Werner Sperber
Bei Balda warten die Anleger auf Neuigkeiten. Vorstandsvorsitzender Michael Sienkiewicz hat sein Unternehmen bereits Investoren bei einer Roadshow präsentiert. Dabei hat der in den USA lebende Unternehmenslenker auch Zeit für ein erstes Interview in Deutschland gefunden und sich mit dem AKTIONÄR zum Hintergrundgespräch getroffen.
Nach Gut ist es besser geworden aber erst jetzt wird alles gut. So lässt sich die Kursentwicklung der Aktie von Balda im vergangenen Jahr erklären. Nachdem Joachim Gut Ende 2008 den Chefsessel räumte, übernahm Dr. Dirk Eichelberger den Posten des Alleinvorstandes. Nach einem halben Jahr folgte der große Kehraus und Michael Sienkiewicz blieb als einziger des ursprünglichen Managements übrig. Sienkiewicz legte sein Aufsichtsrats-Mandat nieder und wurde zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Rainer Mohr übernahm den Posten des Finanzvorstandes. Fairness und Transparenz haben sich die beiden auf die Fahnen geschrieben.
Zwischen den Terminen einer Roadshow in Frankfurt am Main, Kopenhagen und London fand der "erste Mann" im Konzern Zeit, für das erste große Interview in Deutschland. Der in Schweden geborene US-Amerikaner, Unternehmensberater und studierte Mathematiker vermittelte dabei einen durchgehend positiven, zupackenden Eindruck, verbunden mit bodenständigen Ansichten.
DER AKTIONÄR: Was hat es mit dem Wechsel des Großaktionärs von Balda auf sich. Max Gain Management Ltd. hielt 29,99 Prozent an Balda?
Michael Sienkiewicz: Sehr vereinfacht erklärt hat Max Gain Management die Anteile an Balda an die Yield Return Investments Ltd. übertragen. Diese beiden Gesellschaften entsprechen sich. Der Vorstandsvorsitzende von Max Gain und Yield Return ist Michael Chiang, den ich seit zehn Jahren kenne und mit dem ich immer sehr gut zusammengearbeitet habe, auch wenn wir geschäftlich hin und wieder anderer Meinung waren. So wie ich Michael (Chiang) kenne, ist ihm das Engagement bei Balda wichtig und er wird die Balda-Aktien ewig behalten.
Viele Anleger bedauern, dass Balda den Anteil am ehemaligen Gemeinschaftsunternehmen TPK, das derzeit den Börsengang vorbreitet, auf 19,25 Prozent gesenkt hat. Was steckt dahinter?
Der Wert von TPK hat sich im vergangenen Jahr vervierfacht. Der Teilverkauf war also zum einen ein gutes Geschäft, vor allem aber war er zwingend notwendig. Andernfalls hätte Balda mit Höchstgeschwindigkeit an die Wand fahren können. Das Geschäft mit Touchscreens (berührungsempfindlichen Bildschirmen) von TPK ist zudem sehr kapitalintensiv. Balda musste bislang einen hohen Geldbetrag an diese Touchscreen-Aktivitäten binden. Balda ist nun netto schuldenfrei und hat Geld auf der Bank. Mir ist es dabei wichtig, ab jetzt nur mit solchen Banken zusammenzuarbeiten, die langfristige Partner sind. Früher haben die eigenen Interessen der Banken wohl schon mal eine wesentlich größere Rolle gespielt als Balda. Nun kann sich Balda die Banken aussuchen. Die Zusammenarbeit zwischen Balda und TPK sowie zwischen Michael Chiang und mir gestaltet sich weiterhin sehr gut. Wir dienen uns gegenseitig als Türöffner, wie wir es beispielsweise bei dem neuen Balda-Kunden Palm praktiziert haben. Der neue "Hoffnungsträger" von Balda, wenn man das so sagen will, ist das Segment "Automotive". In diesem Segment sind wir schon jetzt präsent, etwa bei Freisprecheinrichtungen für Autos. Das wollen wir ausbauen.
Wie hat sich Balda in der kurzen Zeit verändert, in der Sie Vorstandsvorsitzender sind?
