- DER AKTIONÄR

Wer schluckt wen?

In der deutschen Bankenlandschaft tut sich was - und zwar gewaltig. Neben der HypoVereinsbank steht jetzt auch die Commerzbank im Blickpunkt von Aufkäufern. Wer verlässt den Pokertisch als Gewinner? Oder anders: Wer ist abgezockt genug?

In der Bankenlandschaft tut sich was - und zwar gewaltig. Neben der HypoVereinsbank steht jetzt auch die Commerzbank im Blickpunkt von Aufkäufern. Wer verlässt den Pokertisch als Gewinner?

Von Steffen Eidam

Nach der HypoVereinsbank steht jetzt auch die Commerzbank im Mittelpunkt von Fusionsgerüchten. Die Zahl der Interessenten nimmt dabei immer größere Ausmaße an, denn neben einer vollständigen Übernahme der beiden oder auch nur eines der beiden Kreditinstitute, sind verschiedene andere Beteiligungsmodelle denkbar. Die Aktien der Protagonisten werden bereits eifrig gekauft.

Wer sitzt am Tisch?

Ein Bericht des "Wall Street Journal Europe" ließ am Montagmorgen die Bombe platzen: Die Commerzbank steht im Fokus von Aufkäufern. Neben der Deutschen Bank seien die Royal Bank of Scotland und die französischen Banken BNP Paribas und Société Générale an der Commerzbank interessiert. Auslöser der Welle waren die Fusionsspekulationen um die HypoVereinsBank (HVB) und UniCredito, wobei die Münchener am Morgen die Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss mit der italienischen Großbank bestätigt haben. Aber auch die Versicherer Allianz und Münchener Rück profitieren dank ihrer Beteiligungen an der HVB und der Commerzbank von den Übernahmegerüchten.

Wie hoch sind die Einsätze?

Anders als in den USA, wo Banken durch Fusionen sehr schnell wachsen konnten, gibt es in Europa sehr wenig Insititute von Weltformat. Zu zersplittet ist die europäische Bankenlandschaft, zu wenig einheitliche Standards sind vorhanden. Insbesondere in Deutschland hat die Branche in den vergangenen Jahren ein schwere Krise erfahren, geprägt von milliardenschweren Abschreibungen und Massenentlassungen. Doch die Konzerne haben aus ihren Erfahrungen gelernt und strukturierten sich neu. Mittlerweile sind viele deutsche Banken wieder das "Objekt der Begierde" für ausländische Investoren - auch auf dem mittlerweile höheren Kaufniveau. Baudouin Prot, Vorstandschef von BNP Paribas, äußerte gegenüber der Welt, dass die Größe einer Bank mittlerweile "unverzichtbar ist, um Risiken zu diversifizieren." Darüber hinaus seien Zukäufe entscheidend für das Image. Doch Vorsicht ist angesagt. Auf Grund der hohen Konkurrenz durch Sparkassen und Genossenschaftsbanken teilen sich die vier größten Institute gerade einmal 20 bis 25 Prozent vom gesamten Kuchen. Für ein Engagement spricht aber die Tatsache, dass der deutsche Bankensektor sicher das Schlimmste hinter sich hat und die Kostenstrukturen deutlich besser sind als noch Jahre zuvor. Der Einsatz will dennoch gut dosiert sein.

Die Varianten

Die Beweggründe der UniCredito im Hinblick auf die HVB scheinen eindeutig. Italiens Numero Uno und die Nummer Zwei im deutschen Privatkundengeschäft ergänzen sich in ihren Strategien hervorragend. Beide haben beachtliche Erfolge im osteuropäischen Markt erzielt, die UniCredito durch geschickte Übernahmen und die HVB über ihre Tochter Bank Austria. Die Italiener könnten mit einer Übernahme die Führungsposition weiter ausbauen. Gleichzeitig müsste man sich keine Gedanken um die Machtverhältnisse machen, denn mit einer Marktkapitalisierung von rund 15 Milliarden Euro sind die Münchener doch recht "schwach auf der Brust" für die immerhin gut 26 Milliarden Euro schweren Italiener. Gut möglich wäre auch eine Auslösung der HVB-Tochter Bank Austria, um dann das "Deutschland-Geschäft" an die Commerzbank weiterzuverkaufen. Vorstellbar sei auch ein Verkauf von DAB, der Online-Tochter der HVB, die dann ebenfalls eine interessantes Übernahmeziel abgeben würde.

Im Fokus der Marktteilnehmer steht nun auch die Commerzbank, die pikanterweise ebenfalls im Jahr 2001 heftig von der UniCredito umworben wurde. Gleich mehrere Interessenten sollen sich für die Deutschen interessieren, allen voran die Deutsche Bank. Der inländische Branchenprimus hatte erst vor kurzem seine Bereitschaft für Akquisitionen signalisiert. Insidern zufolge könnte zudem die Präsenz der Commerzbank im wachstumstarken Polen ein Lockmittel für Aufkäufer sein. Bislang dementiert die Commerzbank aber Gespräche mit möglichen Interessenten.

Übernahmegerüchte werden an der Börse ja immer gerne gesehen, daher ist es kaum verwunderlich, dass die Bankentitel gestern zu den Gewinnern im DAX gehörten, allen voran die Commerzbank mit einem Plus von über drei Prozent.

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