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Watsch'n für den Chef

DaimlerChrysler hat auf der Hauptversammlung einen mäßigen Geschäftsausblick gegeben und dafür harsche Kritik einstecken müssen. Wie schon 2004 gingen die institutionellen Anleger vor allem mit Vorstandschef Jürgen Schrempp hart ins Gericht - unter dem Applaus der Kleinanleger.

DaimlerChrysler hat auf der Hauptversammlung einen mäßigen Geschäftsausblick gegeben und dafür harsche Kritik einstecken müssen. Wie schon 2004 gingen die institutionellen Anleger vor allem mit Vorstandschef Jürgen Schrempp hart ins Gericht - unter dem Applaus der Kleinanleger.

Von Martin Weiß

Die Vertreter wichtiger Fondsgesellschaften haben ihre harsche Vorjahreskritik an der Führungsleistung von DaimlerChrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp erneuert. Anlässlich der Jahreshauptversammlung des Stuttgarter Autobauers sagte Klaus Kaldemorgen, der Top-Manager der Fondsgesellschaft DWS, es scheine mittlerweile zur Unternehmenskultur zu gehören, schlechte Ergebnisse schön zu reden. Kaldemorgen hatte Schrempp bereits 2004 vorgeworfen, er reagiere auf die Probleme im Konzern zu langsam. Nachrichtenagenturen berichten, dass die Ausführungen Kaldemorgens permanent vom Applaus der anwesenden Kleinaktionäre begleitet wurden.

Vage Aussichten

Jürgen Schrempp muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sich unter seiner Leitung die Zahl der "Baustellen" drastisch erhöht hat. Vor allem der Rückruf von 1,2 Millionen Mercedes-Benz-Fahrzeugen vor wenigen Tagen trifft die Investoren und Fans der Marke voll ins Mark, weil damit wiederholt in kurzer Zeit die Nobelmarke selbst zum Opfer von Qualitätsproblemen geworden ist. Die an DaimlerChrysler ebenfalls beteiligte Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, warf dem Vorstand schwere Fehler beim Krisenmanagement vor. "Wer Premiumpreise verlangt, muss auch Premiumqualität liefern", sagte der Gesellschaftsvertreter Thomas Meier mit Blick auf die Pannenserie. Nicht zufrieden zeigte sich Union Investment auch mit der schwachen Kursentwicklung der Aktien und der Prognosesicherheit. Immer wieder hätten die Verantwortlichen die Voraussagen für das operative Geschäft nach unten revidiert. Den Ausblick für den Zeitraum von 2005 bis 2007 nannten die Profis "zu unbestimmt".

"Total inakzeptabel"

Jürgen Schrempp räumte die großen Probleme bei Mercedes Benz und smart ein und nannte die Entwicklung bei smart "total inakzeptabel". Um das angekratzte Image der Marke Mercedes Benz zu verbessern, müssten die Fehler schnell und kulant in Ordnung gebracht werden. Nach Einschätzung von Schrempp werden die negativen Folgen der Rückrufaktion und der smart-Sanierung den Konzern in den ersten beiden Quartalen belasten. Für die darauffolgende Zeit versprach Schrempp den Anlegern aber wieder bessere Ergebnisse. So räumte er der Verbesserung der Profitabilität höchste Priorität ein. Durch zahlreiche Maßnahmen will Schrempp die Nettokapitalrendite (Rendite auf das eingesetzte Kapitalvermögen) im Konzern bis 2010 auf zehn Prozent steigern.

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