Thomas Godt
Die Börse ist irrational. Nicht immer, aber immer öfter. So auch am Mittwoch. Da hat der Duft- und Geschmacksstoffhersteller Symrise bei der Vorlage der Jahreszahlen auf einen Ausblick verzichtet und der Kurs tanzt zur Eröffnung einen Samba.
Die Börse ist irrational. Nicht immer, aber immer öfter. So auch am Mittwoch. Da hat der Duft- und Geschmacksstoffhersteller Symrise bei der Vorlage der Jahreszahlen auf einen Ausblick verzichtet und der Kurs tanzt zur Eröffnung einen Samba.
Mal im Ernst. Die frühen Kursgewinne von mehr als zwölf Prozent lassen sich nur durch Naivität erklären. Warum bitteschön, soll die Aktie am Mittwochmorgen so viel mehr wert sein als am Dienstagabend, wenn sich die Welt nicht grundlegend geändert hat? Und geändert hat sich die Welt nicht. Im Gegenteil: Schon im abgelaufenen Jahr konnte weder das operative Ergebnis (EBITA) noch der Jahresüberschuss gesteigert werden. Der Umsatz konnte dank der Übernahmen in den USA währungsbereinigt um 6,5 Prozent erhöht werden auf jetzt 1,32 Milliarden Euro. Das EBITA ging dagegen um fünf Prozent auf 232 Millionen Euro zurück, das Nettoergebnis sank überproportional um sieben Prozent auf 90,4 Millionen Euro. Das Unternehmen selbst hatte die Meldung recht positiv verpackt, vielleicht deshalb die nahezu euphorische Reaktion an der Börse.
Ehrgeizige Ziele
Angesichts der Wirtschaftskrise hat es Symrise schwer. Das Unternehmen verspürte bereits im zweiten Halbjahr 2008 einen Nachfragerückgang. Immerhin will man stärker als der Markt wachsen. Das ist ein vornehmes Ziel, doch sollte Wachstum auch profitabel sein. Das ist im abgelaufenen Jahr nicht gelungen. Die Analysten der Deutschen Bank glauben dennoch an das Unternehmen und die Strategie. Sie bestätigten ihre Kaufempfehlung und setzten ein Kursziel von 13,50 Euro je Aktie.
Weiter Weg
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn niemand weiß, wie heftig die Situation wird, die man heute noch als Wirtschaftskrise umschreibt. Möglicherweise vergeht den Leuten einfach die Lust auf künstliche Düfte und Aromen. Es war also durchaus klug vom Symrise-Vorstand, auf einen Ausblick für das Jahr 2009 zu verzichten. Klug wäre es auch, von der Aktie genau deshalb derzeit die Finger zu lassen. Das Freudenfest zur Börsenöffnung am Mittwoch dürfte schneller Geschichte sein, als manchem Recht ist.