Gazprom
- Thorsten Küfner - Redakteur

Was würde Kostolany jetzt kaufen? Gazprom, Deutsche Bank und Shell!

André Kostolany agierte zu Lebzeiten oftmals vollkommen anders als die breite Masse der Investoren – häufig mit Erfolg. Diese drei zuletzt gebeutelten Aktien wären in seinen Augen derzeit sicherlich sehr attraktiv.

Das Zitat „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ stammt zwar von Lord Rothschild, dennoch könnte man es auch André Kostolany zuschreiben. Sein langjähriger Weggefährte Gottfried Heller betont: „An der Börse verhielt er sich meist antizyklisch, will heißen, er machte das Gegenteil von dem, was die Masse machte.“ Dementsprechend würde sich Kostolany nun vor allem bei günstig bewerteten Aktien starker Unternehmen auf die Lauer legen, die zuletzt kaum ein Investor haben wollte.

Gazprom: Riskant, aber sehr günstig
Ganz offensichtlich ist natürlich die günstige Bewertung bei russischen Aktien – allen voran bei Gazprom. Die Anteile des weltgrößten Erdgasproduzenten notieren rund 70 Prozent unter dem Eigenkapital, das KGV für 2015 beläuft sich lediglich auf 3. Die Gründe hierfür sind die erheblichen Risiken, die mit einem Investment in russischen Aktien und dazu noch in ein halbstaatliches Unternehmen wie Gazprom einhergehen. Eine der größten Gefahren ist natürlich der Verfall des Rubel, der sich kürzlich gegenüber dem Euro fast halbiert hat. Dadurch verloren auch die in Euro gehandelten Gazprom-Titel erheblich an Wert, obwohl sich der Kurs an der Moskauer Heimatbörse kaum bewegte.
Dennoch würde Kostolany als Antizykliker bei einer so günstigen Bewertung wahrscheinlich Gazprom kaufen, meint Gottfried Heller. Schließlich ist das Unternehmen trotz aller Probleme hochprofitabel. Die Aussichten sind dank der hohen Reserven, des 30-jährigen Liefervertrages mit China und der Tatsache, dass Europa wohl noch lange von russischem Gas abhängig sein wird, weiterhin gut.

Shell: Die Dividendenperle
Ohnehin war der Energiesektor 2014 eine wahrlich gebeutelte Branche. Der vor allem in der zweiten Jahreshälfte rapide gesunkene Ölpreis belastete auch die Aktie von Royal Dutch Shell, dem weltweit zweitgrößten Energieunternehmen, erheblich. Die Probleme liegen auf der Hand: Mit jedem Dollar, den sich ein Barrel Erdöl verbilligt, schrumpft die Gewinnmarge überproportional. Allerdings wäre der britisch-niederländische Mischkonzern auch bei Ölpreisen von weniger als 50 Dollar noch in der Lage, hochprofitabel zu wirtschaften. Der Energieriese verfügt nämlich über eine Vielzahl an Öl- und Gasquellen, die sich sehr günstig ausbeuten lassen – schließlich wurden viele Vorkommen noch in Zeiten von Ölpreisen weit unter 30 Dollar in Betrieb genommen.
Royal Dutch Shell besitzt zudem Ölquellen, die es erlauben würden, das aktuelle Produktionsniveau von mehr als drei Millionen Barrel Öläquivalente pro Tag noch über rund zwölf Jahre aufrechtzuerhalten, ohne weitere Vorkommen zu entdecken. Im Jahre 2013 lag zudem das für die Ölfirmen wichtige Reserve-Replacement-Ratio bei starken 131 Prozent. Shell hatte also erneut wesentlich mehr neue Reserven entdeckt als ausgebeutet.
Zudem sollte der Ölpreis nun auf einem Niveau angekommen sein, bei dem sich das Überangebot an Erdöl bald wieder reduzieren dürfte. Schließlich liegen die Kosten für die Ölgewinnung durch das umstrittene Fracking bei 50 bis teilweise fast 80 Dollar. Auf dem aktuellen Kursniveau dürfte es sich also nur noch für sehr wenige Betreiber lohnen, neue Bohrungen durchzuführen. Auch einige Tiefsee- oder Ölsandprojekte dürften auf den Prüfstand gestellt werden, sodass der Ölpreis nicht mehr allzu viel Luft nach unten haben sollte.
Kein Wunder also, dass Kostolany laut Heller wohl bei den Anteilen von Royal Dutch Shell zugreifen würde (siehe Interview in Ausgabe 03/15).

Deutsche Bank: Hoffen auf die Wende
Wie Shell zählte auch die Aktie der Deutschen Bank 2014 zu den Verlierern. Hier sind die Probleme allerdings weitgehend hausgemacht. Immer wieder wurde der Aktienkurs der größten deutschen Privatbank durch Rechtsstreitigkeiten sowie damit einhergehende Prozesskosten und Strafzahlungen belastet. Auch die Quartalsergebnisse litten ständig unter diesen Sondereffekten, die 2014 leider fast schon zu einem festen Bestandteil in der Berichterstattung des DAX-Konzerns zählten. In diesem Jahr soll es aber nun endlich besser werden. Zwar dürften Rechtskosten weiterhin belasten, aber wohl eher in einem geringeren Ausmaß als im Vorjahr.
Wie das Manager Magazin in seiner Januar-Ausgabe berichtete, will Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, spätestens bis Mai eine neue Strategie vom Vorstand vorgelegt bekommen. Achleitner wolle konkrete Zeitpläne und feste Finanzziele sehen. Dabei dürfe es keine Denkverbote geben. Alles beim Alten zu belassen sei „keine Option“. So sei offenbar selbst ein Verkauf der Postbank nicht mehr ausgeschlossen. Die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen müssen 2015 liefern und eine klare Strategie für die Zukunft vorlegen. Dies könnte der gebeutelten Aktie womöglich endlich zum lange ersehnten Turn­around verhelfen.
Die Deutsche Bank hat 2015 in jedem Fall das Potenzial, positiv zu überraschen. Angesichts der im Branchenvergleich niedrigen Bewertung (KGV von 11 und ein KBV von 0,5) hat die Aktie noch jede Menge Luft nach oben. Wenig verwunderlich, dass der ehemalige Kostolany-Weggefährte Holger Schmitz erklärt: „Ich denke, dass er ein paar riskante Wetten einginge. Zum Beispiel würde er eine UBS, eine Deutsche Bank und eine Commerzbank kaufen.“

Dieser Text erschien im Rahmen der Titelstory der Ausgabe 03/2015 „So würde Kostolany heute handeln“. Hier bequem als ePaper erhältlich.

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