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BB Biotech: Aussichten für 2009 optimistischer denn je

Frank Phillipps

DER AKTIONÄR sprach mit Roland Maier, Leiter des Management-Teams von BB Biotech, über die Aussichten für die Biotech-Branche im Jahr 2009, seine Favoriten und warum Anleger die Aktie der Schweizer Beteiligungsgesellschaft jetzt günstig einsammeln sollten.

DER AKTIONÄR sprach mit Roland Maier, Leiter des Management-Teams von BB Biotech über die Aussichten für die Biotech-Branche im Jahr 2009, seine Favoriten und warum Anleger die Aktie der Schweizer Beteiligungsgesellschaft jetzt günstig einsammeln sollten.

DER AKTIONÄR: Herr Maier, alle Welt redet derzeit von der globalen Finanzkrise. Und die geht auch am Biotech-Sektor nicht spurlos vorbei. Zwar stehen die meisten großen Unternehmen finanziell relativ gut da, dafür geht vielen kleineren Firmen langsam, aber sicher das Geld aus. Neue Barmittel dürften über den Kapitalmarkt im Augenblick schwer zu beschaffen sein. Erwarten Sie daher eine Konsolidierung in Form einer Übernahmewelle oder befürchten sie eher eine Pleitewelle? Wie schätzen sie die finanzielle Situation im Sektor derzeit insgesamt sein?

Roland Maier: Es ist richtig, der Biotech-Sektor ist zweigeteilt. Jene Biotechunternehmen, welche bereits die Profitabilität erreicht haben, erzielen hohe Cash-Flows, die nach wir vor nachhaltig steigen. Diese Unternehmen können von der gegenwärtigen Krise profitieren, da sich attraktive Akquisitionsmöglichkeiten eröffnen. Andererseits gibt es viele junge Biotech-Unternehmen, die mit der Entwicklung ihrer Medikamente noch in den Anfängen stecken und die Kapital benötigen. Für diese Firmen sind die Finanzierungen wesentlich schwieriger geworden. Es ist deswegen davon auszugehen, dass wir eine gewisse Konsolidierung sehen werden. Dem einen oder anderen Unternehmen wird auch der Gang zum Konkursrichter nicht erspart bleiben. Insgesamt ist die Branche jedoch solide finanziert und weist einen positiven Cash-Flow aus.

Wie beurteilen Sie die Perspektiven für die Biotech-Branche im Jahr 2009? Welche Bereiche werden sich nach Ihrer Ansicht überproportional entwickeln, welche Sektoren sollten Anleger aus Ihrer Sicht eher meiden?

Wir sehen die Aussichten der Biotech-Branche optimistischer denn je. Wir erwarten bedeutenden medizinischen Fortschritt durch Biotech-Unternehmen im Jahr 2009 für mehrere wichtige Therapiegebiete, etwa für Krebs und Infektionskrankheiten. Investoren sollten bei Gesellschaften vorsichtig sein, die über eine schwache Kapitalstruktur verfügen.

Roland Maier ist Chef des Management-Teams der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech.

Sprechen wir über die Beteiligungen von BB Biotech: Kernposition im Portfolio ist Actelion mit einem Anteil von fast 29 Prozent. Ist es nicht gewagt, eine einzelne Position derart hoch zu gewichten? Welche Fantasiefaktoren sehen Sie bei dem Titel für die Zukunft?

Es gibt mehrere Gründe, warum wir Actelion übergewichten. Zum einen ist Actelion auf dem Gebiet der Behandlung des pulmonalen Bluthochdrucks unbestrittener Marktführer und erzielt mit diesem Geschäftsfeld solide Wachstumsraten und einen hohen Cash-Flow. Zum anderen ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15 für 2009 attraktiv bewertet. Darüber hinaus verfügt Actelion über mehrere Entwicklungsprojekte, denen wir erhebliches Potenzial zuordnen und von denen wir 2009 Resultate in wichtigen klinischen Studien erwarten.

Weitere größere Beteiligungen sind die US-Schwergewichte Celgene und Gilead. Trotz ihrer Größe überzeugten die beiden Unternehmen in den letzten Jahren mit einer beachtlichen Wachstumsdynamik. Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, dass die beiden Unternehmen das hohe Wachstumstempo auch in Zukunft beibehalten können?

Ja, wir gehen davon aus, dass beide Unternehmen auch in den kommenden Jahren solide Wachstumsraten erreichen können. Celgene profitiert von dem Medikament Revlimid, welches für viele Krebspatienten von größtem Wert ist. Revlimid wird nicht nur in der wichtigsten Indikation Multiplem Myelom auf Jahre hinaus stark wachsen, da immer mehr Patienten über längere Zeit erfolgreich mit dem Arzneimittel behandelt werden. Wir erwarten, dass sich Revlimid auch in zusätzlichen Indikationen wie Non-Hodgkins Lymphomen oder Chronischer Lymphatischer Leukämie zu einem wichtigen Produkt entwickeln wird. Gilead hat es geschafft, auf dem sehr kompetitiven Markt für HIV-Medikamente gegen praktisch alle großen Pharmafirmen eine dominierende Marktstellung zu erreichen. Durch die Medikamente von Gilead wird die HIV-Erkrankung für viele Patienten zu einer chronischen, behandelbaren Krankheit, welche das tägliche Leben praktisch nicht beeinflusst. Es gibt aber weltweit noch sehr viele unbehandelte HIV-Patienten. Es gibt leider auch nach wie vor viele Neuinfektionen mit dem HI-Virus. Deswegen bleibt das Wachstum von Gilead noch lange Zeit intakt.

