöglich, dass es Artprice schafft, die erwähnten zwei Milliarden Euro auf einer Auktionsplattform umzusetzen. Die Firma hat noch nicht einmal bewiesen, dass sie es versteht, ein technisch so komplexes Projekt überhaupt zu realisieren." Die Berliner Artnet hingegen kann bereits einen funktionierenden Online-Kunsthandel vorweisen. So wurden 2010 Kunstwerke im Wert von zwölf Millionen Euro über "artnet auctions" vermittelt. Dabei erlöste Artnet Provisionen von zwei Millionen Euro.

Der Online- Kunsthandel ist ein Milliardenmarkt. Die transparente Artnet AG ist hier bestens positioniert und angesichts eines Kurs- Umsatz-Verhältnisses von 1,5 günstig bewertet. In der mit einem 2010er- KUV von 38 bewerteten Artprice-Aktie steckt - obwohl Nestor allein den Wert der "gigantischen" Kunstdatenbank auf 30 Millionen Euro taxiert - aktuell noch zu viel Fantasie. Beobachtenswert bleibt die spannende Artprice jedoch allemal.

(Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 30/2011 erschienen)

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