Alfred Maydorn
Die Bundesregierung hat am Wochenende den Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022 beschlossen. Die deutschen Solarwerte starten mit satten Gewinnen in die neue Handelswoche. Eine technische Gegenbewegung oder der Start einer nachhaltigen Trendwende?
Kurz nach Handelsbeginn am Montag legen die Aktien der deutschen Solarfirmen allesamt kräftig zu: Solarworld und Q-Cells um über fünf Prozent, Conergy schnellt sogar um über zehn Prozent nach oben. Stehen diese Kursgewinne in direktem Zusammenhang mit dem am Sonntag beschlossenen Atomausstieg bis 2022 oder sind sie lediglich eine Gegenbewegung auf die herben Kursverluste der vergangenen Wochen?
Solarförderung auf dem Prüfstand
Die schwarz-gelbe Koalition hat den Abschied von der Kernkraft besiegelt, seit Sonntagnacht steht der Fahrplan für den Atomausstieg: Bis 2021 sollen alle Meiler abgeschaltet werden, drei AKW könnten aber erst 2022 vom Netz gehen, ein Meiler soll als Reserve dienen. Und welche Rolle spielt die Solarenergie bei der Energiewende? Wie geht es weiter mit der Förderung?
Eine verstärkte Solarförderung wird es nicht geben. Im Gegenteil, wie im Vorfeld angekündigt, tritt die Bundesregierung bei der Förderung für Solarstrom weiter auf die Bremse. Die jährliche reguläre Kürzung des garantierten Abnahmepreises von Solarstrom aus 2012 gebauten Anlagen soll bei neun Prozent bleiben.
Bis zu 34 Prozent Kürzung
Die Kürzungen für den Fall eines Zubaus von mehr als 3500 Megawatt Solarleistung im Jahr sollen aber verschärft werden - und zwar stärker als erwartet. Pro 1.000 Megawatt, die über der Zielmarke liegen, soll es zu weiteren Kürzungen um jeweils fünf Prozent kommen. Bisher sollten es nur drei Prozentpunkte sein. Sollte die neu installierte Solarleistung wie im letzten Jahr bei über 7.500 Megawatt liegen, könnten sich die Kürzungen auf 34 Prozent summieren.
Derart starke Kürzungen wären Gift für die ohnehin schon schwächelnde deutsche Solarindustrie. Einziger Hoffnungsschimmer: Noch ist nichts beschlossen, die Koalition will sich bezüglich der Gesamt-Energiekonzeption noch einmal beraten. Dennoch, unter dem Strich keine guten Nachrichten für die deutsche Solarindustrie.

Keine Trendwende
Die starken Kurszuwächse der Solaraktien sind in erster Linie eine rein technische Reaktion auf die extremen Kursverluste der vergangenen Wochen. Conergy und Q-Cells hatten neue All-Zeit-Tiefs erreicht und auch Solarworld hatte in den vergangenen sechs Wochen rund 30 Prozent an Wert verloren. Die Erholungs-Rallye könnte die Aktien durchaus noch ein Stück weiter nach oben treiben, bei Q-Cells könnte die Marke von zwei Euro wieder erreicht werden. Eine echte Trendwende ist indes nicht zu erwarten.
Welche Aktien vom beschlossenen Atomausstieg profitieren könnten, lesen Sie hier.