Michael Schröder
Das Vertrauen der Anleger in die Schuldenpolitik der Staaten und die Entwicklung der Weltwirtschaft hat in den letzten Wochen spürbar gelitten. Einige Volkswirte sprechen bereits von einer drohenden Rezession. Doch wie bewerten die Vorstände der heimischen Small- und MidCaps die aktuelle Situation? DER AKTIONÄR fragte nach.
DER AKTIONÄR sprach mit Brian Protiva, Vorstandsvorsitzender der ADVA Optical Networking AG, über die aktuelle Situation an den Finanzmärkten und mögliche Auswirkungen auf sein Unternehmen.
Weitere Einschätzungen der aktuellen Situation von Vorständen der heimischen Small- und MidCaps lesen Sie in der aktuellen Ausgabe vom AKTIONÄR, die Sie hier bequem als E-paper herunterladen können.
DER AKTIONÄR: Herr Protiva, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation an den Finanzmärkten?
Brian Protiva: Die erheblichen Kurseinbußen der letzten Wochen spiegeln die Angst vielen Investoren vor einer sich abschwachenden Wirtschaft wider. Die Schuldenkrise in Europa und den USA wird zwar mit Sicherheit realwirtschaftliche Auswirkungen haben, auf der anderen Seite werden die weltweiten Wachstumsaussichten damit nicht pauschal beschnitten. Je nach Branche und Land können sich trotz der aktuellen Probleme wesentliche Chancen in den nächsten Jahren ergeben.
Sehen Sie die Gefahr einer Rezession? Wie groß wären die Auswirkungen für Ihr Unternehmen?
Eine zumindest wenige Quartale andauernde Rezession in einzelnen Ländern Europas oder den USA halte ich nicht für ausgeschlossen. Unser Unternehmen ADVA Optical Networking ist allerdings nur in sehr geringem Maße von allgemeinen Konjunkturschwankungen abhängig. Im Jahr 2011 werden wir rund drei Viertel unserer Umsatzerlöse mit Netzbetreibern erzielen, die bei uns vor allem Infrastrukturlösungen einkaufen. Die Nachfrage nach solchen Lösungen hängt vom allgemeinen Bandbreitenbedarf ab, der seit Jahren kontinuierlich und konjunkturunabhängig stark wächst. Das verbleibende Viertel unserer Umsatzerlöse erzielen wir mit sonstigen Unternehmenskunden wie Banken, Versicherungen, Behörden und Gesundheitseinrichtungen. Hier könnte zumindest ein Teil unserer Erlöse durch Konjunkturschwankungen beeinflusst werden.
Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund im laufenden Gesamtjahr?
Da zwischen Auftragseingang und Produktauslieferung an unsere Kunden in der Regel nicht mehr als acht Wochen liegen, prognostizieren wir gegenüber der Öffentlichkeit ausschließlich das laufende Quartal. Für das dritte Quartal erwarten wir Umsatzerlöse zwischen 73 Millionen und 78 Millionen Euro bei einer Proforma Betriebsergebnismarge zwischen zwei und fünf Prozent vom Umsatz. Die Proforma Betriebsergebnismarge berücksichtigt keine nicht liquiditätswirksamen Aufwendungen aus aktienbasierter Vergütung und keine Abschreibungen für immaterielle Vermögenswerte aus Unternehmenserwerben.

Wie sehen Ihre mittelfristigen Planungen aus?
Wir gehen nach wie vor von profitablem Wachstum aus. Im Jahr 2012 sollten wir sowohl Umsatz als auch Proforma Betriebsergebnismarge weiter ausbauen können.
Vielen Dank für das Gespräch!
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