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Softing-Vorstand: "Ein exzellenter Jahresauftakt"

Markus Horntrich

Die Softing AG konnte in den letzten Wochen mit einigen Erfolgsmeldungen aufwarten. DER AKTIONÄR konnte sich mit Alleinvorstand Dr. Wolfgang Trier über die jüngsten Neuigkeiten unterhalten.

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Die jüngsten Erfolgsmeldungen aus dem Hause Softing sprechen für sich. Nach mehreren Großaufträgen aus der Automobilindustrie hat der bayerische Diagnose- und Messtechnik-Spezialist nun mit dem TecDAX-Konzern Kontron den weltweit größten Hersteller von Embedded Computern als Partner gewonnen. Im Exklusiv-Interview mit dem AKTIONÄR spricht Softing-Chef Dr. Wolfgang Trier über die jüngsten Vertriebserfolge, eine mögliche Dividende und seine Vision von Softing im Jahr 2015.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Trier, Softing hat in den letzten Wochen mit einer Reihe von Großaufträgen auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt haben Sie eine strategische Partnerschaft mit dem TecDAX-Konzern Kontron vermeldet. Welche Bedeutung hat diese Kooperation für Softing?

Dr. Trier: Als führender Spezialist in der industriellen Kommunikation stellt Softing dem TecDAX-Konzern Kontron alle relevanten Real-Time-Ethernet (RTE)-Protokolle in der sogenannten FPGA-Technologie zur Verfügung. Der Vorteil für Kontron liegt darin, dass man seinen Kunden eine stabile und getestete Kommunikationslösung anbieten kann. Kontron kann somit seine Embedded Computer universell bauen. Durch die Softing-Technologie wird die universelle Hardware per Software nach Kundenwunsch individuelle Kommunikationslösungen bieten, und das bis zur Stückzahl eins herunter. Kontron-Kunden werden damit Softings RTE-Protokolle direkt mit der Auslieferung Ihrer Embedded Computer durch Kontron beziehen.

Demnach öffnet Ihnen Kontron auch eine neue Vertriebsschiene?

Ja, durch diese strategische Partnerschaft erhält Softing Zugang zum weltweiten Vertriebsnetz der Kontron AG, dem weltweit größten Hersteller von Embedded Computern. Abstrakt gesehen wird Kontron so zum Verkaufsagenten für Softing-Technologie, da Softing die Lizenzkosten nicht mehr mit dem Endkunden sondern en bloc über Kontron abrechnet. So profitieren Kontron und Softing gleichermaßen von der Vereinbarung. Durch diesen Software-Deal erwarten wir ein deutliches zusätzliches Umsatzpotenzial ab 2012. Dies wird einen überproportional positiven Effekt auf die operative Marge haben, da reine Lizenzen verkauft werden.

Warum hat sich Kontron für die Softing-Technologie entschieden?

Die Softing-Technologie wurde von Kontron nach einer breit angelegten Marktrecherche als die technologisch beste Lösung ausgewählt. Die Vorteile unserer Technologie liegen insbesondere in der hohen Flexibilität sowie dem breiten Anwendungsspektrum. Keine andere Technologie kann so leicht Varianten erzeugen bzw. noch nachträglich die RTE-Konfiguration verändern.

Im Februar hat Softing einen bedeutenden Auftrag eines deutschen Pkw-Sportwagenherstellers erhalten. Was ist das Besondere an diesem Deal?

Mit dieser sehr langfristigen Vereinbarung ist uns nicht nur der Einstieg bei diesem Premium-Kunden gelungen. Gleichzeitig haben wir uns mit der mobilen Messtechnik ein komplett neues Standbein erschlossen, das ab 2012 signifikante Umsatzbeiträge bei guten Margen liefern wird. Die Vereinbarung beinhaltet den Aufbau einer komplett neuen Produktlinie im Segment der mobilen Messtechnik, die unter anderem bei der Fahrzeugerprobung und bei Prüfständen eingesetzt wird. In diesem Bereich können wir unser überlegenes Know-how aus der Diagnosetechnik einbringen. Das Auftragsvolumen allein aus diesem Auftrag liegt im Bereich von drei bis sechs Millionen Euro.

