Aurelius: „Da geht noch deutlich mehr“
Bei der Münchener Aurelius AG stehen in Kürze gute Halbjahreszahlen an. Was die Aktionäre noch von dem erfolgreichen Turnaround-Investor erwarten können, verrät Firmenchef Dr. Dirk Markus im Interview mit dem AKTIONÄR.
Die Münchener Aurelius AG kauft, saniert und verkauft Unternehmen, die aus unterschiedlichen Gründen in Schwierigkeiten stecken. Die Münchener sich als erfolgreicher Turnaround-Investor längste einen Namen gemacht. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät Aurelius-Chef Dr. Dirk Markus, warum die Wachstumsstory noch lange nicht zu Ende ist und was die Aktionäre im laufenden Jahr noch von der freundlichen Heuschrecke erwarten können.
DER AKTIONÄR: Herr Dr. Markus, sind Sie mit der aktuellen Kursentwicklung der Aktie zufrieden?
Dr. Dirk Markus: Nein, absolut nicht. Aurelius ist deutlich unterbewertet. Die Aktie weist eine Dividendenrendite von rund sechs Prozent aus und unsere Marktkapitalisierung mit aktuell 270 Millionen Euro entspricht gerade mal etwas mehr als 20 Prozent des Umsatzes beziehungsweise knapp dem Dreifachen unseres Nettocash von rund 100 Millionen Euro.
Die Analysten der Berenberg Bank schätzen Ihr Ergebnis 2012 auf 9,49 Euro pro Aktie. Bei einem aktuellen Aktienkurs von rund 28 Euro liegt das KGV bei 3. Übersieht der Markt etwas?
Neben den aktuellen Euro-Turbulenzen ist sicher auch unser recht komplexes Geschäftsmodell dafür verantwortlich. Wir sind in vielen verschiedenen Branchen tätig, wir kaufen und verkaufen ständig Unternehmen und in beide Richtungen gibt es zahlreiche Einmaleffekte. Daher sind wir sicher nicht leicht zu verstehen.
Banken geben derzeit nur noch sehr ungern neue Kredite. Wie wollen Sie vor diesem Hintergrund neue Beteiligungskäufe finanzieren?
Die Kassen unserer Töchter sowie der Holding sind prall gefüllt. Wir finanzieren uns primär aus Eigenkapital, was uns unabhängig vom Kreditmarkt agieren lässt. Unser Unternehmen verfügt in der Summe über eine Nettoliquidität von über 100 Millionen Euro zum Ende des 1.Quartals. Durch erfolgreiche Kosteneinsparungen, ertragssteigernde Maßnahmen in unseren Konzernunternehmen und Wachstum wird unser Kapitalpolster noch zunehmen.
Wann wird Ihr neuester Zukauf - die Getronics Gruppe - wieder schwarze Zahlen schreiben?
Getronics schreibt schon schwarze Zahlen, aber es kann noch besser werden. Dieses Jahr investieren wir verstärkt in Getronics, um unsere Marktposition international auszubauen und erwarten trotz dieser Ausgaben noch ein EBITDA von zwölf bis 15 Millionen Euro. Bei einem Umsatz von circa 550 Millionen Euro bedeutet dies eine EBITDA-Marge von nur zwei bis drei Prozent. Durch eine effizientere Kostenstruktur streben wir 2013 eine Verbesserung der EBITDA-Marge auf dann 4,5 bis fünf Prozent an.
Daneben wollen wir mit Getronics intern und durch Zukäufe weiter wachsen und in den nächsten 18 Monaten in die Liga der fünf größten IT-Beratungsunternehmen insbesondere für sogenannte Workspace Services in Europa aufsteigen.
Welche Ihrer Beteiligungen arbeitet derzeit noch operativ mit Verlust und wie viele werden es 2013 sein?
Aktuell sind nur zwei Beteiligungen im roten Bereich. Im nächsten Jahr sollten alle heutigen Beteiligungen schwarze Zahlen schreiben. Verluste dürfte es dann allenfalls bei Beteiligungen, die wir in den kommenden Monaten neu zukaufen werden, geben, da diese noch in der Restrukturierungsphase sind.