Vertex lebt vor allem von der Fantasie, die von dem Hepatitis-Mittel Telaprevir ausgeht. Wann rechnen Sie hier mit weiteren Ergebnissen aus klinischen Studien?

Wir erwarten für die nächsten zwei Jahre eine Fülle neuer klinischer Ergebnisse für Telaprevir. Von besonderer Wichtigkeit werden die abschließenden Ergebnisse einer klinischen Studie mit Telaprevir in Hepatitis C-Patienten sein, bei denen die bisher verfügbaren Medikamte nicht wirksam waren. Für diese Patientengruppe wird Telaprevir allerhöchste Bedeutung gewinnen.

Etwa 10,5 Prozent beträgt die Beteiligung am Branchenschwergewicht Genentech. Dessen Mutterkonzern Roche hat ein Übernahmeangebot in Höhe von 89 Dollar unterbreitet, das allerdings als zu niedrig zurückgewiesen wurde. Rechnen Sie nach wie vor damit, dass Roche Genentech komplett schluckt? Wenn ja, zu welchem Preis je Aktie?

Wir erwarten, dass die Roche-Genentech-Transaktion zustanden kommen wird und dass der Preis im Bereich der bereits unterbreiteten Offerte liegen wird.

Noch eine Frage zu einer kleineren Beteiligung: Arena Pharmaceuticals. Das Unternehmen hat vor kurzem positive Phase-II-Daten seines experimentellen Wirkstoffs Lorcaserin, einem Mittel gegen Fettleibigkeit, veröffentlicht. Eine solche Arznei wäre so etwas wie der „heilige Gral“ unter den Medikamenten, vergleichbar mit einem Heilmittel gegen Krebs, schließlich gilt Fettleibigkeit als Hauptauslöser von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Killer-Krankheit Nummer 1 in den Industrienationen. Bisher sind alle Unternehmen bei der Entwicklung eines entsprechenden Medikamentes gescheitert. Warum sollte gerade Arena den Durchbruch auf diesem Gebiet schaffen?

Wir erwarten nicht, dass Lorcaserin von Arena sich zum ultimativen Mittel gegen Fettleibigkeit entwickeln wird. Dazu wird die Wirksamkeit nicht ausreichend sein. Lorcaserin ist eine Weiterentwicklung bereits bekannter Medikamente. Der Vorteil von Lorcaserin könnte darin liegen, dass ein signifikanter Gewichtsverlust bei gleichzeitig nur sehr geringen Nebenwirkungen ermöglicht wird. Angesichts des enormen medizinischen Problems, das Fettleibigkeit für die Medizin darstellt, wäre ein solches klinisches Profil ausreichend, um Lorcaserin zu einem bedeutenden Produkt zu machen.

Es ist auffallend, dass BB Biotech bislang nicht in Unternehmen investiert hat, die etwa im Bereich der Stammzellenforschung oder in der RNA-Interferenz tätig sind. Glauben Sie nicht an das Potenzial dieser Technologien oder sind Ihnen die in der Entwicklung befindlichen Wirkstoffe noch zu weit von der Marktreife entfernt?

Sie können sicher sein, dass wir diese Gebiete mit großem Interesse verfolgen und mit den involvierten Firmen einen konstanten Dialog führen. Allerdings möchten wir nicht den Fehler begehen, unsere finanziellen Mittel zu früh einzusetzen.

Die Differenz zwischen NAV (Net Asset Value), also dem inneren Wert von BB Biotech, und der Börsenbewertung weist derzeit einen Discount von fast 30 Prozent auf. Ein Engagement wäre demnach für Anleger günstig. Wie lauten Ihre Argumente dafür, dass dieser Discount auf absehbare Zeit nachhaltig abgebaut wird und Investoren mit der BB-Biotech-Aktie ordentliche Renditen erwirtschaften?

Der momentan sehr niedrige Aktienkurs der BB Biotech lässt sich auf verschiedene Sonderfaktoren zurückführen: Die Aktie ist leider auch von der aktuellen Finanzkrise betroffen, die Fälligkeit einer Wandelanleihe zum Jahresende übt Druck auf die Aktie aus und wir haben unser laufendes Rückkaufprogramm bereits in den ersten drei Quartalen 2008 zum größten Teil ausgeführt. Trotz der momentanen Krise hat die BB Biotech für ihre Aktionäre, die bei der Gründung der Gesellschaft im Jahre 1993 in die Aktie investierten, eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,2 Prozent erzielt, was sich durchaus vorteilhaft mit den allermeisten anderen Finanzanlagen in diesem Zeitraum vergleicht. Wir halten an unserem Ziel fest, dass die Aktie im Bereich des Inneren Wertes der Fima handeln sollte. Letztlich ist es aber die große Zahl neuer wirkungstarker Biotech-Medikamente, die uns für die Zukunft positiv stimmt.

Fazit: Chance überwiegt Risiko

Die Aktie der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech ist ein Basisinvestment im Biotech-Sektor. Das Papier bietet dem Anleger die Möglichkeit, an den großen Zukunftschancen der Biotechnologie zu partizipieren. Anders als bei einem Einzelinvestment bleibt das Risiko aufgrund des „Fonds-Charakters“ der Aktie dabei aber überschaubar. Die Differenz zwischen innerem Wert und Börsenwert von derzeit fast 30 Prozent zeigt die Unterbewertung deutlich an. Kaufen!

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