Florian Söllner
Auch die Bob-Mobile-Aktie kam im Zuge der Marktkorrektur unter die Räder. Grund genug beim Firmenchef des deutschen Gaming-Hoffnungsträgers nachzufragen: Wie entwickeln sich die Geschäfte?
Auch die Bob-Mobile-Aktie kam im Zuge der Marktkorrektur unter die Räder. Grund genug beim Firmenchef des deutschen Gaming-Hoffnungsträgers nachzufragen, wie sich die Geschäfte entwickeln. Den nach dem Erfolgshit „War2Glory" soll nun der Einstieg in den Bereich Social-Games für einen Wachstumsschub sorgen. Das erste Halbjahr 2011 hatte die Gesellschaft immerhin mit einem Umsatzplus von 24,5 Prozent abgeschlossen.
DER AKTIONÄR: Herr Westermann, wir entwickeln sich die Investitionen in den neuen Geschäftsbereich Online-Games?
Remco Westermann: Während unsere Kernsparte Mobile Mehrwertdienste solide Ergebnisse erwirtschaftete, schrieb der im Juli 2010 neu gestartete Bereich Online-Games erwartungsgemäß noch Verluste. Das Spiel „War2Glory" mit inzwischen 2,5 Millionen registrierten Spielern erwirtschaftet jedoch bereits gute Renditen. Zusätzlich erwarten wir in den kommenden Monaten positive Impulse durch weitere Online-Spiele. Während der Aufbau des Geschäftsfelds Online-Games das Konzernergebnis im laufenden Jahr belastet, wird die neue Sparte bereits ab 2012 einen ansehnlichen Ergebnisbeitrag liefern.
Im ersten Halbjahr sind die Konzernerlöse um 24,5 Prozent auf 17,3 Millionen Euro gestiegen. Welcher Anteil entfiel dabei auf das Kerngeschäft mobiler Mehrwertdienste und welche Rolle spielte Just A Game?
Die Sparte Mobile Mehrwertdienste zeigt ein stetiges Wachstum und ist nach wie vor für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich. Die neue Sparte Online-Games wächst aber stärker und macht inzwischen rund 15 Prozent des Umsatzes aus - mit steigender Tendenz.
Inzwischen haben sich mehr als 2,6 Millionen Spieler bei Ihrer Tochter Just A Game registriert. Dabei entfallen mehr als 90 Prozent auf den Blockbuster „War2Glory". Wie wollen Sie diese starke Abhängigkeit von einem einzigen Spiel zukünftig reduzieren?
Neben „War2Glory" umfasst unser Portfolio aktuell das Rollenspiel „9Empires", das in Zusammenarbeit mit dem Entwickler weiter optimiert wird, und das Aufbau-Strategiespiel „Operation Gamma 41", das ab Anfang Oktober verstärkt vermarktet wird. Zudem befindet sich mit „MyFarmland" unser erstes Social-Game im Endstadium des Beta-Tests. Zusätzlich Spiele befinden sich in Vorbereitung.
Welche Erwartungen haben Sie an „MyFarmland"?
„MyFarmland" ist grafisch sowie spielerisch von den Testern sehr gut bewertet worden. Weil das Spiele-Management vergleichbar intensiv ist wie bei einem Aufbau-/Strategie-Spiel und wir damit inzwischen Erfahrung haben, gehen wir davon aus, dass sich dieses Social-Game sehr erfolgreich entwickeln wird.
Wann wird Just A Game die Gewinnzone erreichen?
Just A Game hat auf Monatsbasis inzwischen den Break-even erreicht. In der zweiten Jahreshälfte wird Just A Game weiter kräftig wachsen, sowohl mit den bestehenden Spielen als auch mit den Neuerscheinungen. Zusätzliche Wachstumsimpulse versprechen wir uns von der Expansion in weitere Auslandsmärkte. Die Rendite soll sich - abhängig von der Wachstumsgeschwindigkeit - weiter positiv entwickeln: bei schnellerem Wachstum werden wir mehr Geld in die Vermarktung investieren. Die damit verbundenen Kosten werden zwar kurzfristig das Ergebnis belasten, mittelfristig aber zu höheren Renditen führen.
Dürfen Ihre Aktionäre im kommenden Jahr wieder eine Ausschüttung erwarten?
In diesem Jahr haben wir auf eine Ausschüttung verzichtet, um die große Chance im Bereich Online-Spiele wahrzunehmen. Aber wie bereits angekündigt planen wir die Dividendenzahlungen wieder aufzunehmen.
Ihr Konkurrent Zynga (Farmville) steht offenbar vor einem Mega-IPO in den USA. Wie bewerten Sie Bob Mobile im Vergleich zu Zynga? Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße in der Spielebranche?
Das Beispiel Zynga zeigt, wie schnell ein Unternehmen im Onlinespiele-Markt wachsen kann und das schnelles Wachstum und Profitabilität kein Widerspruch sein muss. Anders als in Europa wird ein Wachstumsunternehmen in den USA aber schneller und einfacher mit Kapital ausgestattet, was bei der Expansion verständlicherweise hilft. Aber auch Bob Mobile hat inzwischen eine kritische Größe erreicht, die ein schnelles Wachstum auch im Spiele-Bereich ermöglicht. Zynga generiert seine Umsätze vorrangig innerhalb von Facebook, während unsere Tochter Just A Game auf eine viel breitere Distribution setzt und damit nicht in eine Abhängigkeit von Facebook gerät.

Langfrist-Favorit
Die Bob-Mobile-Aktie bleibt angesichts des hochskalierbaren Geschäftsmodells, der vergleichsweise günstigen Bewertung und wohl anstehender Impulse durch den Milliarden-Börsengang von Zynga auf lange Sicht spannend. Kurzfristig ist der Chart aber noch angeschlagen. Neueinsteiger sollten daher den Break des Widerstandes bei knapp 17 Euro abwarten.