Welche Beteiligung würden Sie derzeit als die attraktivste bezeichnen?
Besonders herauszustellen ist Blaupunkt. Hier ist es uns in kürzester Zeit gelungen, eine deutsche Traditionsmarke zu sanieren und international erfolgreich zu positionieren. Daneben gehören sicherlich die bereits erwähnte Getronics, Schabmüller, Weltmarktführer für Gabelstaplermotoren und auch unsere Chemieunternehmen ISOCHEM und Calachem zu den attraktivsten.
Wir wollen dieses Jahr einen Umsatz von annualisiert über 1,5 Milliarden Euro realisieren und unser operatives Ergebnis (EBITDA) in den dreistelligen Millionen-Euro Bereich - von knapp 90 Millionen Euro in 2011 - weiter deutlich steigern.
Ist dies nicht etwas zu hoch gegriffen, wo doch Aurelius 2011 noch einen Verlust in der Größenordnung von 6,60 Euro je Aktie ausweisen musste?
Nein. Der Grund hierfür waren außerordentliche Abschreibungen bei Beteiligungen, die wir zuvor sehr günstig beziehungsweise sogar mit negativem Kaufpreis hinzugekauft hatten. Die operative Ertragskraft unserer Unternehmen ist gut und verbessert sich von Quartal zu Quartal. Erfolge bei den Restrukturierungen senken die Kosten. Wir sehen die Entwicklung sehr positiv.
Finanzkreisen zufolge werden Sie am 14. August ein sehr positives Halbjahresergebnis bekannt geben. Können Sie dies bestätigen?
Lassen Sie sich überraschen! Ich bin überzeugt, Sie werden nicht enttäuscht sein!
Haben Sie noch Transaktionen in der Pipeline, mit denen die Anleger im Moment noch nicht rechnen?
Transaktionen kommen immer sehr kurzfristig, wenn sich eine Chance auftut. Unsere Pipeline ist sehr gut gefüllt und ich rechne damit, dass wir dieses Jahr noch zwei oder drei Zukäufe sehen werden.
Aurelius hat für 2011 eine Dividende von 1,50 Euro plus 50 Cent Bonus bezahlt. Wird es dieses Jahr eine weitere Steigerung der Dividende geben?
In Abhängigkeit von möglichen Neuakquisitionen kann ich mir eine erneute Erhöhung der Dividende gut vorstellen. Für 2012 und die Folgejahre bin ich optimistisch, dass wir sowohl die Basisdividende weiter steigern können, als auch wieder Boni gezahlt werden.
Was ist Ihr mittelfristiges Ziel, das Sie mit Aurelius hinsichtlich Umsatz und Ergebnis anstreben?
Im Durchschnitt der letzten Jahre sind wir jährlich um über 20 Prozent auf jetzt 1,5 Milliarden Euro annualisierten Konzernumsatz gewachsen und konnten dabei auch unsere operativen Ergebnisse von Jahr zu Jahr steigern.
Diese Entwicklung wollen wir beibehalten und auch zukünftig stärker als der Markt wachsen. Unsere beiden mittelfristigen Ziele sind ein Umsatz von zwei Milliarden Euro und eine weitere Steigerung des operativen EBITDA in den deutlich dreistelligen Millionen Euro-Bereich.
Die Berenberg Bank sieht den fairen Wert je Aktie bei 38 Euro aufgrund einer Addition der einzelnen Beteiligungswerte. Wenn einer der Großen der Branche diesen Preis bieten würde, würde Ihr Anteil dann zur Disposition stehen?
Nein. Aurelius ist ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich liebe meinen Beruf und möchte diesen auch in Zukunft weiter machen. Auch würden wir uns bei 38 Euro zu günstig verkaufen, da geht noch deutlich mehr.
Besten Dank für das Interview.

Tipp des Tages ein Kauf
Der Tipp des Tages vom 19. Juli bleibt ein Kauf. Der Small-Cap lockt mit einem KGV von 3 bis 4 und einer lukrativen Dividendenrendite von deutlich über fünf Prozent. Das Kursziel auf Sicht der nächsten 12 Monate liegt bei 40 Euro. Ein Stopp bei 22 Euro sichert die Position ab.
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