100-Prozent-Rallye: Artnet geht in die Offensive
Frischer Wind beim Internet-Kunstspezialisten Artnet. Erst wurde der Einstieg neuer Investoren bekannt und nun folgt überraschend ein Wechsel an der Unternehmensspitze. Spannend wird die kurz bevorstehende Hauptversammlung.
Der Höhenflug geht weiter. Seit dem Tief im April hat das Artnet-Papier mittlerweile 100 Prozent zugelegt. Ursache sind nicht nur die Aktienkäufe neuer Großaktionäre. Artnet selbst sorgte nun für zusätzliche positive Impulse. Der gerade erst neu vorgestellte CEO Jacob Pabst hat gleich ein Kostensparpaket verabschiedet. Demnach sollten die drei Online-Magazine in Berlin, New York und Paris eingestellt und die französischen Niederlassung geschlossen werden. Wahrscheinlicher Hintergrund: Während Artnet in den USA und Deutschland marktführend ist, existiert in Frankreich mit Artprice ein aggressiver Wettbewerber.
Artnet will mit diesem Maßnahmen alleine im laufenden Jahr 0,6 Millionen Euro zusätzliches Ergebnis erzielen. 2013 soll sich das das Ergebnis um rund zwei Millionen Euro verbessern. Ein gewaltiger Effekt, führt man sich vor Augen, dass Analysten bisher 2012 nur einen Überschuss von 0,9 Millionen und 2013 rund 1,7 Millionen erwartet hatten. Eine Anhebung dieser Analystenprognosen ist daher wahrscheinlich, womit das optisch hohe 2013er-KGV von 21 sinken dürfte.
Milliardär will mehr?
Die heutige Meldung könnte ein Versuch sein, den neuen, teil offensiven, Aktionären vor der Hauptversammlung am 11. Juli den Wind aus den Segeln zu nehmen. Beteiligt hatte sich unter anderem die Weng Fine Art AG mit "vorerst" vier Prozent. Deren CEO Rüdiger Weng teilte dem AKTIONÄR mit: "Bei Artnet wird sich demnächst sicherlich einiges verändern (müssen)." Dem russischen Multi-Milliardär Vladimir Evtushenkov sind seit dem 29. Mai rund 7,3 Prozent der Anteile zuzurechnen.

Langfristiges Potenzial
Die AKTIONÄR-Empfehlung ist seit April stark gestiegen. Die Aktie des französischen Rivalen Artprice (siehe auch: "Börsenstar oder Irrenhaus?") hat hingegen zwischenzeitlich einen deutlichen Kurseinbruch hinnehmen müssen.
Kurzfristig scheint das Potenzial der Artnet-Aktie ausgereizt. Langfristig hat das Papier jedoch durchaus noch Potenzial. Schließlich wandert der Kunstmarkt mehr und mehr ins Internet ab, wo Artnet in Teilbereichen weltweiter Marktführer ist. Investierte Anleger sollten dabeibleiben und den Stoppkurs nachziehen. Neueinsteiger können auf Kursrücksetzer spekulieren.
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