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Tomorrow-Focus-Chef Stefan Winners: "Wir glauben an Werbung"

Leon Müller

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Die Aktie von Tomorrow Focus hat heute erstmals seit 2001 die Marke von vier Euro überschritten. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstandschef Stefan Winners über eCommerce, das Portalgeschäft, Übernahmen, seine Erwartungen für 2010 und was passiert, wenn "Google den ganzen Sektor killt".

Tomorrow Focus wurde lange belächelt, die Aktie links liegen gelassen. Heute hat die Aktie des Münchener Internet- und Medienkonzerns erstmals seit 2001 wieder die Marke von vier Euro überwunden. Das hat nicht nur einen schönen Effekt, sondern auch einen sehr nützlichen, wie Stefan Winners, Vorstandschef der Tomorrow Focus AG, im Interview mit dem AKTIONÄR erklärt. 

DER AKTIONÄR: Herr Winners, vor vier Jahren wurden Sie belächelt, weil Sie sich an HolidayCheck und ElitePartner beteiligt haben. Wer lacht heute, Sie oder die anderen?

Stefan Winners: Wir sind zufrieden. Und es stimmt, wir wurden belächelt. Erst bei der Übernahme von HolidayCheck, dann auch bei ElitePartner. Doch wir wussten damals wie heute, dass wir das richtige tun. Und die Entscheidungen, die wir damals getroffen haben, waren in beiden Fällen absolut richtig. Beide Gesellschaften bereiten uns viel Freude. ElitePartner wächst derzeit mit 50 Prozent. Bei HolidayCheck lagen die Umsätze im Januar 30 Prozent über Vorjahr.

HolidayCheck und ElitePartner sind heute ihre wichtigsten Standbeine, kann man das so sagen?

Ja. Mit Blick auf die Profitabilität ergibt sich allerdings eine andere Reihenfolge. HolidayCheck ist hier mit Abstand der profitabelste Bereich der Tomorrow Focus AG. An zweiter Stelle kommt unsere Technologietochter Cellular. ElitePartner ist allerdings am Umsatz gemessen natürlich ebenfalls ein wichtiges Standbein.

Bei der Expansion von HolidayCheck soll es Probleme geben. Sind Sie mit den Fortschritten nicht zufrieden?

Wir mussten bei der Auslandsexpansion erst einmal Lernerfahrungen machen. Das ganze Unterfangen dauert länger als wir ursprünglich erwartet hatten, worüber wir natürlich nicht glücklich sind. Wir benötigen beispielsweise erheblich mehr Ressourcen als geplant. Und unsere Wettbewerber in den einzelnen Ländern haben eine Abwehrhaltung eingenommen und viel investiert, um uns den Markteintritt zu erschweren. 

Welches Land wird denn der nächste große Markt für HolidayCheck?

Frankreich. Wir sind in Frankreich bereits sehr weit gekommen. Jetzt wurde ein Landesleiter eingestellt, der sich mit der Expansion vor Ort beschäftigen wird.

Noch eine Frage zu HolidayCheck. Sal. Oppenheim schätzt den Wert auf 170 Millionen Euro. Das würde die aktuelle Marktkapitalisierung der Tomorrow Focus AG übersteigen.

Wir sind keine Beteiligungsgesellschaft. Und die Sichtweise ist auch eine falsche. Die Summe der Einzelteile ist schließlich oftmals höher als etwa der Börsenwert. Wollten sie den wahren Wert heben, müsste so gut wie jeder deutsche Konzern zerschlagen werden.

Dennoch, die Frage, warum sie nicht verkaufen, stellt sich nach wie vor. HolidayCheck soll nach Aussage von Hubert Burda, ihrem Großaktionär, 200 bis 300 Millionen Euro wert sein.

Ein Verkauf kommt nicht in Frage, solange HolidayCheck derart stark wächst wie derzeit. Als wir das Unternehmen übernommen haben, lag der Jahresumsatz bei 2,9 Millionen Euro. Jetzt ist er um ein Vielfaches höher. Der genannte Wert ist in meinen Augen viel zu niedrig. Man muss das Potenzial von HolidayCheck richtig bewerten. Wer sagt denn, dass das EBITDA nicht in Richtung 20, 30 Millionen Euro marschiert? HolidayCheck hat noch sehr viel Potenzial.

Angesichts der Bedeutung des eCommerce-Geschäfts stellt sich die Frage, warum Sie überhaupt noch am unprofitablen Portalgeschäft festhalten.

Weil wir an Werbung glauben. Fakt ist, dass die Online-Werbeeinnahmen unter der Wirtschaftskrise gelitten haben. Worauf es jetzt ankommt, ist, die Reichweite auszubauen. Wir akquirieren hier immer wieder neue Anbieter, die uns die Vermarktung übertragen. Erfolge zeichnen sich aber auch im eigenen Netzwerk ab. Focus.de beispielsweise ist 2009 aus den roten Zahlen gekommen.

Dennoch schreibt der Bereich rote Zahlen. Und das Preisniveau dürfte sich angesichts des steigenden Angebots auch langfristig nicht erholen.

