Übernahmen sind derzeit das große Thema in der Pharma- und Biotech-Branche. Von einem Mega-Deal hat auch die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech profitiert. der aktionär sprach mit Roland Maier, Leiter des Management-Teams von BB Biotech, über das Übernahmefieber, die Aussichten der Biotech-Branche im Allgemeinen und die Perspektiven von BB Biotech im Speziellen.
Roland Maier: Pharma-Firmen sind durchaus daran interessiert, BiotechFirmen zu übernehmen. Ich möchte hier auf die 45-Milliarden-Dollar-Übernahme von Genentech durch Roche hinweisen. Wir erwarten auch zukünftig bedeutende Akquisitionen von Biotech-Unternehmen durch Pharma-Firmen. Oft ist dies für die Pharma-Firmen der einzig gangbare Weg, um die langfristige Zukunft zu sichern. Das Zusammengehen von Pharma-Unternehmen untereinander hat eher eine mittelfristige Perspektive. Es wird versucht, durch Synergien und Kostenreduktionen das Gewinnwachstum aufrecht zu erhalten. Das grundlegende Problem des Mangels von neuen innovativen Medikamenten wird dadurch aber nicht gelöst.
Ja, wir sind mit dem gezahlten Preis zufrieden. Wir denken, dass die Transaktion für alle Beteiligten von Vorteil ist.
Durch die Übernahme von Genentech werden auch bei BB Biotech rund 105 Millionen Dollar freigesetzt. In welche Bereiche werden Sie das Geld investieren?
Wir haben die Mittel zum Teil zur Auszahlung der diesjährigen Dividende verwandt. Außerdem haben wir in neue Beteiligungen investiert.
Actelion hatte zuletzt Probleme mit der US-Gesundheitsbehörde FDA. Die tut sich schwer damit, die Ausweitung der Anwendungsgebiete von Actelions Hauptumsatzträger Tracleer zu genehmigen. Der Aktienkurs von Actelion hat gelitten. Wie sehen Sie hier die weitere Entwicklung?
Trotz der Verzögerung bei der Erweiterung der Zulassung von Tracleer in den USA sind wir nach wie vor vom langfristigen Wachstum von Tracleer übezeugt. Außerdem hat Actelion mehrere sehr vielversprechende Produkte in klinischer Entwicklung.
Celgene und Gilead sind zwei weitere Kernbeteiligungen. Welche Katalysatoren sehen Sie bei den beiden Werten für die nähere und die mittelfristige Zukunft?
Celgene besitzt mit dem Arzneimittel Revlimid ein Blockbuster-Produkt, welches für mehrere hematologische Krebserkrankungen das Mittel der Wahl darstellt. Wir denken, dass Revlimid erst am Beginn seines Lebenszyklus steht und noch viele Jahre weiter wachsen wird. Das gleiche gilt für Gilead. Auf dem Gebiet der HIV-Medikamente besitzt Gilead fast eine dominierende Marktstellung. Wir erwarten, dass auch dieses Geschäft noch viele Jahre weiter wachsen wird.
Ende April wird eine wichtige Fachkonferenz zum Thema Hepatitis C stattfinden. Dort wird auch Ihre Beteiligung Vertex präsentieren. Führt Vertex das Rennen um ein neuartiges Hepatitis-C-Mittel und damit um Milliardenumsätze aus Ihrer Sicht nach wie vor an?
Das Produkt Telaprevir von Vertex hat das Potenzial, die Therapie von Hepatitis C grundlegend zu revolutionieren und sich zu einem Blockbuster zu entwickeln. Deswegen sind wir an Vertex beteiligt. Die jüngsten medizinischen Resultate haben uns in unserer Zuversicht bestärkt.
Die Phase-III-Daten, die Arena vor Kurzem zu seinem Anti-Fettleibigkeitsmittel Lorcaserin vorgelegt hat, wurden vom Markt mit Enttäuschung aufgenommen. Wie beurteilen Sie die Resultate? Hat Lorcaserin aus Ihrer Sicht nach wie vor Potenzial? Werden Sie an der Beteiligung festhalten?
Die Erwartung des Marktes an die Wirksamkeit eines Fettleibigkeitsmittels in einer großen klinischen Studie waren zu optimistisch. Man kann nicht einfach die Resultate kleinerer vorangegangener Studien auf große Studien extrapolieren. Wir glauben weiter, dass Lorcaserin mit dem gezeigten Wirksamkeits-/Nebenwirkungsprofil ein bedeutendes Medikament werden kann.
Wie schätzen Sie die Wachstumsaussichten der Branche insgesamt ein?
Wir denken, dass die Branche langfristig mit 10 bis 15 Prozent pro Jahr wachsen wird. Für die Aktie von BB Biotech haben wir das Ziel von 15 Prozent Rendite pro Jahr im langfristigen Durchschnitt.
Viele kleinere Biotech-Firmen stehen vor dem finanziellen Aus. Der Kapitalmarkt ist als Quelle aufgrund der Finanzkrise weitgehend ausgetrocknet. Sollte sich die Biotech-Branche Ihrer Meinung nach auch um Staatshilfen bemühen?
Staatshilfen nach dem Muster der Finanzhilfen für die Banken wären ein ungeeignetes Instrument. Die Erfahrung der letzten Jahren zeigt, dass staatliche Fördermittel nur dann sinnvoll sind, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Die Förderung der Biotech-Unternehmen sollte sich weiterhin darauf konzentrieren, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa durch die Bereitstellung von Infrastruktur oder durch die Unterstützung von Wagniskapitalgesellschaften.
Günstige Einstiegschance
BB Biotech wird derzeit an der Börse mit einem Abschlag von 22,5 Prozent auf den inneren Wert (NAV) gehandelt. Anleger, die an den Chancen der Biotechnologie teilhaben wollen, das Risiko eines Einzelinvestments aber scheuen, können daher bei BB Biotech derzeit günstig einsteigen.