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Bilfinger Berger-Chef: "Wir haben einiges vor"

Markus Bußler

Der Baudienstleister Bilfinger Berger befindet sich im Wandel: Der Konzern setzt vermehrt auf den margenträchtigen Dienstleistungsbereich. Im Interview erläutert Vorstandschef Roland Koch, welche Pläne er in den kommenden Jahren verfolgt und wie er das Geld, das er durch den Verkauf der australischen Bauaktivitäten eingenommen hat, sinnvoll einsetzen will.

DER AKTIONÄR: Herr Koch, von dem Abschwung spüren Sie nichts, die große Krise sehen Sie auch nicht. Woher kommt der Optimismus?

Roland Koch: Viele unserer Kunden haben volle Auftragsbücher. In unserem größten Geschäftsfeld Industrial Services sind die Produktionsanlagen unserer wesentlichen Kundengruppen gut ausgelastet, die Leistung im laufenden Instandhaltungsgeschäft ist erfreulich gewachsen. Allerdings lässt uns die allgemeine Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung auch mit einer gewissen Vorsicht in die Zukunft blicken. Es gibt weiterhin eine Investitionszurückhaltung im Projektgeschäft. Insgesamt gehen wir künftig von einer geringeren Wachstumsdynamik in der Prozessindustrie aus, rezessive Entwicklungen sind jedoch nicht erkennbar.

Im dritten Quartal gab es bereits kleinere Bremsspuren. Wie sind Sie mit dem vierten Quartal bislang zufrieden?

Wir arbeiten derzeit auf einem enorm hohen Leistungsniveau. Und wenn ich auf die Auftragseingänge von Bilfinger Berger im Oktober schaue, dann gab es in diesem Jahr sicherlich schon schwächere Monate. Wir haben also keinen Anlass anzunehmen, dass es nächstes Jahr schlechter wird. Wie viel besser es werden kann, das werden wir zu Beginn des Jahres 2012  fundierter beurteilen können. Es wir bestimmt kein einfaches Jahr, aber wir gehen mit einer gewissen Gelassenheit hinein.

Sie haben genügend Geld in der Kasse. Stehen in nächster Zukunft bereits große Zukäufe an?

Wir haben eine Finanzierungsfähigkeit für Investitionen von deutlich über einer Milliarde Euro. Da spielt natürlich der Ertrag aus dem Verkauf der australischen Bauaktivitäten eine Rolle. Hinzu kommen erhebliche Finanzierungsspielräume. Wir prüfen eine ganze Reihe von Übernahmezielen und werden nicht eine einzige Großakquisition tätigen - das ist auch nicht die Tradition des Unternehmens. Das Akquisitionsverhalten wird sowohl in der Struktur als auch in der Region ausgewogen sein. Die größten Einzelinvestitionen der Vergangenheit waren Unternehmen mit einem Wert von rund 300 Millionen Euro, niemand im Markt sollte erwarten, dass wir diese Größenordnung wesentlich überschreiten werden. Aber selbstverständlich haben wir in den nächsten 18 Monaten einiges vor.

Sie waren zuletzt in Indien aktiv. Wird auch in Zukunft der Fokus auf den Wachstumsmärkten liegen?

Bilfinger Berger hat einen sehr internationalen Fußabdruck gehabt, aber wir haben uns zuletzt auf Europa konzentriert. Jetzt sind wir dabei, wieder verstärkt in die Welt hinauszugehen. Auch hier stehen Kraftwerksservices, Industriedienstleistungen und Facility Management im Vordergrund. Bei den Immobilienservices liegt unser Fokus sicherlich auf dem europäischen Ausland, Power Services und Industrial Services blicken auch nach Asien. Indien ist in der Tat ein Zielmarkt. Die jüngste Akquisition ist sicherlich nicht die letzte in Asien. Wir wollen in Zukunft sowohl von den Vorteilen reifer Märkte als auch von den größeren Wachstumschancen neuer, aufstrebender Märkte.

Sind Zukäufe auch eine Art Schutzschild gegen eine mögliche feindliche Übernahme?

Jedes Unternehmen mit einem hohen Aktien-Streubesitz ist ein potenzielles Übernahmeziel. Ein Unternehmen muss als Ganzes mehr wert sein, als die Summer der einzelnen Unternehmensteile. Daran arbeiten wir: Wenn die Leistung in den kommenden fünf Jahren um 50 Prozent steigen und sich das Ergebnis verdoppeln kann, dann entsteht auch bei den Anlegern die Phantasie, die sie dazu bringt, eine Aktie wie Bilfinger Berger langfristig zu halten.

Dennoch: Bei Hochtief ging es auch sehr schnell.

Ich denke, dass ein Management sehr gut beraten ist, diese Dinge aufmerksam, aber ruhig zu beobachten. Es ist nicht Aufgabe von Vorständen, sich die Eigentümer auszusuchen, sondern sie müssen den Erfolg des Unternehmens gewährleisten. Wir wollen Bilfinger Berger so entwickeln, dass die Eigentümer es für klüger halten, an dieser Entwicklung teilzuhaben und die Vorteile daraus zu ziehen, anstatt zu gehen und sie anderen zu überlassen.

Der Fokus bei Bilfinger Berger liegt auf dem Dienstleistungsbereich. Könnte es zu einer Abspaltung der Bausparte kommen?

Wir halten das Baugeschäft, das an der Gesamtleistung des Unternehmens rund 20 Prozent ausmacht, für wichtig, um unsere die übrigen Komponenten so anbieten zu können, wie wir das für richtig halten. Unsere Strategie für die kommenden fünf Jahre sieht deshalb vor, die Kompetenz zum Bauen zu behalten und in speziellen Bereichen auszubauen. Wir sind ein Dienstleistungskonzern mit weitreichendem Know-how im Baugeschäft. Wir wollen dem Markt beweisen, dass das Zusammenwirken aller Konzerneinheiten der entscheidende Erfolgsfaktor von Bilfinger Berger ist.

Bleibt die Dividendenpolitik des Unternehmens auf Nachhaltigkeit ausgerichtet?

Unsere Dividendenpolitik hat eine lange Tradition. Wir haben immer versucht, für eine gute Verzinsung zu sorgen. Im Grundsatz wollen wir daran festhalten, dass etwa die Hälfte der Erträge auch zur Ausschüttung gelangt. Mit dem Aufsichtsrat müssen wir jetzt natürlich besprechen, wie das Unternehmen mit den positiven Sondereffekten aus dem Verkauf der Australienaktivitäten umgeht.

Herr Koch, wir danken Ihnen für das Interview.

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