NAPSTER INC. DL-,01
- DER AKTIONÄR

Wer kauft Napster?

Es kommt in der Wirtschaftswelt fast täglich vor, dass ein Unternehmen ins Visier einer anderen Gesellschaft gerät - und dann gegen seinen Willen übernommen wird. Im Falle Napster verhält es sich anders. Der Online-Musikdownloaddienst hätte gar keine Probleme damit gekauft zu werden. Im Gegenteil: Napster hat Mitte September sogar selbst die Investmentbank UBS beauftragt einen möglichen Käufer zu suchen.

Das Online-Musikportal Napster steht möglicherweise vor dem Verkauf. Spekulationen über mögliche Interessenten treiben den Kurs in die Höhe.

Es kommt in der Wirtschaftswelt fast täglich vor, dass ein Unternehmen ins Visier einer anderen Gesellschaft gerät – und dann gegen seinen Willen übernommen wird. Im Falle Napster verhält es sich anders. Der Online-Musikdownloaddienst hätte gar keine Probleme damit gekauft zu werden. Im Gegenteil: Napster hat Mitte September sogar selbst die Investmentbank UBS beauftragt einen möglichen Käufer zu suchen. Dass einige namhafte Konzerne seitdem als potenzielle Interessenten gehandelt werden – darunter die Internetgiganten Google, Yahoo und Amazon sowie RealNetworks, das bereits ein eigenes Musikportal betreibt –, hat dem Napster-Aktienkurs in den vergangenen Wochen enorm auf die Sprünge geholfen.

Internet-Legende

Napster ist für eine der bekanntesten Geschichten der Dotcom-Ära verantwortlich. Napster wurde 1998 von einem US-Studenten gegründet und war der Traum jedes Musikliebhabers: Nutzer des Online-Portals konnten kostenlos Musikdateien untereinander austauschen. Die Internetseite wurde dadurch in Sachen Online-Musik zum Maß aller Dinge und zählte zu Spitzenzeiten weltweit knapp 40 Millionen User. Bis im Jahr 2001 das jähe Ende kam: Auf Intervention der Musikindustrie wurde dem Ganzen ein Riegel vorgeschoben, Napster musste seine Webseite einstellen und später sogar Konkurs anmelden.

Weniger attraktiv

Ende 2002 kaufte Roxio, ein Anbieter von Software zum Brennen von CDs und DVDs, die Reste der Napster-Tauschbörse und brachte die Seite einige Zeit später wieder online – diesmal als vollkommen legalen Downloaddienst. Doch da Nutzer seitdem für die Songs zahlen müssen, hat Napster auch nicht mehr zu bieten als die Wettbewerber iTunes (von Apple) und Rhapsody (RealNetworks) – was sich an den eher mauen Abozahlen bemerkbar macht. Das ist wohl auch der wichtigste Grund, warum Napster nach einem Käufer sucht. Und warum nach Ansicht von Marktbeobachtern derjenige, der Napster übernimmt, den Abodienst von Napster in seinem eigenen Service aufgehen lassen wird. Der Name Napster wäre damit Geschichte.

Der Nächste, bitte!

Die Übernahmewelle im Internetsektor rollt weiter. Nach YouTube könnte jetzt Napster dran sein. Noch ist unklar, wie viel der zukünftige Käufer für die Marke Napster hinlegen wird. Experten beziffern ihren Wert auf bis zu sieben Dollar pro Aktie. Wer darauf setzt, dass jemand so viel zahlt, sollte sich einige Stücke ins Depot legen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 46/2006.

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