Balda ist immer noch auf einem anspruchsvollen Weg, aber der führt die flexible, "sales-driven engineering company" nun stetig aufwärts. Balda hat keine riskanten Investments mehr und wächst stabil und nachhaltig. Nach dem Abarbeiten der großen Baustellen, beispielsweise mit dem konsequenten Schließen der Standorte in Brasilien und Ungarn, geht es nun an die Feineinstellungen. Nachdem ein Kunde gewünscht hat, die Produktion von Malaysia nach China zu verlegen, konzentriert sich der Standort in Malaysia (mit Indien) nun auf den Nischenmarkt mit Elektronikartikel. Malaysia wird im zweiten Quartal 2010 ein in etwa ausgeglichenes Ergebnis erreichen und ab dem vierten Quartal dieses Jahres profitabel sein.
Welche Pläne gibt es für die Immobilie am Firmensitz in Bad Oeynhausen?
Für den Verkauf der Immobilie herrscht kein Zeitdruck. Wenn in einigen Jahren jemand kommt und einen ansprechenden Preis für die Gebäude bietet, dann ist das in Ordnung. Zwischenzeitlich kann die stabilisierende Sparte "Medical" hier aber die nächsten zwanzig Jahre wachsen. Zukäufe sind möglich, im besonderen für "Medical", aber dieses Thema steht momentan nicht auf der Tagesordnung.
Was haben Sie persönlich bei Balda geändert?
Vor allem der Vertrieb ist wichtig. Was nutzen die besten, hochtechnologischen Produkte, wenn sie nicht verkauft werden. Ich wohne in San Francisco und nutze meine guten Kontakte im "Silicon Valley", um den Verkauf im Westen der USA bis zum Mississippi voranzubringen. In Massachusetts betreut die Niederlassung den ostamerikanischen Raum. Die Märkte in den USA und Europa werden nun erst tatsächlich erschlossen. Generell ist es mir egal, ob wir an Apple verkaufen oder an eine No-Name-Firma. Was zählt ist der Profit für Balda. Ich will nicht Apple oder Nokia als Kunden, ich will beide, ich will jeden als Kunden.
Sie gehen von einem leichten Wachstum des Marktes für Mobiltelefone sowie einem erhöhten Konkurrenzdruck im Jahr 2010 aus. Der Markt für Kommunikations- und Unterhaltungselektronik soll demnach in innovativen Bereichen zulegen und der Medizintechnikmarkt sogar prozentual zweistellig. Wie wirkt sich das auf die Zahlen von Balda aus?
Bereits zum Ende des vierten Quartals 2009 haben sich unsere Geschäfte sehr gut entwickelt. Jochen Reichert, Analyst von SES Research, schätzt das Umsatzwachstum für 2010 auf gut zehn Prozent. Ich gehe dagegen davon aus, dass Balda 15 bis 30 Prozent organisch zulegen wird und im Jahr 2011 wird Balda auch stark wachsen.
Was bedeutet das für den Börsenwert von Balda?
Was den Aktienkurs betrifft, halte ich Balda bei Notierungen von rund vier Euro für unterbewertet. Wenn die Marktkapitalisierung von Apple dem Wert von halb Deutschland entspräche, würde Balda nur dem Preis eines Hochhauses in Frankfurt am Main entsprechen. Das ist angesichts unserer Assets eindeutig zu wenig. Ich halte höhere Kurse derzeit für angemessen.

Erst verschnaufen, dann kaufen
Basierend auf den Zielen von Michael Sienkiewicz hält DER AKTIONÄR einen Umsatz von 160 bis 180 Millionen Euro im Jahr 2010 für möglich. Der Gewinn läge dabei bei 15 bis 17,5 Millionen Euro beziehungsweise 0,28 bis 0,32 Euro je Aktie. Das entspräche bei einem Ergebnis von 0,30 Euro je Anteilschein einem KGV von 13. Fundamental sind höhere Notierungen für das Hightech-Unternehmen Balda also zu rechtfertigen. Charttechnisch verschnauft die Aktie noch mit Notierungen, welche bereits bei weniger als drei Euro gelegen haben. Auf Jahressicht sollten allerdings Notierungen in Richtung sechs Euro für den potenziellen SDAX-Kandidaten möglich sein. Der Stoppkurs sollte bei 2,10 Euro belassen werden.