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Wieder Salonfähig

An Moskaus Börse herrscht Hochstimmung. Die Aktienkurse klettern von einem Rekord zum nächsten. Die Rallye dürfte weitergehen. DER AKTIONÄR stellt Ihnen vier interessante Russland-Aktien vor.

An Moskaus Börse herrscht Hochstimmung. Die Aktienkurse klettern von einem Rekord zum nächsten. Die Rallye dürfte weitergehen. DER AKTIONÄR stellt Ihnen vier interessante Russland-Aktien vor.

Von Jürgen Büttner

Ein erstaunliches Comeback zaubern gerade die russischen Aktien auf das Parkett. Seit einigen Wochen geht es mit dem zwischenzeitlich etwas aus der Mode geratenen Markt wieder rasant aufwärts. Insgesamt hat es der als Benchmark fungierende RTS-Index in diesem Jahr schon auf ein Plus von fast 40 Prozent gebracht. Mit dieser Bilanz lässt er fast alle anderen Schwellenländerbörsen hinter sich, nachdem es 2004 erstmals seit einigen Jahren nicht mehr zu einem Platz in der Spitzengruppe gereicht hatte.

Die Anleger kehren zurück

Ermöglicht wird der Kursaufschwung nicht zuletzt durch die Rückkehr der ausländischen Anleger. Im Zuge der Yukos-Affäre hatten sie sich zwischenzeitlich in Abstinenz geübt oder sogar Positionen abgebaut. Doch nachdem es so aussieht, als ob Yukos ein Einzelfall bleibt, besteht so etwas wie Anlagezwang. Denn ohne politische Störfeuer sind russische Aktien ein klarer Kauf. Zumindest solange, wie die Rohstoffpreise hoch bleiben. Und genau danach sieht es aus. Speziell die hohen Öl- und Gaspreise (Öl und Gas machen ein Viertel der 521 Milliarden Dollar großen russischen Volkswirtschaft aus) erweisen sich als Segen. Schließlich spülen sie Milliarden ins Land und erweisen sich als Schmierstoff für die Wirtschaft. So trugen die daraus resultierenden Einnahmen im ersten Halbjahr zu einem Handelsbilanzüberschuss von 57,90 (Vorjahr: 38,12) Milliarden Dollar bei.

Wie gut das Land volkswirtschaftlich dasteht, zeigt sich an einem Haushaltsüberschuss, der sich in diesem Jahr auf 5,4 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt belaufen dürfte. Gleichzeitig sind die Gold- und Währungsreserven kurzzeitig schon auf den Rekordwert von über 150 Milliarden Dollar angeschwollen. Zur Erinnerung: Im Zuge der Russland-Krise waren diese Reserven 1998 auf unter zwölf Milliarden Dollar gesunken. Schon seit einigen Jahren befindet sich die Wirtschaft zudem auf Wachstumskurs. Auch in diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt um sechs Prozent wachsen. Und in dieser Größenordnung soll es weiter gehen. Die Planungen des Wirtschaftsministeriums sehen bis 2008 jedenfalls jährliche Zuwachsraten von knapp sechs Prozent vor.

Probleme im Hinterkopf behalten

Trotz der vielen Vorzüge wäre es falsch, Russland nur in einem rosigen Licht darzustellen. Dafür gibt es einfach zu viele ungelöste Probleme. Unter anderem zählt dazu neben der zu hohen Inflation die dringend erforderliche, aber immer wieder aufgeschobene Reform des Bankensystems. Nachdenklich stimmt auch die Machtfülle, die das Amt des Präsidenten unter Putin erhalten hat. Von einer Demokratie nach westlichem Vorbild hat sich das Land in den vergangenen Jahren eher entfernt als angenähert.

Eher noch verstärkt als abgenommen hat unter Putin zudem der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft. Presseberichten zufolge kontrollieren Putin-Vertraute neun Großkonzerne mit einem Gesamtvermögen von 222 Milliarden Dollar und einem Reingewinn von elf Milliarden Dollar. Die Aktiva dieser Unternehmen entsprachen fast 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und dass dabei dann beim Regieren Eigeninteressen mit ins Spiel kommen, dürfte mehr sein als nur eine vage Vermutung. Wie wenig Eigentumsrechte in Einzelfällen zählen, hat der Fall Yukos ja bereits gezeigt.

Solange die politisch Verantwortlichen aber keine neuen Eigentore schießen, überwiegen dennoch eindeutig die Gründe für ein Investment. Neben den charttechnischen Kaufsignalen, die der RTS-Index zuletzt in der Form neuer Rekordhochs generiert hat, ist das wichtigste Kaufargument die günstige Bewertung. Mit einem KGV von 8 ist der Markt deutlich niedriger bewertet als die anderen Börsen der Schwellenländer, die im Schnitt auf ein KGV von gut 11 kommen. Dieser Bewertungsabschlag erscheint auch vor dem Hintergrund zu groß, dass russischen Aktien eine höhere Gewichtung im MSCI Emerging Market Index winkt, wenn die bestehenden Beschränkungen für Ausländer beim Kauf von Aktien des Gaskonzerns Gazprom aufgehoben werden. Unter dem Strich könnte das dann den Zustrom von neun Milliarden Dollar aus dem Ausland bewirken.

Einstieg über Zertifikate

Für deutsche Anleger, die am russischen Aktienmarkt mitmischen wollen, dürfte eine möglichst breite Positionierung das Sinnvollste sein. Statt Fonds, die es ohnehin oft nicht schaffen, den Gesamtmarkt zu schlagen, bietet sich ein Zertifikat auf den in Wien aufgelegten RTS-Ableger RDX an. Wer sich an Einzelinvestments wagen will, dürfte bei den großen Standardwerten am besten aufgehoben sein, da diese auch hierzulande in ausreichenden Stückzahlen gehandelt werden. Mit Gazprom, Lukoil, Norilsk Nickel und AFK Systema stehen vier russische Blue Chips zur Auswahl, die sich zum Kauf anbieten.

 

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