- DER AKTIONÄR

Zielscheibe Deutschland

Deutsche Unternehmen gewinnen bei Ausländern an Attraktivität. 2008 wird mit zahlreichen Übernahmen gerechnet, auch innerhalb der Landesgrenzen.

Deutsche Unternehmen gewinnen bei Ausländern an Attraktivität. 2008 wird mit zahlreichen Übernahmen gerechnet, auch innerhalb der Landesgrenzen.

Der DAX ist nicht mehr das, was er einst war. Erstmals in der Geschichte befindet sich mit über 50 Prozent der Aktien die Mehrheit an den 30 Unternehmen in den Händen ausländischer Investoren. Ein Novum, das für die Attraktivität Deutschlands spricht. Im Fokus stehen dabei keinesfalls nur DAX-Konzerne. Internationale Investoren schätzen grundsätzlich die Wachstumsstärke und die hohen Dividenden hiesiger Unternehmen. Neben Minderheitsbeteiligungen waren 2007 auch Übernahmen zu beobachten, darunter etwa die des Windkraftunternehmens RePower durch die indische Suzlon. Ein Indiz für die Fortsetzung dieser Entwicklung ist, dass sich die Bundesrepublik im Jahresverlauf vom dritten Platz der Zielländer für M&A-Aktivitäten auf den zweiten innerhalb Europas vorarbeitete. Aber auch innerhalb Deutschlands werden zahlreiche Zusammenschlüsse erwartet.

Balda: Übernahmekandidat in spe

Auf dem Weg nach oben ist unter anderem der Touchscreen-Hersteller Balda, nachdem er jüngst die Handygehäuse-Produktion verkauft hat. Eine Kapitalerhöhung brachte 68 Millionen Euro ein und ermöglicht neue Investitionen. Zum Kundenkreis zählt beispielsweise Apple. Doch das als revolutionär gefeierte iPhone dürfte erst der Anfang sein. Die berührungsempfindlichen Bildschirme kommen in immer mehr Geräten zum Einsatz. Dies hat auch der frühere Premiere-Chef Georg Kofler erkannt und für 30 Millionen Euro Aktien geordert. Im Raum steht zudem eine Aufstockung der Anteile durch die Familie Chiang, die 15 Prozent besitzt.

Freenet: Ausgemachte Sache

Während sich Balda noch als Übernahmekandidat positioniert, steht Freenet schon lange als solcher fest. Zwar halten United Internet (UI) und Drillisch bislang nicht die Mehrheit, auch weil ihnen eine Übernahme aufgrund der vermeintlich hohen Bewertung zu teuer erscheint. Auf kurz oder lang ist die Konsolidierung in der Branche ausgemachte Sache und Freenet dürfte das nächste "Opfer" sein.

Loewe: Der letzte Mohikaner

Für eine Übernahme von Loewe sprechen andere Gründe. Der Hersteller von TV-Geräten wird mit Design-Preisen überhäuft und ist der einzige deutsche Premium-Produzent, nachdem Konkurrent Grundig von der türkischen Koc-Gruppe geschluckt wurde. Sofern erneut ein ausländischer Investor auf die Suche geht, kommt er an der mit einem 2008er-KGV von 12 obendrein günstig bewerteten Loewe nicht vorbei.

Xing: Der Preis ist heiß

Ähnlich verhält es sich bei Xing. Der Betreiber des gleichnamigen Business-Netzwerks im Internet wächst rasant und ist dennoch angesichts der Bewertungsmaßstäbe im Web-2.0-Segment mit einem KGV von 28 nicht überteuert. Nicht nur aufgrund der Öffnung der Plattform für den Werbemarkt dürfte das neue Jahr das erfolgreichste der Unternehmensgeschichte werden.

Essanelle: Ins Rollen gekommen

Bereits in Gang gekommen ist der Übernahmeprozess hingegen bei Essanelle. Mitte Dezember meldete Saxonia, sich mit 31,08 Prozent an dem Düsseldorfer Haar-Salon-Betreiber beteiligt zu haben. Was folgte, war ein Pflichtangebot über 9,60 Euro je Aktie. Wer langfristig denkt, kann auf ein höheres Gebot im Falle eines eventuellen Squeeze-Out-Verfahrens hoffen.

TUI: Ausbaufähige Rendite

Der Einstieg von Guy Wyser-Pratte bei TUI sorgte vor einigen Wochen für reichlich Wirbel. Bislang ist der gebürtige Franzose mit seiner Forderung, Firmenchef Michael Frenzel solle seinen Stuhl räumen, nicht weit gekommen. Letzterer bläst nun zum Angriff und setzt auf das Kreuzfahrt-Geschäft. Fakt ist, dass die Umsatzrendite von einem halben Prozent im laufenden Jahr noch ausbaufähig ist. Ein neuer Großaktionär könnte für frischen Wind sorgen.

Spannendes Jahr erwartet

Neben den empfohlenen Werten hat DER AKTIONÄR weitere potenzielle Übernahmekandidaten für das kommende Jahr lokalisiert. Wer im M&A-Bereich auf eine breite Streuung setzen möchte, greift zum Special Situations Deutschland Zertifikat von HSBC.

Artikel aus DER AKTIONÄR (02/08).

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