DAX
- Norbert Sesselmann - Redakteur

Warren Buffett: „Aktien sind günstig“

Die Anleger lieben Warren Buffett für seine einfachen Worte. In einem Interview mit dem US-Wirtschaftssender CNBC rät die Investorenlegende zum Einstieg in Aktien – trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten. Übrigens: Staatsanleihen hält der 82-Jährige für das dümmste Investment.

Als die Investorenlegende zu Wochenbeginn beim US-Wirtschaftssender CNBC vor der Kamera steht, geht es natürlich auch um die US-Aktienmärkte, die auf Rekordstände zulaufen. "Macht Sie das nervös?" will Moderatorin Becky Quick vom Altmeister wissen. Klar sei es ihm lieber, etwas für 80 Dollar zu kaufen als für 100 Dollar, entgegnet Buffett. "Aber wenn Sie mich fragen, ob Aktien günstiger sind als andere Formen der Geldanlage, dann ist die Antwort aus meiner Sicht ja."

US-Aktien begehrt

Es ist eine simple Erklärung für das, was am Dienstag an der Wall Street passiert ist: Der US-Börsenindex Dow Jones, in dem 30 der größten Konzerne des Landes versammelt sind, erreicht ein neues Allzeithoch. Dabei ist in Europa die Schuldenkrise noch längst nicht ausgestanden. Und in Washington können sich die Parteien auf keinen Haushaltskompromiss einigen, weshalb im öffentlichen Dienst nun großflächig gespart werden muss. Das ist eigentlich keine ideale Mischung für neue Börsenrekorde. Doch die Anleger scheinen die Risiken auszublenden und kaufen auch an diesem Morgen in New York wie verrückt Anteilsscheine an US-Firmen.

Kein Farmland, keine Staatsanleihen

Sicherlich, sagt Buffett, Aktien seien nicht mehr so günstig zu haben wie vor vier Jahren, als der Dow Jones in der Wirtschaftskrise gerade mal halb so hoch stand wie derzeit. Für den deutschen Leitindex DAX gilt im Grunde das gleiche. Aber verglichen mit anderen Anlageformen "bekommst Du mehr fürs Geld", begründet der 82-Jährige seine Vorliebe für Aktien. Er rät den Zuschauern deshalb, weder Farmland zu kaufen noch bei einer Immobiliengesellschaft einzusteigen. "Das dümmste Investment, aus meiner Sicht, ist eine lang laufende Staatsanleihe."

Keine Alternativen

Was Buffett klarmacht: Es fehlt Anlegern schlicht an Alternativen. Weil die Notenbanken rund um den Globus die Zinssätze nahe Null gedrückt haben, wirft das Sparbuch schon lange nichts mehr ab. Auch Anleihen, mit denen Unternehmen oder Staaten am Kapitalmarkt frisches Geld aufnehmen, versprechen den Investoren nur noch mickrige Erträge. Dann lieber Aktien - trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, vor denen auch amerikanische Konzernchefs immer wieder warnen.

Rekordgewinne bei US-Konzernen

In den Geschäftszahlen spiegelt sich diese Unsicherheit aber nur bedingt. Im Gegenteil: Große US-Konzerne haben im vergangenen Jahr reihenweise Rekordgewinne eingefahren. "Viele Unternehmen in den USA verfügen über eine starke Bilanz", sagt Stephen Thornber vom Vermögensverwalter Threadneedle. Das liegt zum einen daran, dass die Nachfrage angezogen hat (bestes Beispiel ist die US-Autoindustrie), zum anderen aber auch an den Einsparungen der Konzerne während der Wirtschaftskrise, die sich heute auszahlen. Hohe Gewinne wiederum machen die Aktien attraktiv.

Es dürfte weiter nach oben gehen

Dass die US-Wirtschaft sich in nächster Zeit merklich abkühlt, gilt trotz des Hickhacks in Washington als eher unwahrscheinlich - vor allem weil die Notenbank Fed mit ihrer lockeren Geldpolitik die Märkte regelrecht aufputscht. "Die Federal Reserve wird alles in ihrer Macht stehende tun, um die Erholung zu unterstützen", hatte ihr Chef Ben Bernanke im März 2009 versprochen. