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Die 30 Plätze im TecDax sind heiß begehrt. Vorausschauende Investoren positionieren sich bereits jetzt bei potenziellen Nachrückern. DER AKTIONÄR stellt die aussichtsreichsten Kandidaten vor.

Die 30 Plätze im TecDax sind heiß begehrt. Vorausschauende Investoren positionieren sich bereits jetzt bei potenziellen Nachrückern. DER AKTIONÄR stellt die aussichtsreichsten Kandidaten vor.

Von Michael Lang

An der Börse wird nicht zum Einstieg geklingelt - zumindest wenn man dieser vielzitierten Börsenweisheit Glauben schenken darf. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Auch am Aktienmarkt gibt es wiederkehrende Muster, die sich Anleger zu Nutze machen können.

Indexaufnahme beflügelt

Eines dieser ungeschriebenen Gesetze der Börse ist die überdurchschnittliche Kursperformance von Indexneulingen vor und unmittelbar nach einer Indexaufnahme. Die Zusammensetzung der deutschen Aktienindizes wird in regelmäßigen Abständen vom Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse überprüft. Ein Indexplatz wird neu besetzt, falls ein bisheriges Mitglied hinsichtlich der Kriterien Marktkapitalisierung und Börsenumsatz deutlich zurückfällt oder infolge einer Übernahme, einer Fusion oder aus einem anderen Grund vom Kurszettel verschwindet.

Für die relative Stärke der Indexneulinge gibt es handfeste Gründe. Da sich viele Fonds und institutionelle Investoren eng an den Indizes orientieren und zudem die Bedeutung von Indexzertifikaten stetig zunimmt, ist die Nachfrage nach diesen Papieren besonders groß.

Eindrucksvoll belegen lässt sich dies am jüngsten TecDax-Mitglied Conergy. Während die Solaraktie seit der Bekanntgabe der bevorstehenden Indexaufnahme am 3. Juni 2005 um fast 23 Prozent zugelegt hat, stieg der TecDax in diesem Zeitraum um lediglich elf Prozent. Zwischenzeitlich war die Differenz sogar noch weit größer.

35/35-Regel

In den kommenden Monaten dürfte sich das TecDax-Karussell noch schneller drehen als üblich. Denn durch die bevorstehende Reintegration von T-Online in den Mutterkonzern Deutsche Telekom, die Fusion der beiden TecDax-Gesellschaften Freenet und Mobilcom sowie das geplante Delisting der Schweizer Micronas Semiconductor werden schon bald drei Plätze im Technologieindex frei. Zudem ist ein Indexverbleib der Teles AG nach der jüngsten Kursschwäche fraglicher denn je.

Grund genug, sich den Kreis der potenziellen Aufsteiger genauer anzusehen. Um in den TecDax aufgenommen zu werden, muss die so genannte 35/35-Regel erfüllt werden. Dies bedeutet, dass die Gesellschaft in der monatlich von der Deutschen Börse veröffentlichten TecDax-Rangliste sowohl beim Kriterium Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch bei den Handelsumsätzen mindestens Rang 35 belegen muss.

Top-Kandidat Tele Atlas

Der Kreis der potenziellen Nachrücker ist derzeit sehr begrenzt. Nimmt man die Juni-Rangliste als Grundlage, erfüllt lediglich Tele Atlas (Rang Marktkapitalisierung: 27/ Rang Börsenumsatz: 33) die Aufnahmebedingungen. Sunways (aktuell: 36/13) verfehlte die 35/35-Regel zuletzt nur knapp, würde jedoch vom Delisting aktueller TecDax-Aktien profitieren. Weitere Kandidaten für einen Aufstieg wären BB Medtech (11/55), Sartorius (28/46), Carl Zeiss Meditec (29/40) sowie Mühlbauer (35/49), die zumindest eines der beiden Kriterien erfüllen.

Ein TecDax-Anwärter, den bisher kaum jemand auf der Rechnung hat, ist die Berliner Solon AG für Solartechnik. Da die Gesellschaft erst seit dem 22. Juli im Prime Standard notiert, ist die Aktie bisher in keiner Indexrangliste aufgetaucht. Mit einer Marktkapitalisierung von 220 Millionen Euro, einem Freefloat von 75 Prozent sowie überdurchschnittlichen Handelsumsätzen, dürfte Solon die 35/35-Regel ohne Probleme erfüllen.

Zwei Favoriten

Anleger mit Weitblick investieren bereits jetzt in potenzielle TecDax-Kandidaten. Unter Chance-Risiko-Gesichtspunkten erscheinen derzeit aus dem Kreis der potenzieller Aufsteiger Tele Atlas und Solon am aussichtsreichsten. Wer sein Risiko minimieren will, sollte die Entscheidung der Deutschen Börse abwarten, die spätestens zum nächsten regulären Termin am 5. September 2005 etwaige Indexänderungen bekannt geben wird.

Artikel aus DER AKTIONÄR (32/05).

 

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