Markus Horntrich
Mit der Gründung der Just a Game GmbH hat Bob Mobile erneut die Weichen gestellt, um den zweistelligen Wachstumskurs weiter zu beschleunigen. Firmenchef Remco Westermann gibt sich im Gespräch mit dem AKTIONÄR optimistisch, die avisierten 50 Millionen Euro Umsatz schneller zu erreichen, als ursprünglich geplant.
Der Einstieg in den Browser-Games-Markt durch die Gründung der Just a Game GmbH könnte Bob Mobile ein weiterer großer Wurf gelingen. Dass dies ein attraktiver Markt ist, zeigt nicht zuletzt die Kooperation zwischen Google und Zynga, die den Online-Games-Markt aufmischen wollen. DER AKTIONÄR hat sich mit Bob-Mobile-Chef Remco Westermann über seine Pläne mit der neuen Tochter unterhalten.
DER AKTIONÄR: Herr Westermann, bitte erklären Sie unseren Lesern, was sogenannte Online-Browser-Games sind, die die neue Bob Mobile Tochter Just a Game GmbH vertreiben wird.
Remco Westermann: Online-Browser-Games sind Spiele, die auf PC oder Mobiletelefon direkt aus dem Browser heraus gespielt werden. Es sind also keine aufwendigen Downloads notwendig, der Spieler kann sofort loslegen und hat keine Virenrisiken oder Speicherengpässe. Insbesondere die Multiplayer Online Browser Spiele (MMO's) "Seafight" sowie auch die Social-Online-Browser-Spiele "Farmville" sind sehr interessante, schnell wachsende Marktbereiche.
Halten Sie das jährliche Wachstum von mehr als zehn Prozent im Spielemarkt für konservativ oder eher für zu optimistisch?
Der Spielemarkt kennt unterschiedliche Bereiche mit unterschiedlichen Wachstumsraten. Während im Konsolen- und PC-Games-Bereich eine deutliche Konsolidierung stattfindet, zeigt insbesondere der Bereich Social-Games ein Wachstum, das weit über zehn Prozent pro Jahr hinausgeht.
In welcher Zeit haben Ihre Wettbewerber Big Point oder Games Forge ihre Wachstumsgeschichte geschrieben?
Die meisten Wettbewerber in diesem Markt sind nicht länger als fünf Jahre in dem Markt für Browserspiele aktiv, zeigen aber fast alle starkes Wachstum. Es gibt inzwischen mehrere Unternehmen mit Jahresumsätzen über 100 Millionen Euro. Der Markt ist also nicht mehr ganz jung, aber auch nicht alt. Es findet jedoch auch hier schon ein gewisses Maß an Konsolidierung zwischen den Gesellschaften statt. Aber durch die hohen Wachstumsraten gibt es nach wie vor super Expansionsmöglichkeiten für Anbieter, die gute Produkte liefern und die Vermarktung beherrschen. Interessant ist auch, das die große Player aus dem Konsolen- und PC-Bereich wie Electronic Arts und THQ in diesen Bereich rein wollen und hier schon erste Akquisitionen stattgefunden haben.
Haben Ihre erfolgreichen Wettbewerber auch das sogenannte Item-Selling-Business-Modell, in dem die Spieler Gegenstände einkaufen, um sich damit gegenüber ihren Mitspielern zu profilieren?
Auf Basis unserer Analysen ist es insbesondere das Item-Selling-Modell, das die optimale Kombination aus schnellem Wachstum und guter Kommerzialisierung darstellt. Es gibt aber auch einige sehr erfolgreiche Modelle auf Basis von Abonnements, etwa World of Warcraft.
Wird die Just a Game GmbH die Spiele selbst entwickeln, oder einkaufen?
Die Just A Game GmbH konzentriert sich wie auch die anderen Bob Mobile Töchter auf Marketing und Sales. Die eigene Entwicklung von Spielen ist mit hohen Risiken verbunden. Es gibt viele gute Spiele-Lizenzen und auch Spiele Entwickler am Markt. Ein separates Team wird sich auf den Lizenzhandel konzentrieren, aber auch Lizenzen an dritte weiter lizenzieren. Damit wollen wir in eine gute Marktposition kommen, um vielversprechende Spielelizenzen beschaffen zu können.