Werden Sie diese neue Messtechnik-Produktlinie auch anderen Kunden anbieten?

Ich bin optimistisch, dass wir weitere Automobilhersteller und mittelfristig auch Konzerne aus der Luft- und Raumfahrtindustrie für die innovative Produktlinie gewinnen können. Wenn es uns gelingt, auch nur einen der großen deutschen Automobilkonzerne für diese neue Produktlinie zu begeistern, werden die Umsätze daraus nur bei der mobilen Messtechnik um einige Millionen Euro pro Jahr steigen.

Angesichts des starken Geschäftsverlaufs im zweiten Halbjahr 2010 hatten Sie die Prognose für das abgelaufene Geschäftsjahr im Dezember deutlich angehoben. Waren Sie selbst überrascht, wie kräftig die Erholung nach dem Krisenjahr 2009 ausgefallen ist?

Absolut. Wir haben immer geglaubt, dass der konjunkturelle Einbruch in 2009 weit überzogen war. Dass wir in 2010 jedoch wieder so weit an die Zahlen des Top-Jahres 2008 aufschließen konnten, hätten wir noch Anfang 2010 nicht zu träumen gewagt.

Hat sich der Aufwärtstrend auch im ersten Quartal 2011 fortgesetzt? Wie zufrieden sind Sie mit dem Jahresauftakt?

Wir hatten einen ganz exzellenten Jahresauftakt. Ich gehe davon aus, dass wir zu den nächsten Veröffentlichungsterminen breites Lob erfahren.

Analyst Andreas Wolf von Warburg Research prognostiziert für 2011 beim Ergebnis je Aktie einen Anstieg auf 0,28 Euro. Für das kommende Geschäftsjahr erwartet er einen erneuten Gewinnsprung auf 0,39 Euro je Aktie. Damit weist Softing ein günstiges 2012er-KGV von 8 auf. Aus Ihrer Sicht eine realistische Schätzung?

Die deutlichsten Einschätzungen haben wir kurzfristig, also für 2011. Die genannten Zahlen halte ich für absolut realistisch. In 2012 sollten wir uns entsprechend weiter entwickeln. Insofern halte ich die Grundaussage auch hier für nachvollziehbar, wenngleich ich keine genauen Zahlen für 2012 abschätzen kann. Grundsätzlich sehe ich die Aktie bei Werten unter vier Euro deutlich unterbewertet.

Bei Softing läuft das Geschäft auf Hochtouren. Dürfen sich die Anteilseigner mittelfristig auch über eine Dividendenzahlung freuen?

Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte wird bei uns ernsthaft die Zahlung einer Dividende diskutiert. Die Mittel hierfür sind vorhanden. Die schlussendlichen Beschlüsse sind noch zu treffen, aber die Chancen dafür stehen aber gut.

Wie sieht Ihre Vision von Softing im Jahr 2015 aus?

Wir werden das Wachstum sowohl im Segment Industrial Automation als auch im Segment Automotive Electronics massiv beschleunigen. Durch eine Vielzahl an neuen Kunden sinkt die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden kontinuierlich. Über eine professionellere Vertriebsarbeit sowie durch neue Produktsegmente werden wir ein kontinuierliches Wachstum realisieren. Zumindest in Zeiten normaler und guter Konjunktur ohne besondere politisch geprägte Negativereignisse erwarten wir zweistellige Wachs­tums­raten.

Ich kann an dieser Stelle nur meine Aussagen wiederholen, dass ich die von mir gehaltenen Aktien nicht unter zehn Euro abzugeben gedenke. Selbstverständlich wird dies noch etwas dauern. Dafür werden wir alle in den nächsten Jahren weiter harten Einsatz zeigen müssen.  Aber ich bin überzeugt davon, dass es kommen wird.

Herr Dr. Trier, vielen Dank für das Interview.

Schwäche nutzen

Anleger, die bei der Altempfehlung des AKTIONÄR noch nicht dabei sind, können die jüngste Kursschwäche zum Kauf nutzen. Warburg Research sieht das Kursziel aktuell bei 4,20 Euro. Mit einem KGV von 8 für 2012 ist die Aktie noch immer günstig. Stopp bei Neukauf bei 2,90 Euro setzen.

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