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Zahlenflut an Wall Street

Bislang waren die Zinspolitik, der hohe Ölpreis und die drohende Inflation Gesprächsthema Nummer eins an Wall Street. Ab dieser Woche dürfte sich ein anderes Thema in den Vordergrund schieben: Quartalszahlen. Wie gut ist Corporate America in das Geschäftsjahr 2005 gestartet?

Bislang waren die Zinspolitik, der hohe Ölpreis und die drohende Inflation Gesprächsthema Nummer eins an Wall Street. Ab dieser Woche dürfte sich ein anderes Thema in den Vordergrund schieben: Quartalszahlen. Wie gut ist Corporate America in das Geschäftsjahr 2005 gestartet? Die ersten Ergebnisse von Apple, GE und Intel werden Aufschluss geben.

Von Martin Weiß

"Was jetzt passiert, ist, dass sich die ganze Meute auf die Quartalsergebnisse der Unternehmen stürzt", kommentiert Alfred Maydorn, stellvertretender Chefredakteur von DER AKTIONÄR und Autor des maydornreport, den Auftakt der Ergebnissaison an der Wall Street. Besondere Bedeutung misst er dem Ausblick bei: "Die Ergebnisse müssen natürlich Tipptopp sein - was daneben zählt, ist ein starker Geschäftsausblick auf das zweite Quartal." Nur so lasse sich vermeiden, dass die negative Entwicklung am Ölmarkt und das höhere Zinsniveau auf die Stimmung drückten.

Die Show kann beginnen

Nachdem die erste Aprilwoche kaum Quartalsergebnisse hervor brachte, werden die kommenden Tage umso geschäftiger. Auffällig: Das Internetportal Yahoo, bislang unter den ersten, die ihre Bücher öffneten, wird jetzt erst am 19. April melden. Im Schnitt kalkulieren die Aktienanalysten mit einem Überschuss im ersten Quartal von 0,11 Dollar pro Aktie - ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 83 Prozent. Sofern Yahoo die Erwartungen erfüllt. Interessant dürfte bei dem Veteran die weitere Entwicklung der Premiumdienste (Mail, Telefon, Dating) sein. Seit seinem Amtsantritt 2001 hat CEO Terry Semel die kostenpflichtigen Angebote ausgebaut, um die Abhängigkeit von der Online-Werbung zu verringern.

Good News von Genentech

Die ersten Quartalszahlen von einiger Bedeutung werden am Montag vom Biotechunternehmen Genentech (DNA) veröffentlicht. Die Firma hat jüngst mit seinem Krebsmittel Avastin für positive Schlagzeilen gesorgt. Das Medikament soll die Lebenserwartung von Lungenkrebspatienten deutlich erhöhen. Die Aktien sind seit der Nachricht um mehr als 20 Prozent im Kurs gestiegen. "Es war eine gute Nachricht nach einer ganzen Batterie an schlechten", hebt Biotech-Experte Frank Phillipps die psychologische Bedeutung der Meldung hervor. Chris Raymond von Robert W. Baird ist trotz der hohen Bewertung der Titel (KGV 2005: 53) positiv für DNA eingestellt: "Bei Biotechfirmen zählt das Wachstum und hier ist Genentech vielleicht der beste Name." Die Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinnanstieg im ersten Quartal (gg. Vj.) von 56 Prozent auf 0,25 Dollar.

Apple mit exzellenten Zahlen erwartet

Ein echtes Highlight erwartet die Anleger am Mittwoch, wenn mit dem Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) und Apple Computer gleich zwei Schwergewichte aus der Technologiebranche ihre Bücher öffnen. Der reißende Absatz bei den digitalen Musikabspielgeräten und die millionenfachen (kostenpflichtigen) Musik-Downloads sollten Apple erneut ein exzellentes Ergebnis beschert haben. Die Marktprofis rechnen mit einem Gewinnanstieg um knapp die Hälfte auf 0,23 Dollar pro Aktie. Der Chiphersteller AMD soll seinen Profit in der selben Periode hingegen um 20 Prozent auf 0,12 Dollar ausgeweitet haben.

Tausendsassa GE gibt die Richtung vor

Für den 14.4. stehen die Geschäftszahlen bei Sun Microsystems an. Der Hersteller von Computerservern findet nur mühsam aus der Krise, in die er nach dem Platzen der Spekulationsblase im Jahr 2000 gerutscht war und kämpft zudem mit immer stärker werdenden Wettbewerbern. Im ersten Quartal soll es unter dem Strich immerhin zu einem ausgeglichenen Ergebnis reichen, nach einem Minus von 0,07 Dollar im Vorjahr. Den - aus Anlegersicht hoffentlich krönenden - Abschluss in dieser Woche liefert schließlich General Electric. Der Dinosaurier an Wall Street gilt wegen seiner unerreichten Produktbreite als verlässlicher Indikator für den Zustand der gesamten US-Wirtschaft. GE produziert von der Glühbirne über Kühlschränke bis hin zu Flugzeugmotoren praktisch alles. Wall Street geht davon aus, dass der Gewinn im Jahresvergleich um 0,05 auf 0,37 Dollar pro Aktie gestiegen ist.

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