Nachdem Sie erst im Oktober 2010 Ihr Geschäft aufnehmen, ist der Planumsatz von einer knappen Million für 2010 nicht zu hoch gegriffen?
Wir halten das für dieses Jahr für realistisch, denn der Erwerb der ersten Spielelizenzen steht kurz vor Abschluss, und der Vermarktungsstart wird vorbereitet. Das heißt, dass wir fast ein komplettes Quartal zur Verfügung haben, um dieses Jahr noch Umsätze zu generieren. Zusätzlich wird unser Lizenzhandels-Team auch schon in 2010 für Umsätze sorgen. Auch durch die Veräußerung von Teil-Lizenzen für Länder, in denen wir selber nicht aktiv sind, werden wir dieses Jahr noch Einnahmen sehen.
Für 2011 erwarten Sie mit fünf Millionen Euro Umsatz von Just a Game einen substanziellen Ergebnisbeitrag. Können Sie dies näher präzisieren?
Die fünf Millionen sind eher die untere Seite der Möglichkeiten. Wir alle wissen, dass es beim Start eines neuen Bereichs auch immer Herausforderungen gibt, deswegen sind wir hier eher vorsichtig. Aber wir sehen die Möglichkeiten am Markt und können durch unsere Vermarktungskompetenz auch schnell unser Volumen hochskalieren.
Und welchen Umsatz halten Sie für das laufende Jahr realistisch?
Wir sind optimistisch über unsere Wachstumsmöglichkeiten und sehen auch, dass die neuen Länder anfangen, zum Wachstum beizutragen. Einen genauen Forecast werden wir erst im Herbst geben, da es nach wie vor zu viele unbekannte Faktoren gibt in Bezug auf die Gesamtwirtschaft. Bob Mobile erwartet für das Geschäftsjahr 2010 weiterhin, Umsatz und EBIT gegenüber dem Vorjahr im zweistelligen Prozentbereich steigern zu können.
Bob Mobile will in Brasilien und in Frankreich neue Landesgesellschaften gründen. Haben die schon ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen?
Die Bob Mobile will weiter international wachsen. Wir starten in jedem Quartal ein oder zwei neue Märkte. Auch Brasilien und Frankreich stehen auf der Roadmap, sind aber nicht die einfachsten und vor allem nicht die schnellsten Länder um an den Start zu gehen. Mindestens eines von beiden sollte aber nach unserer jetzigen Planung noch dieses Jahr starten. Wir gründen nur in den Ländern, in denen dies aus gesetzlichen oder regulatorischen Gründen notwendig ist, neue Niederlassungen. Die übrigen Länder werden direkt aus Deutschland heraus verwaltet.
Wann wird aktuelles Researchmaterial veröffentlicht, das die Expansion auch berücksichtigt ?
Nach unseren Informationen sind sowohl SES-Research wie auch Close Brother Seydler Research dabei, eine Studie über Bob Mobile zu erstellen. Wir gehen davon aus, dass beide Studien zeitnah veröffentlicht werden.
Nachdem Just-a-Game in 2011 bereits fünf Millionen Euro zum Ergebnis beitragen, müssten Sie doch das ursprüngliche Umsatzziel von 2015 mit 50 Millionen Euro bereits in 2013 erreichen. Liegen wir hier mit unserer Einschätzung richtig?
Aufgrund der neu gestarteten Aktivitäten sowie weiterhin starkem Wachstum in unseren anderen Bereichen gehen wir davon aus das wir die 50 Millionen Marke schneller erreichen als 2015. Grundsätzlich wollen wir aber ein Ergebniswachstum generieren, das höher ist, als unser Umsatzwachstum.
Besten Dank für das Gespräch.

Vor neuem Hoch?
DER AKTIONÄR erwartet im laufenden Jahr nach wie vor ein Ergebnis je Aktie von 1,60 Euro, mit einem KGV von 11 ist Bob Mobile nach wie vor nicht zu teuer. Ein nachhaltiger Anstieg über das 2006er-Hoch bei 17,19 Euro würde ein neues Kaufsignal generieren. Der Stopp bei der AKTIONÄRS-Empfehlung sollte auf 12,00 Euro nachgezogen werden.