Wirecard
- Jochen Kauper - Redakteur

Wirecard-Aktie: Wer steckt hinter der dubiosen Verkaufsempfehlung, wie hoch war der Anteil der Short-Seller wurde die Firma Opfer einer Short-Attacke?

Wirecard-Aktien sind am Mittwoch nach einem zweifelhaften und vom Unternehmen inzwischen dementierten Bericht massiv unter Druck geraten. Das Papier brach bei Rekordumsätzen in der Spitze um fast ein Viertel auf 32 Euro - das war der niedrigste Kurs seit November 2014. Der Börsenwert sackte damit in der Spitze um 1,3 Milliarden Euro ab. Experten sprachen von wilden Spekulationen und einer erneuten "Short-Attacke", bei der Geld mit fallenden Kursen verdient wird. Wirecard ist laut Händlern wegen des Geschäftsmodells und des rasanten Kursanstiegs in den vergangenen Jahren anfällig für Angriffe dieser Art.

 

Vorstand kauft weiter eigene Aktien

Nach einem Dementi von Wirecard erholte sich der Kurs wieder etwas. Zudem kaufte Unternehmenschef Markus Braun während der heutigen Turbulenzen weitere Aktien von Wirecard im Wert von 4,3 Millionen Euro. Bereits in den letzten Wochen ist der Vorstand über seine Firme MB Beteiligungsgesellschaft immer wieder als Käufer aufgetreten. Seit Anfang Februar hat Braun 260.000 Aktien im Gegenwert von rund zehn Millionen Euro geordert.

Wirecard will rechtliche Schritte einleiten

Das war am Vormittag passiert: Der bisher unbekannte Research-Dienst Zatarra, dessen Internetseite erst vor wenigen Tagen am 17. Februar registriert worden war, hatte schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. Die "Financial Times" hatte in ihrem Internet-Blog FTAlphaville den Zatarra-Bericht aufgegriffen. Die Aufmerksamkeit am Markt schnellte hoch und die Wirecard-Aktie brach bei hohen Umsätzen ein.

Der Zahlungsabwickler wehrte sich kurz danach gegen die neuen Vorwürfe zu seinen Geschäftspraktiken. Anschuldigungen gegen Wirecard und seine Mitarbeiter in dem herumgereichten Papier seien verleumderisch und gänzlich unwahr, teilte der Konzern mit. Rechtliche Schritte gegen den "dubiosen" Urheber seien eingeleitet. "Wir nehmen an, dass die Verbreitung des Berichts unseren Aktienkurs negativ beeinflussen sollte", sagte eine Sprecherin.

 

Attacke von Leerverkäufern

"Wirecard ist wieder einmal das Opfer von wilden Spekulationen", sagte Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Anleger hätten ein Deja-Vu-Erlebnis von vor einigen Jahren als die Aktie ebenfalls im Fokus von professionellen Shortsellern stand.Ein anderer Experte, der nicht gekannt werden wollte, verwies auf die am Markt immer wieder auftauchenden Berichte von verschiedenen Häusern, die sich in einzelnen, nicht regelmäßigen Studien mit Wirecard befassen. Nach der Erklärung des Unternehmens zum aktuellen Bericht sehe er keinen Anlass für Zweifel an Wirecard. Überwiegend würden sehr alte Vorwürfe aufgegriffen. Diese müssten Kreditkartenunternehmen, die Kunden des Zahlungssysteme-Anbieters sind, bekannt sein. Sie zögen aber keine Konsequenzen. „Ein Klassiker", sagte ein Börsianer.

8,66 Prozent aller Wirecard-Aktien waren leerverkauft

Wirecard sei in der Vergangenheit schon des Öfteren ein solches Angriffsziel von Anlegern gewesen, denen ein Stimmungsdämpfer zu Gute kommt. Leerverkäufer leihen sich von anderen Händlern Papiere, um diese zu verkaufen und später billiger wieder zu kaufen. Zuletzt hatten Händler Anfang Februar von einer solchen "Short-Attacke" gesprochen, als Berichte über einen Systemausfall für Unsicherheit gesorgt hätten. Am 22. Februar zumindest waren 8,66 Prozent aller Wirecard-Aktien leerverkauft. Auf dem deutschen Kurszettel waren zu diesem Zeitpunkt lediglich bei Aixtron, K+S und Heidelberger Druck noch mehr Anleger auf der Short-Seite positioniert.

1500 Prozent plus seit Anfang 2006

Die aufsehenerregendste Attacke gegen Wirecard waren im Sommer 2008 Untersuchungen der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) über angeblich irreführende Bilanzierungsmethoden. Wirecard hatte diese über ein Sondergutachten von Ernst & Young entkräftet. Zudem wurde bekannt, dass einige SdK-Mitglieder auf fallende Wirecard-Kurse gesetzt hatten. Zwei Jahre danach sorgte eine Falschmeldung eines Internetportals für heftige Kursverluste. Langfristig haben die immer wieder auftauchenden Attacken, Gerüchte und Spekulationen den Aufschwung des Unternehmens am Aktienmarkt nicht geschadet. In den vergangenen zehn Jahren legte der Kurs trotz der jüngsten Verluste rund 1500 Prozent zu.

(Mit Material von dpa-AFX).

 

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  • Dr. Irene Wisser -
    Allein der Name des mysteriösen Research-Hauses macht nachdenklich. Klingt er doch sehr ähnlich wie das spanische Wort "chatarra", was auf Deutsch "Schrott" heißt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

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