Das Preisniveau nicht, aber durch die höhere Reichweite werden die Einnahmen dennoch steigen und der Bereich wieder schwarze Zahlen schreiben. Im Grunde stehen wir vor der gleichen Situation wie 2006 und 2007, als wir ins eCommerce-Geschäft eingestiegen sind. Damals wurde unser Engagement in Frage gestellt, heute wird uns angeraten uns aus dem Portalgeschäft zurückzuziehen. Das wäre aber nur dann richtig, wenn man davon ausgeht, dass Google den ganzen Sektor killt. Dann hätten die Kritiker recht, Vermarktung wäre dann überflüssig. Davon gehen wir aber nicht aus. Google bekommt jetzt schon Probleme mit dem Wettbewerbsrecht. Und die Klagen werden nicht weniger werden.

Sie haben mit Finanzen100 und nachrichten.de zwei automatisierte Nachrichtenportale aus der Taufe gehoben. Aber ist die Zeit solcher Portale nicht eigentlich abgelaufen? Social Communities wie etwa Facebook könnten solchen Portalen als wichtigster Traffic-Lieferant den Rang ablaufen.

Der Stellenwert von Facebook als Traffic-Lieferant für Content-Anbieter wird größer, das steht für uns außer Frage. Ich gehe sogar davon aus, dass Facebook gleich hinter Google der zweitwichtigste Traffic-Lieferant wird. Und dennoch: Portale wie Finanzen100 als auch nachrichten.de sind wichtig. Und sie sind erfolgreich.

Sie haben in jüngster Vergangenheit Übernahmen angesprochen. Lässt sich das weiter konkretisieren?

Wir planen ein bis zwei Übernahmen in diesem Jahr. Der Markt befindet sich derzeit im Umbruch, die Preise sind billig, da macht es Spaß zu kaufen. Der Grundstein für große Vermögen wurde stets in Krisenzeiten gelegt. Dennoch werden wir nichts Unüberlegtes tun. Ich möchte erst die Halbjahresergebnisse abwarten, ehe wir eine Entscheidung treffen. Die Monate Mai und Juni sind enorm wichtig für unser Geschäft. Vollzug könnten wir dann frühestens im Laufe des dritten Quartals melden.

Führen Sie denn bereits konkrete Gespräche?

Ja. Wir haben konkrete Ziele und haben auch schon eine Due Dilligence durchgeführt. Mehr kann ich dazu momentan nicht sagen.

Vielleicht ein Wort, in welchem Bereich die anvisierten Unternehmen aktiv sind?

Wir wollen uns im Bereich eCommerce verstärken, halten aber auch nach Kandidaten im Bereich Portalgeschäft sowie Performance-Werbung Ausschau.

Wie viel Geld werden Sie in die Hand nehmen?

In diesem Jahr werden wir zwischen ein und fünf Millionen Euro investieren. Unsere Priorität ist nämlich eine andere. Wir wollen in diesem Jahr die Schuldenquote deutlich zurückfahren. Das Ziel sind 20 Millionen Euro zum Jahresende 2010. Das wären zehn Millionen Euro weniger als zum Jahresende 2009. Ich will nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden, sollte die Wirtschaftskrise sich nochmals verschärfen. Dann wollen wir in der Lage sein, schwache Wettbewerber übernehmen zu können.

Bleiben wir beim Thema. In einem Interview haben Sie davon gesprochen, andere Unternehmen „reihenweise einsammeln" zu wollen. Wie ist das zu verstehen?

Dieses Jahr werden wir uns noch zurückhalten. Es soll bei den genannten ein oder zwei Übernahmen bleiben. Mittel- bis langfristig, also auf Sicht von drei bis vier Jahren, wollen wir unsere Bemühungen diesbezüglich intensivieren. Bis 2015 wollen wir zwischen 50 und 100 Millionen Euro für Übernahmen aufwenden.

Sprechen wir über Ihre Erwartungen für 2010. In Zahlen ausgedrückt, womit dürften Ihre Aktionäre rechnen?

Die Schätzungen der Analysten spiegeln unsere Ziele sehr gut wieder.

Die TFA-Aktie hat zuletzt an Wert zugelegt. Dennoch notiert die Aktie weiter unter ihren Höchstständen. Worauf führen Sie das zurück?

Die Kursentwicklung stellt mich keinesfalls unzufrieden. Mir ist es lieber, das Papier liefert Jahr für Jahr eine Rendite von 20 Prozent ab, als dass es kurz schlagartig hoch und dann wieder runter geht.

Wie sieht Ihre Dividendenpolitik aus?

Wir planen die Zahlung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2010, mit Ausschüttungstermin in 2011. Etwa ein Drittel des Nettogewinns könnten wir so an die Aktionäre weitergeben.

Das würde unter anderem Hubert Burda freuen, der größter Aktionär Ihrer Gesellschaft ist. Wie ist es um das Interesse institutioneller Investoren an der Tomorrow Focus AG bestellt?

Sehr gut. Wir erhalten derzeit sehr viel Zuspruch. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Börsenwert nachhaltig über die Marke von 200 Millionen Euro steigt. Für viele institutionelle Investoren ist das eine wichtige Kenngröße. Wir werden in Kürze auch den Vorstand um einen Finanzvorstand erweitern, um das hohe Interesse befriedigen zu können. Es wird sich also einiges tun in absehbarer Zeit.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Winners.


Eine Einschätzung zur Aktie finden Sie in der aktuellen Ausgabe des AKTIONÄRS (Heft 10/10), die Sie bereits heute als ePaper lesen können. Am Mittwoch können Sie den aktuellen AKTIONÄR auch am Kiosk kaufen.

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