Andreas Deutsch
Für Thomas Middelhoff, ehemaliger Chef der insolventen Warenhausgesellschaft Arcandor, hat der Schadensersatzprozess gut begonnen. Die Erste Kammer für Handelssachen des Landgerichts Essen nannte die Berechnung der Schadensersatzsumme von 175 Millionen Euro "nicht nachvollziehbar".
Damit hätte der Prozessauftakt für Middelhoff und zehn weitere ehemalige Topmanager des Handels- und Touristikkonzerns fast nicht besser starten können. Die Vorsitzende Richterin Regina Pohlmann räumte dem Kläger, Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, zwei Monate Zeit ein, um aufzuschlüsseln, wie er den Schaden ermittelt hat. Ein Sprecher Görgs kündigte an, dass Görg dies sehr detailreich tun werde.
Schwierige Berechnungen
Görg wirft Middelhoff und den zehn anderen Ex-Arcandor-Managern vor, das Unternehmen mit Immobilien-Geschäften geschädigt zu haben. Arcandor-Häuser sollen erst verkauft und dann zu überhöhten Preisen zurückgemietet worden sein.

Laut dem Gericht haben die Beschuldigten nach bisherigem Stand möglicherweise allenfalls bei einer Transaktion ihre Pflichten verletzt - und zwar beim Verkauf des Karstadt-Hauses Wiesbaden an einen Fonds des Bauunternehmers Josef Esch im Oktober 2005. Dabei wurde Arcandor nach Angaben Görgs um 58 Millionen Euro geschädigt.
Experten halten es laut Medienberichten für sehr schwierig, den angeblichen entstandenen Schaden zu berechnen. Es müsse hierfür ermittelt werden, wie es Karstadt ergangen wäre, wenn das Immobiliengeschäft von 2005 nicht zustande gekommen wäre.
Untergang eines Imperiums
Die Arcandor-Insolvenz ist die größte Pleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Während die Arcandor-Tochter Karstadt vom Investor Nicolas Berggruen übernommen wurde, fand sich für den Versandhändler Quelle kein Retter.
Finger weg
Die Aktie der insolventen Arcandor AG ist längst zum Penny Stock verkommen. Seriöse Anleger meiden das Papier.