Norbert Sesselmann
Der österreichische Anlagenbauer Andritz hat für das abgelaufene Geschäftsjahr solide Zahlen präsentiert. Der Umsatz ging trotz großer Weltwirtschafskrise nur um rund elf Prozent zurück. Gleich drei Analystenhäuser haben das Unternehmen unter die Lupe genommen.
Das Konzernergebnis der Andritz Gruppe sank um 30 Prozent von 147 auf 102,9 Millionen Euro. Der Umsatz betrug rund 3,2 Milliarden und lag damit rund ein Zehntel unter dem Rekordwert von 2008. Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 96,8 Millionen Euro. Angesichts des schwierigen Umfelds sei die Entwicklung zufriedenstellend, so der Vorstandschef. Bei der kommenden Hauptversammlung wird er eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vorschlagen.
Rentabilität: Sechs Prozent
Wegen des Umsatzrückgangs und einmaligen Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 29 Millionen Euro, ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf 164,1 Millionen Euro gesunken (2008: 233,2 Millionen Euro). Die Rentabilität betrug 5,1 Prozent, ohne die Einmaleffekte sogar 6,0 Prozent.
Auftragsbestand auf Rekordhöhe - Schwellenländer werden wichtiger
Nach Regionen betrachtet stammte bereits die Hälfte der Auftragseingänge aus den sogenannten Emerging Markets, wo auch schon mehr als ein Viertel der rund 13.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Im vierten Quartal erhielt die Sparte Walzanlagen drei Aufträge aus China im Gesamtwert von 80 Millionen Euro. Für die Sparte Zellstoff/Papier kam ein Auftrag aus Chile im Wert von 100 Millionen hinzu. Nachdem die Türkei nach wie vor am Bau des umstrittenen Ilisu-Staudammes festhält und inzwischen auch die Finanzierung sichergestellt ist, könne Andritz Aufträge für Turbinen und Generatoren um rund 300 Millionen Euro erwarten. Der Auftragsbestand der Gruppe stieg zum 31. Dezember 2009 auf ein Rekordniveau von 4,4 Milliarden Euro.
Kriegskasse gut gefüllt
Kapitalmäßig kommen die Österreicher gestärkt aus der Krise. Der operative Cashflow stieg 2009 um mehr als ein Drittel auf fast 346 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote legte von 18,7 auf 20,0 Prozent zu. Die liquiden Mittel stiegen auf 1,1 Milliarden Euro, so dass das Unternehmen für weitere Akquisitionen gut gerüstet ist.
Analysten positiv gestimmt
Nach den Zahlen von letzter Woche kommen jetzt die Analyse-Updates zu Andritz. Nach besser als erwarteten EBITDA-Margen im vierten Quartal erhöhen die UBS-Analysten ihr Kursziel von 42,00 auf 45,00 Euro. Die Neutral-Empfehlung wurde bestätigt. JPMorgan und Deutsche Bank sind hingegen noch optimistischer. Analyst Christan Bader von der Deutsche Bank bestätigt die Analyseempfehlung "Kaufen", das Kursziel wurde von 46,00 auf 48,00 Euro angehoben. Und JPMorgan-Analyst Andrew Willi bleibt bei seiner Einstufung "Übergewichten", hebt aber das Kursziel von 47,00 auf 48,50 Euro an.
Klarer Kauf
Angesichts der guten Perspektiven in allen Segmenten empfiehlt DER AKIONÄR die Aktie von Andritz zum Kauf. Besonders der Ausbau des Bereichs Biomasse wird das Wachstum treiben. Aber auch die weltweit wieder anziehenden Investitionen in Energieprojekte werden für lukrative Aufträge sorgen. Die Aktie hatte im Zuge der Finanzkrise an den Börsen bis zu zwei Drittel an Wert verloren. Dies war maßlos überzogen, denn inzwischen ist klar, dass das Unternehmen die Krise weitaus besser überstanden hat als erwartet. Seit Anfang 2009 steigt die Aktie dynamisch an und versucht nach und nach verlorenes Terrain wieder gut zu machen. Die rasante Erholung des Kurses seit dem Absturz sollte einen langfristigen orientierten Anleger von Käufen nicht abschrecken. Bis zum Allzeithoch sind es noch gut 20 Prozent, welches auch das mittelfristige Kursziel darstellt. Ein Stoppkurs bei 36,00 Euro sichert die Position nach unten ab.
