- DER AKTIONÄR

Wer? Wie? Was?

Jüngst wurde M:access ins Leben gerufen, ein neues Marktsegment für kleinere Firmen, ergänzend zum Freiverkehr. Was es damit auf sich hat, erklärt der Geschäftsführer.

Jüngst wurde M:access ins Leben gerufen, ein neues Marktsegment für kleinere Firmen, ergänzend zum Freiverkehr. Was es damit auf sich hat, erklärt der Geschäftsführer.

Von Nancy Lanzendörfer

Am 1. Juli der Startschuss, am 7. Juli die erste Analystenkonferenz und am 12. Juli bereits das erste IPO: Das ist der noch junge Lebenslauf von M:access (www.maccess.de), einem von der Börse München ins Leben gerufenen Marktsegment für kleine und mittlere Unternehmen. Doch was genau versteckt sich hinter diesem Markt, dessen Name die englische Bezeichnung für Erfolg (success) beinhaltet? DER AKTIONÄR klärt auf.

Mittelstand im Fokus

M:access soll nach dem Ende des Neuen Marktes Mittelständlern wieder den Zugang zu Eigenkapital erleichtern und die Gesellschaft in den Fokus von Investoren rücken. Anlegern will man eine größere Transparenz bieten. Die Unternehmen werden von einem Emissionsexperten unterstützt wie zum Beispiel der Baader Wertpapierhandelsbank oder der VEM Aktienbank. Andreas Beyer, Vorstand von VEM, hält das neue Segment für "eine gute Idee". Seine Firma begleitet auch die Erstnotiz von Net Mobile im M:access.

Der Prädikatsmarkt ist tot, es lebe M:access

Der Prädikatsmarkt wird im Zuge dessen zum Jahresende abgeschafft. Sechs der acht Gesellschaften, die zum 1. Juli in das neue Qualitätssegment wechselten (siehe Tabelle; am 12. Juli folgt Net Mobile), waren zuvor dort gelistet. Sie verpflichten sich nun, zusätzlich zu den gesetzlichen Regeln, einen Unternehmenskalender auf ihrer Internetseite sowie Kernaussagen des Jahresabschlusses zu veröffentlichen. Wichtige Unternehmensnachrichten, die geeignet sind, die Aktienentwicklung zu beeinflussen, sollen unverzüglich veröffentlicht werden. Zudem müssen sie wenigstens einmal im Jahr an einer Analystenkonferenz teilnehmen. Das Grundkapital soll mindestens zwei Millionen Euro betragen. Einen genauen Überblick über das neue Marktsegment liefert Andreas Schmidt, der in der Geschäftsführung der Börse München für M:access verantwortlich ist, im nachfolgenden Interview.

DER AKTIONÄR: Herr Schmidt, am 1. Juli ging M:access an den Start. Was ist der Unterschied und was sind die Vorteile von M:access gegenüber dem Amtlichen oder Geregelten Markt und dem Freiverkehr?

Andreas Schmidt: M:access bietet mittelständischen Unternehmen als Qualitätssegment eine erhöhte Aufmerksamkeit im Kapitalmarkt, vermeidet unverhältnismäßig hohe, bürokratische und zeitaufwändige Berichtspflichten des Amtlichen und Geregelten Marktes und sichert Anlegern notwendige Informationen, die im Freiverkehr von Emittenten nicht geliefert werden müssen. Damit ist M:access ein Marktsegment der Börse München für Anleger und Emittenten.

Warum wird der Prädikatsmarkt abgeschafft? Hat er sich nicht mehr "rentiert"?

Der Prädikatsmarkt ist unter den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen aus Brüssel und Berlin nicht mehr zeitgemäß. Entstanden als Ergänzung zum Neuen Markt sind heute andere Kriterien anzulegen als vor sieben Jahren. Dies geschieht mit M:access. Die Frage der Rentabilität hat sich für uns nicht gestellt.

Wie viele Unternehmen müssten im M:access gelistet sein, damit man von einem nachhaltigen Erfolg sprechen kann?

Nachhaltigen Erfolg wünschen wir Emittenten und Anlegern. Wir sehen M:access als Produkt, das unseren Anspruch als Börse für den Mittelstand und den privaten Anleger bestätigt und untermauert. Entsprechend hoch und langfristig angelegt ist unser Einsatz für das Segment. Wir erwarten auf Basis unserer Gespräche mit Emittenten bis Ende nächsten Jahres über 20 Unternehmen; ein Index ist projektiert und wird ab mindestens 30 Listings vorangetrieben. Der Erfolg von M:access ist dann nachhaltig, wenn wir unsere Gestaltungsfreiheiten weiter nutzen, damit das Segment attraktiv bleibt. Dazu sind wir gut positioniert.

