Werner Sperber
Vor zwei Wochen hat Balda noch den Verkauf von TPK-Aktien dementiert. Damals kosteten diese Anteile noch erheblich mehr als heute und heute meldet Balda, TPK-Anteile zu veräußern. Alles im Sinne der eigenen Aktionäre, wie Balda versichert, und doch wird deren Eigentum noch durch eine Kapitalerhöhung von TPK weiter beschnitten.
Balda verkauft bis zu einem Viertel der TPK-Aktien, die noch im Besitz des Unternehmens aus Bad Oeynhausen sind. TPK selbst erhöht das Kapital und verwässert den verbleibenden Anteil von Balda dadurch und Balda-Alleinvorstand Rainer Mohr spielt dieses Spiel mit, bei dem die Aktionäre von Balda sich insgesamt benachteiligt fühlen dürfen. Der einzige Hoffnungsschimmer liegt in der vor Monaten angekündigten Übernahme für die einst bereits aufgegebene Sparte Medical. Derzeit hält Balda an dem einstigen 50:50-Joint-Venture TPK Holding noch 36 Millionen Aktien (35.998.365 Stück) der insgesamt bislang ausgegebenen 224 Millionen Aktien (224.067.522 Stück). Das entspricht knapp 16,1 Prozent. Nun möchte Balda im vierten Quartal dieses Jahres "bis zu 9,5 Millionen Aktien" an "ausgewählte Investoren" verkaufen, wie es in der Balda-Pressemitteilung heißt. Auf der TPK-Internetseite wird es genauer. Dort steht, die beabsichtigte Menge beträgt 7,6 Millionen bis 9,5 Millionen Anteile. Gleichzeitig hat der TPK-Vorstand beschlossen, 16 Millionen bis 20 Millionen neue Aktien auszugeben. Bei einem angenommenen Verkauf von 9,5 Millionen Titeln von Balda würde sich der verbleibende Anteil von Balda an TPK von 11,8 auf nicht einmal 10,9 Prozent verwässern.
17 Prozent weniger
Der Zeitpunkt für den Verkauf der TPK-Papiere ist zudem nach heutiger Sicht äußerst ungünstig gewählt. Noch am 16. September, also vor etwas mehr als zwei Wochen, widersprach Balda Gerüchten, der Verkauf wäre eingeleitet worden. Damals hieß es: "Balda wird die Marktsituation weiter beobachten und sich mit TPK eng abstimmen, um einen ruhigen Exitprozess zu sichern und Markteinflüsse zu minimieren." Damals kostet die Aktie von TPK noch 697 Taiwanesische Dollar (16,91 Euro), also knapp 17 Prozent mehr als heute mit 577 Dollar (14 Euro). Noch Anfang Juli, als Balda die TPK-Papiere schon verkaufen durfte, wurden mit 950 Dollar (23,05 Euro) rund 39 Prozent mehr bezahlt als heute.
Noch immer kein Vollzug
Balda würde beim Verkauf der bis zu 9,5 Millionen TPK-Aktien zum heutigen Kurs 106,4 Millionen bis 133 Millionen Euro erhalten. Damit könnte auch der seit Mai angekündigte Kauf einer Firma für die Sparte Medical zu finanzieren sein. Anfänglich wollte Vorstandsvorsitzender Mohr diese Übernahme in Wochen bekanntgeben, kurz darauf wurden es schon Monate und am 4. August sagte er: "Wir sind im Plan. Die Voraussetzungen für eine mögliche Akquisition sind geschaffen. Wir werden über die weitere Entwicklung zeitnah informieren." Knapp zwei Monate später gibt es noch immer nichts Neues.

Es gibt keinen Kaufgrund
Die jüngere Geschichte von Balda mit den Vorstandsvorsitzenden Mohr, Sienkiewiz, Dr. Eichelberger und Gut ist von Enttäuschungen für die Aktionäre geprägt. Die jüngsten Entwicklungen mit den Betrugsvorwürfen, den wohl sehr ungünstigen TPK-Verkaufsbedingungen und der nicht vorankommenden Übernahme reihen sich nahtlos ein. Es gibt andere Unternehmen, mit deren Anteilen Aktionäre ruhiger Geld verdienen können. Es besteht also auch vor dem Hintergrund einer möglichen enormen Ausschüttung aus dem TPK-Verkaufserlös kein Grund, die Papiere von Balda zu kaufen.