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"Spielraum für positive Überraschungen“

Markus Horntrich

Die Passauer InTiCa Systems AG konnte erfolgreich ins Geschäftsjahr 2011 starten. Über den bevorstehenden Turnaround beim Ergebnis, die mittelfristigen Perspektiven und die bestehende Übernahmefantasie sprach DER AKTIONÄR mit Firmenchef Walter Brückl.

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InTica Systems ist im ersten Quartal mit einem Umsatzsprung von 71 Prozent auf 10,9 Millionen Euro erfolgreich ins Geschäftsjahr 2011 gestartet. Getrieben wurde das Wachstum durch die beiden Geschäftsfelder Industrieelektronik (plus 250 Prozent) und Automobiltechnologie (plus 77 Prozent). Gleichzeitig gelang der Passauer Gesellschaft mit einem EBITDA von rund 1,4 Mio. Euro (Marge: 13 Prozent) sowie einem EBIT von 0,24 Millionen Euro auch der Turnaround auf operativer Ebene. Für das Gesamtjahr erwartet InTiCa-Vorstand Walter Brückl ein Umsatzplus von mindestens 35 Prozent auf über 40 Millionen Euro sowie eine EBIT-Marge von rund drei Prozent. DER AKTIONÄR sprach mit dem Konzernlenker über die mittelfristigen Perspektiven und die bestehende Übernahmefantasie.

DER AKTIONÄR: Herr Brückl, herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Turnaround im ersten Quartal. Die Konzernumsätze sind um rund 71 Prozent auf 10,9 Millionen Euro gestiegen. Welche Bereiche haben besonders gut abgeschnitten? 

Walter Brückl: Die ersten drei Monate 2011 sind für die InTiCa Systems sehr erfolgreich verlaufen. Der Wert von 10,9 Millionen Euro entspricht dem höchsten Quartalsumsatz seit Anfang 2007. Wachstumstreiber war dabei mit einem beeindruckenden Erlösplus von 250 Prozent der Bereich Industrieelektronik, der erstmals einen Umsatzanteil von über 50 Prozent erreichte.  Ebenso erfolgreich hat der Bereich Automobiltechnologie mit einem Umsatzwachstum von 77 Prozent auf 3,2 Millionen Euro abgeschnitten. 

Wo lag der Schwerpunkt der Strategie in den vergangenen drei  Jahren

Der Wesentliche Schwerpunkt lag in der Erweiterung unseres Kunden- sowie Produktportfolios und dem Ausbau der eigenen Wertschöpfung.
InTiCa ist heute sowohl in der Kunden- sowie Produktvielfallt wie auch den Fertigungs-ressourcen gut aufgestellt und hat den Wandel von einem "Ein-Produkt Unternehmen" mit geringer eigenen Fertigungstiefe in ein Unternehmen mit einem innovativen, breit gefächerten Kunden- und Produktportfolio und anspruchsvollen Fertigungsressourcen gut gemeistert. Dabei mussten wir in den vergangenen drei Jahren durch den Preisverfall von über 27 Prozent und den Stückzahlenrückgang von unserem ehemaligen Hauptumsatzträger der Splitter für die Kommunikationstechnik (2007: Anteil circa 33 Millionen Euro 88 Prozent vom Konzernumsatz; Anm. d. Red.) einen Umsatzrückgang von 21 Millionen Euro bis Ende 2010 verkraften.

Inwiefern profitiert InTiCa im Segment Automobiltechnologie vom Trend zu abgasärmeren Fahrzeugen?

Die Möglichkeit, mit unseren innovativen Lösungen im Bereich Leistungselektronik und Motorsteuerung den Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emission von Fahrzeugen deutlich reduzieren zu können, ist für uns ein wichtiges Vertriebsargument. Unsere Lösungen werden in den volumenstarken Kompakt- und Mittelklassefahrzeugen eingesetzt, zunehmend aber auch in Elektro- und Hybridfahrzeugen. Insofern wird dieser Geschäftsbereich auch im Falle einer Sonderförderung von Elektrofahrzeugen profitieren. Für das Gesamtjahr streben wir im Segment Automobiltechnologie ein Erlöswachstum von circa 35 Prozent auf über 13,5 Millionen Euro an.

Das Geschäftsfeld Industrieelektronik ist zuletzt dank der Ausrichtung auf die Photovoltaikindustrie sehr stark gewachsen. Mit welcher Entwicklung rechnen Sie in diesem Bereich?

