70 Prozent Kursplus: Russischer Milliardär kauft Artnet-Aktien
Großes Stühlerücken im Hintergrund: Bei Artnet ändert sich die Aktionärstruktur grundlegend. Konstante bleibt der Großaktionär und Firmenlenker Hans Neuendorf, der weiter deutlich zugekauft hat.
Sechs Milliarden Dollar soll das Vermögen von Vladimir Evtushenkov betragen. Laut Forbes liegt der Unternehmer in der Rangliste der russischen Superreichen auf Platz 21. Er ist direkt und indirekt an rund 200 Firmen beteiligt. Mittlerweile gehört nun auch ein Teil der Artnet AG zu seinem Reich. Wie die Berliner mitteilten, sind Vladimir Evtushenkov seit dem 29. Mai rund 7,3 Prozent der Anteile zuzurechnen.
Ermöglicht wurde der Einstieg des Russen durch den Ausstieg des langjährigen Artnet-Investors Artis Capital Management. Der Fonds mit Sitz in San Francisco hatte zum gleichen Stichtag gemeldet, seine mehr als 15-prozentige Position zu einem großen Teil verkauft zu haben. Aufgestockt hat mittlerweile hingegen die Weng Fine Art AG, die sich mit "vorerst" vier Prozent an Artnet beteiligt hat. Zudem war Firmenchef Hans Neuendorf, der zuvor bereits mehr als ein Viertel der Aktien gehalten hatte, auf der Käuferseite. Er hatte seit April knapp 100.000 Euro in Artnet-Aktien zu einem Durchschnittskurs in Höhe von 3,55 Euro erworben.
Hohes KGV
Zumindest teilweise haben die neuen Investoren offenbar über die Börse zugegriffen: Die AKTIONÄR-Empfehlung ist seit April gegen den Trend rund 70 Prozent gestiegen. Die Aktie des französischen Rivalen Artprice (siehe auch: "Börsenstar oder Irrenhaus?") hat hingegen zwischenzeitlich einen deutlichen Kurseinbruch hinnehmen müssen.

Fundamental läuft es bei den Berlinern hingegen weniger dynamisch. Während das Geschäft mit Internet-Kunstdatenbanken stagnierte, kletterten die Erlöse mit der Internet-Versteigerung Kunstobjekten im ersten Quartal um relativ moderate 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Analysten von Warburg Research erwarten 2012 ein 17-prozentiges Umsatzwachstum auf 16 Millionen Euro und einen Gewinn von 0,9 Millionen Euro bzw. 0,16 Euro je Aktie (KGV 31).
Bei Schwäche kaufen
Kurzfristig scheint das Potenzial der Aktie ausgereizt. Langfristig hat das Papier jedoch - vor allem wenn sich das Wachstum im Bereich Online-Auktionen wieder beschleunigen sollte - durchaus noch Potenzial. Schließlich wandert der Kunstmarkt mehr und mehr ins Internet ab, wo Artnet in Teilbereichen weltweiter Marktführer ist. Investierte Anleger sollten dabeibleiben und den Stoppkurs nachziehen. Neueinsteiger können aufgrund der kurzfristig überkauften Situation auf Kursrücksetzer spekulieren.
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