- DER AKTIONÄR

Weltweit führend

Das Jahr 2004 war für die Martinsrieder Morphosys AG ein absolutes Erfolgsjahr. Was die Anleger im laufenden Jahr von der Biotech-Schmiede erwarten können, verrät Vorstandschef Dr. Simon E. Moroney im Interview.

Das Jahr 2004 war für die Martinsrieder Morphosys AG ein absolutes Erfolgsjahr. Was die Anleger im laufenden Jahr von der Biotech-Schmiede erwarten können, verrät Vorstandschef Dr. Simon E. Moroney im Interview.

 

DER AKTIONÄR: Zunächst eine Frage zur aktuellen Kursentwicklung: Auf ihrer Aktie lastet leichter Verkaufsdruck, haben Sie eine Erklärung für den Kursrücksetzer?

Dr. Simon E. Moroney: Es ist denke ich wichtig zu betonen, dass der Kursrücksetzer nicht auf eine negative Entwicklung der Firma hinweist. Morphosys steht operativ ebenso gut da, wenn nicht sogar besser, als vor einem Monat. In den vergangenen vier Wochen haben wir eine wichtige Vertragserweiterung mit Boehringer Ingelheim realisiert und erfolgreich frisches Kapital durch eine Kapitalerhöhung akquiriert. Letztere hat ja gezeigt, dass institutionell Investoren bereit sind, Aktien zum Wert von knapp 36 Euro zu zeichnen. Nebenbei bemerkt, spiegelt das Kursniveau ebenso wenig die Meinung der Analysten wider. Eine große Zahl der uns begleitenden Analysten gibt ja derzeit eine Kaufempfehlung.

Wann ist mit dem Eintritt des Antikörperprogramms MOR202 in die klinische Phase zu rechnen?

Die Daten aus der präklinischen Studie waren sehr positiv. Es konnte gezeigt werden, dass unsere Antikörper in der Lage sind, Krebszellen effizient abzutöten und das Tumorwachstum so deutlich zu bremsen. Unsere Unternehmensstrategie sieht es vor, unsere Projekte vor dem Beginn der klinischen Entwicklung in eine Partnerschaft einzubringen. Dies soll also auch der nächste Schritt für MOR202 sein.

Was sind die konkreten Pläne in Bezug auf MOR 202 und im Hinblick auf die beiden anderen In-house-Antikörperprogramme MOR 101/102?

Die Projekte sollen auslizensiert und mit Partnern weitergeführt werden. MOR101 und 102 höchstwahrscheinlich in einem Paket, da beide dasselbe Zielmolekül anvisieren, das Krebsprogramm MOR202 als "stand alone"-Produkt.

Über eine Marketing-Kooperation mit GeneFrontier soll der japanische Markt erschlossen werden. Gibt es bereits erste "Flirts" mit japanischen Pharmakonzernen?

Den japanischen Markt erschließen wir derzeit auf zwei Wegen. Im Bereich der Forschungsantikörper werden Neu-Kunden für unsere Geschäftseinheit "Antibodies by Design" gewonnen. Hier wurden in der Tat bereits erste Aufträge von japanischen Kunden erfolgreich durchgeführt und erste Umsätze in Fernost erzielt. Für therapeutische Kooperation mit Pharma-Partnern, also die finanziell wesentlich umfangreicheren Deals, für die Morphoys traditionell bekannt ist, gibt es einige interessante Kontakte. Genaueres lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht sagen.

Die Vereinbarung mit Centocor wurde vorzeitig bis 2007 verlängert. Wie stehen die Chancen, dass ein oder mehrere Antikörperprogramme aus dieser seit 2000 bestehenden Partnerschaft 2005 den Sprung in die klinische Erprobung schaffen?

Die Zusammenarbeit mit Centocor ist ein gutes Beispiel, dass unsere Partner mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden sind - die angesprochene Verlängerung und zum Teil ja auch Erweiterung der Zusammenarbeit belegen dies deutlich.Centocor ist im Bereich der Antikörpermedikamente ein Branchenführer und hat Remicade und ReoPro entwickelt, die im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar an Umsätzen generierten. Unser Geschäftsmodell sieht vor, dass unsere Partner für die Entwicklung und spätere Vermarktung dieser Projekte zuständig ist. Die Entscheidung, wann Projekte in die klinische Entwicklung eintreten, um ihre Frage zu beantworten, hängt also maßgeblich vom Partner ab. Wir erwarten aber in mittelfristiger Zukunft auch aus dieser Kooperation klinische Projekte.

 

Centocor ist nicht der einzige Partner, mit dem die Zusammenarbeit verlängert wurde, sondern auch mit Schering, Bristol Myers und Boehringer Ingelheim. Welche Auswirkung hat dies im Hinblick auf mögliche neue Forschungsprogramme im laufenden Jahr?

Es ist ein strategisches Ziel von Morphosys, unsere Produktpipeline durch neue Programme stetig zu erweitern. Mehr aktive Forschungsprogramme bedeuten einen größeren Fluss von Lizenz- und Meilensteinzahlungen und machen uns weniger anfällig für Ausfälle. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einige Projekte die für uns lukrativste Phase erreichen, die Vermarktung als Medikament. Wir haben 2004 die Zahl aktiver Programme von 17 auf 24 steigern können und möchten diesen Ausbau weiterführen. Kundenzufriedenheit, die Weiterführung und Erweiterung bestehender Verträge und neue Partner sind der Schlüssel hierzu.

Mit der Übernahme von Biogenesis haben Sie den Bereich "Antibodies by Design" erweitert. Wie sieht hier die weitere Strategie aus, werden Sie hier weitere Investitionen tätigen?

Durch die Biogenesis-Übernahme haben wir neue Vermarktungskanäle und ein weltweites Vertriebsnetzwerk für unsere Antikörpertechnologie hinzugewonnen. Wir können dies nutzen, um die Vorteile unserer Technologie noch deutlicher zu vermarkten. Sie hat das Potenzial den Markt für Forschungsantikörper völlig umzukrempeln. Der Integrationsprozess macht gute Fortschritte und so soll diese Geschäftseinheit - also Antibodies by Design und Biogenesis - zu einer Plattform für weiteres Wachstum ab 2006 ausgebaut werden. Hier liegt sicherlich auch ein Schwerpunkt für weitere Investitionen.

Auf dem besten Weg

Für Morphosys ist nach dem erfolgreichen Jahr 2004 entscheidend, inwieweit neue Forschungsallianzen abgeschlossen werden können. Es ist davon auszugehen, dass aus den Kooperationen mit Novartis, Schering, Pfizer und Centocor weitere Antikörperprojekte resultieren, die bereits in diesem Jahr die Pipeline von Morphosys anschwellen lassen.Zusätzliche Fantasie beinhaltet das Forschungsprogramm MOR 202. Sobald die Martinsrieder hierfür einen Partner finden, dürfte die nächste Kursrakete zünden. Morphosys ist auf dem besten Weg, nachhaltig profitabel zu arbeiten. Anleger sollten sich daher von den kurzfristigen Kursrücksetzern nicht ins Bockshorn jagen lassen. Sobald sich charttechnisch eine Bodenbildung abzeichnet, ist der Wert ein Kauf.

Vielversprechende Pipeline

Morphosys

 

ISIN DE0006632003
Kurs am 14.04.2005 33,59€
Empfehlungskurs 32,50€
Ziel 60,00€
Stopp 26,00€
KGV 06e 34
Chance/Risiko 5/4

 

Das Interview führte Markus Horntrich.

Artikel aus DER AKTIONÄR (16/05)

 

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