70-Prozent-Sprung: Centrotherm-Aktie vor Comeback?
Hoffnung für Centrotherm-Mitarbeiter. Die Firma erhält neue Kredite und Aufträge. Charttechnisch erscheint das Papier für Zocker interessant. Die Risiken bleiben aber hoch.
Kursexplosion bei Centrotherm. Nach der überraschenden Schutzschirm-Insolvenz schöpfen einige Anleger wieder Hoffnung, dass der Firma das Comeback gelingt. Grund sind zwei Meldungen vom Vortag. So erhält die Centrotherm PV AG von den Banken einen Massekredit mit einem Volumen von rund 50 Millionen Euro zur Unterstützung des Sanierungskonzepts. Damit sei die Finanzierung des operativen Geschäftsbetriebs gesichert.
Zeigt dieser Schritt, dass die Banken von einem Comeback der AG überzeugt sind? Nur bedingt. Denn ein Massekredit würde auch bei einer der Abwicklung der Firma im Falle einer Insolvenz vorrangig zurückbezahlt. Aktionäre gingen in so einem Fall jedoch leer aus.
Zudem teilte Centrotherm mit, dass einige Aufträge gewonnen wurden. So bestellte ein taiwanesischer Neukunde ein Paket mit Schlüsselequipment für Diffusion und Antireflexbeschichtung. Auch ein Feuerofen wurde von einem Kunden aus Taiwan geordert.
Schwieriges Umfeld
Ob diese vereinzelten Aufträge ausreichen, Centrotherm zu alter Stärke zurückzuführen, ist weiter ungewiss. Solarexperte Wolfgang Hummel sagte dem AKTIONÄR unlängst: "Aufgrund der Überkapazitäten von rund 25 GW auf dem internationalen PV-Markt sind auch chinesische Unternehmen seit vier Quartalen mit weiteren Investitionen zurückhaltend."
Die Lage bei Centrotherm bleibt weiter schwer einschätzbar. Theoretisch ermöglicht eine Schutzschirminsolvenz ein Comeback der Aktiengesellschaft. Doch noch sind die Umstände der plötzlichen Zahlungsunfähigkeit und der Umfang des finanziellen Ungleichgewichts unklar - das Risiko sehr hoch.

Gap-Zock
Centrotherm war in der AKTIONÄR-Ausgabe 17/2012 zu einem Kurs von 8,12 Euro der "Short der Woche". DER AKTIONÄR rät weiterhin von einem langfristigen Investment ab.
Zocker, die den anschließenden Absprung nicht verpassen, haben derzeit jedoch ihre helle Freude an der Aktie. Charttechnisch ergibt sich für das ausgebombte Papier zumindest die Möglichkeit, das Gap bei rund zwei Euro zu schließen.
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