Markus Bußler
Die Branche befindet sich tief in der Krise - und auch Beate Uhse kämpft mit kostenlosen Erotikinhalten im Internet. Vorstandsvorsitzender Serge van der Hooft setzt jetzt auf den neuen Trend 3D bei Erotikfilmen, um die schwächelnden Absätze wieder auf Vordermann zu bringen. Mit Erfolg?
Das Internet hat die Erotikindustrie kräftig aufgewirbelt. Jede Menge kostenlose Inhalte werden dort angeboten. Folgerichtig brach der Absatz von DVDs bei Konzernen wie Beate Uhse ein. Der Konzern schrieb zuletzt rote Zahlen und hat auch für das laufende Jahr einen Verlust angekündigt. Mit dem Wandel zum Life-Style-Konzern wollen die Flensburger den Turnaround schaffen. Dazu soll vor allem eine neue Zielgruppe beitragen: Frauen.
Operativer Verlust
Raus aus der Schmuddelecke, rein in die guten Lagen mit neuen Shop-Konzepten. So schien das Motto bei Beate Uhse zu lauten. Doch zum Halbjahr wollte sich noch kein Erfolg einstellen. Operativ lag der Konzern in den roten Zahlen und wies beim EBIT einen Verlust von 6,1 Millionen Euro aus. Das einzig Gute, das Vorstandsvorsitzender Serge van der Hooft zu berichten hatte, war die Meldung, dass die Finanzierung "vorerst gesichert" sei. Auch auf der Umsatzseite gab es wenig Erfreuliches: Der brach um 12,3 Prozent auf 96,0 Millionen Euro ein. Immerhin sollen sich die Verkäufe zuletzt auf niedrigem Niveau stabilisiert haben.
Hohe Produktionskosten
Jetzt sollen es 3D-Filme richten. "Wir werden auf jeden Fall in dieses Geschäft investieren", sagte Serge van der Hooft der Nachrichtenagentur Bloomberg. Eigentlich eine gute, sollte man meinen. Nur stellt sich die Frage, wie viele der Kunden bereit sind, die sicherlich höheren Preisen für solche Filme zu bezahlen. Immerhin liegen die Produktionskosten für derartige Filme mit geschätzten mehr als 300.000 Euro über zehnmal so hoch wie die von Billigproduktionen oder gar Amateur-Filmen.

Anleger, die an einen Erfolg der 3D-Filme und einen erfolgreichen Geschäftsumbau glauben, müssen wohl einen längeren Atem als zunächst gedacht mitbringen. Der Vorstandsvorsitzende rechnet damit, dass der Konzern noch mindestens zwei Jahre für den Umbau benötigen wird - und damit länger als zunächst vermutet. Ob der Turnaround im kommenden Jahr gelingen wird, ist mehr als ungewiss. Doch eines scheint sicher: Erweisen sich auch die 3D-Filme als Flop und gelingt der Wandel zum Life-Style-Konzern nicht, dann wird die finanzielle Situation zum großen Problem für den Konzern. Mit anderen Worten: Anlegern kann man derzeit nur den Rat geben, die Aktie zu meiden, beziehungsweise aufgebaute Positionen in Kursstärken hinein zu verkaufen.