Net Mobile ist das erste Unternehmen, das sich für seine Erstnotiz das neue Marktsegment M:access ausgesucht hat. Erwarten Sie weitere IPOs in diesem Jahr, zumal es am Freiverkehr jüngst verstärkt Notierungsaufnahmen gegeben hat?

Das IPO von Net Mobile unmittelbar nach Start von M:access freut uns. Weitere IPOs wurden von Emittenten bereits angekündigt, so dass wir bei positivem Marktumfeld optimistisch für das zweite Halbjahr sind.

Mit wie vielen, im M:access gelisteten Firmen rechnen Sie insgesamt bis Ende 2005?

Wir rechnen entsprechend mit mindestens 15 Unternehmen in M:access zum Jahresende.

Wie hoch sind in etwa die Kosten für ein Unternehmen, das im M:access geführt wird?

Die Börse München verlangt eine einmalige Gebühr von 2.500 Euro. Weitere Kosten entstehen den Unternehmen aus ihren Informationspflichten gegenüber den Anlegern; die Kosten der Erstemission hängen stark von Beratungsaufwand und Struktur des Emittenten ab. Hier kann ich keine Zahl nennen. Der Aufwand für internationale Rechnungslegung ist in M:access jedenfalls vermeidbar, da eine HGB-Bilanz ausreicht.

Erwarten Sie zukünftig ein gesteigertes Interesse der Anleger an "kleinen" Werten?

Das Interesse an mittleren und kleineren Werten ist heute schon da. Dies belegen die Börsengänge in diesem Jahr. Notwendig ist, dass dieses Interesse nicht kurzfristig enttäuscht wird. Hier sind Emittenten und Marktteilnehmer, Börse und Anleger gleichermaßen gefordert, ihre Lehren aus dem Neuen Markt zu ziehen.

Gilt der Londoner Alternative Investment Market, kurz AIM, als Vorbild für M:access?

M:access ist nicht eine Kopie des AIM. Eine von uns beauftragte Untersuchung von Prof. Dr. Schiereck der European Business School war für unser Marktsegment wegweisend. Sie hat ergeben, dass der AIM als Markt für IPOs völlig überschätzt wird. Nur knapp 60 der über 1.000 Unternehmen kamen an den AIM im Rahmen eines ersten öffent-lichen Angebotes. Das Marktmodell zielt eher darauf ein Segment für Secondaries von und für VC-Gesellschaften zu sein.

Um beim Thema AIM zu bleiben: Großbritannien hat auch steuerliche Anreize für britische Firmen und dort steuerpflichtige Investoren geschaffen. Wäre dies in ein gewissen Art und Weise auch für Deutschland interessant?

Das Beispiel AIM zeigt, dass Steuern auch in die Irre leiten können. Nach Auslaufen der steuerlich indizierten Haltefrist gibt es im AIM den Exodus von Emittenten. Dieses Delisting ist nicht im Sinn freier Aktionäre und kann nicht Ziel der Börse sein. Die Steueranreize gelten im Übrigen nur für Unternehmen mit Sitz in Großbritannien und für britische Investoren. Dies steht im Widerspruch zu freien Kapitalmärkten und damit im Widerspruch zu unserem Denken als Marktveranstalter. Letztlich gestalten wir mit M:access selbst; ein Warten auf den Steuergesetzgeber ließe uns mit Blick auf die Haushaltslage in Untätigkeit erstarren. Dies ist nicht unser Selbstverständnis, mit dem wir im öffentlichen Auftrag die Börse München betreiben.

Könnte die neue Plattform der Deutschen Börse AG, die vermutlich im Herbst an den Start gehen soll, genau so oder ähnlich aussehen wie das neue Segment der Münchener Börse? Da muss man doch von Wettbewerbsdruck sprechen, oder?

Jüngste Pressegerüchte besagen, dass die Deutsche Börse AG ein neues Segment im Herbst startet. Im Widerspruch dazu stehen eindeutige Verlautbarungen aus der Deutsche Börse AG selbst, die erklärt, ein neues Segment sei nicht sinnvoll. Unser Produkt M:access ist wohl überlegt, für mittelständische Unternehmen und Anleger sinnvoll. Wir sind bereits am Markt und stellen uns dem Wettbewerb. Auf unser Regelwerk gibt es keinen Kopierschutz, so dass in Frankfurt manches übernommen werden könnte, sollten dort überhaupt Aktivitäten in ein neues Marktsegment umgesetzt werden.

Artikel aus DER AKTIONÄR (29/05).

 

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