Hauptwachstumstreiber in diesem Geschäftsbereich sind vorrangig Komponenten für die Leistungselektronik. Diese Module werden vor allem in der Solarbranche zur Umwandlung von Gleichstrom in netzfähigen Wechselstrom eingesetzt. Da unsere Produkte im Konkurrenzvergleich mit einem hohen Wirkungsgrad und einer kompakten Bauweise punkten, gehen wir davon aus, unseren Marktanteil auch zukünftig weiter ausbauen zu können. Unser hoher Auftragsbestand stimmt uns zuversichtlich, den Segmentumsatz im laufenden Jahr um über 100 Prozent auf rund 20 Millionen Euro steigern zu können.

Das EBIT war im ersten Quartal mit 0,24 Millionen Euro wieder positiv. Im vergangenen Jahr haben diverse Sonderfaktoren das Ergebnis belastet. Sind diese Probleme nun behoben worden?

Die hohen Materialaufwendungen, Sondertransportkosten und Produktneu-anlaufkosten, die das Ergebnis in der zweiten Jahreshälfte 2010 noch stark belastet hatten, konnten wir im ersten Quartal wieder deutlich reduzieren. Somit haben sich auch die Stückkosten wieder normalisiert. Noch nicht zufrieden sind wir mit der Entwicklung im Segment Kommunikationstechnik. Aber wir haben zusätzliche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Ertragslage zu verbessern.

Wie sehen diese Maßnahmen konkret aus?

In der Kommunikationstechnik werden wir mit Neuentwicklungen im Bereich kupfer- und glasfasergeführter Breitbandnetze sowie der Entstörung von Stromnetzen dem verstärkten Wettbewerb im Zulieferbereich aus dem Wege gehen. Aber auch im Bereich Splitter-Produkte konnten wir durch Prozess - Optimierungen eine spürbare Verbesserung erzielen. Insofern bin ich optimistisch, dass wir in diesem Segment im Gesamtjahr unser Umsatzziel von neun Millionen Euro auch erreichen werden, bei verbesserter Profitabilität.

Blicken wir auf das Gesamtjahr. Sie erwarten ein Umsatzplus von mehr als 35 Prozent auf über 40 Millionen Euro und eine EBIT-Marge von drei Prozent. Was macht Sie so zuversichtlich?

Unser Auftragsbestand liegt aktuell mit rund 41 Millionen Euro weiterhin auf Rekordniveau und lässt uns optimistisch auf die nächsten Quartale blicken. Die Ausweitung unserer Produktpalette und der erfolgreiche Eintritt in neue Märkte machen sich jetzt ebenso bezahlt, wie die Erhöhung der eigenen Wertschöpfung über zusätzliche Produktionskapazitäten. Sowohl die Umsatzplanung von mehr als 40 Millionen Euro als auch die EBIT-Zielmarke von drei Prozent sind dabei bewusst konservativ gewählt.

Welche operative Marge peilen Sie mittelfristig an?

Die für dieses Jahr angepeilte EBIT-Marge von drei Prozent ist sicherlich nur das erste Etappenziel. So haben wir im ersten Quartal in den Segmenten Industrieelektronik und Automobiltechnologie bereits operative Margen von sechs bis circa acht Prozent realisiert. Nach dem erfolgreichen Turnaround werden wir zusätzliche Optimierungs- und Synergiepotenziale nutzen, um die Profitabilität konzernweit weiter zu erhöhen. Mittelfristig streben wir eine EBIT-Marge von zehn Prozent an.

Im Aktionärskreis gab es zuletzt signifikante Veränderungen. Sehen Sie InTiCa als potenzielles Übernahmeziel?

Aufgrund unserer strategischen Positionierung und unserer überdurchschnittlichen Wachstumsraten würden wir durchaus ein lukratives Übernahmeziel abgeben, insbesondere nach dem erfolgreichen Turnaround. Insofern ist es auch nachvollziehbar, dass zuletzt zwei Großinvestoren ihre Beteiligung auf über zehn Prozent ausgebaut haben. Dies werte ich auch als Vertrauensbeweis in die Unternehmensführung. Mit einem Übernahmeangebot rechne ich allerdings nicht.

Herr Brückl, vielen Dank für das Interview.

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