Alfred Maydorn
Während sich die deutschen Solarkonzerne wie Q-Cells oder Conergy aufwendig mit Kapitalerhöhungen finanzieren müssen, verfügen die großen chinesischen Player nahezu unbegrenzte Kreditlinien. Insgesamt haben sie Zugriff auf über 40 Milliarden Dollar. Lesen Sie, wer über den größten Geldspeicher im Hintergrund verfügt.
Die Solarbranche kämpft mit massiven Überkapazitäten. Die Verkaufspreise befinden sich im freien fall und viele Hersteller bieten ihre Module mittlerweile unter Produktionskosten an. Hauptverantwortlich für den scharfen Preisverfall sind die chinesischen Hersteller, die in den vergangenen beiden Jahren ihre Produktion mithilfe günstiger Kredite gewaltig hochgefahren haben.
Auch in der aktuell angespannten Lage kommen den Chinesen die milliardenschweren Kreditlinien heimischer Banken zugute. Sie können bei einem möglichen Abrutschen in die Verlustzone entspannt auf die zur Verfügung gestellten Mittel zurückgreifen, während die deutschen Konkurrenten mühsam ihr Eigenkapital aufstocken mussten und müssen.
Über 40 Milliarden Dollar
Insgesamt belaufen sich die Kreditlinien für neun führende chinesische Solarkonzerne auf 40,7 Milliarden Dollar. Größter Kreditgeber ist mit 30,5 Millionen Dollar die China Development Bank. Sie ist auch Gläubiger von LDK Solar, deren Kreditlinie sich auf 8,9 Milliarden Dollar beläuft. Die zweitgrößte Linie hat JinkoSolar mit 7,6 Milliarden, gefolgt von Suntech mit 7,3 Millionen Dollar und Yingli Green Energy mit 5,9 Milliarden Dollar. Auch JA Solar und Trina Solar können jeweils auf Kredite in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar zurückgreifen.
Asbeck ist sauer
Solarworld-Chef Frank Asbeck beschwerte sich jüngst über die üppige Kreditvergabe zu Niedrig-Zinsen in China und sprach von einem Industriekrieg. Suntech Power konterte und ließ wissen, dass man bisher erst weniger als zehn Prozent der Kredite in Anspruch genommen habe und hierfür zwischen vier und fünf Prozent Zinsen zahlen müsse.
Extreme Kursverluste
Aber auch trotz der großzügigen Kreditlinien kamen die Kurse der chinesischen Solaraktien zuletzt ebenfalls stark unter Druck. Suntech Power und Yingli haben sich seit Anfang Juli im Kurs fast gedrittelt, JinkoSolar hat sogar rund 80 Prozent an Wert eingebüßt. Trotz der großen Abschläge und der vermeintlichen Sicherheit durch die hohen Kreditlinien ist der Kauf chinesischer Solaraktien weiterhin zu risikoreich.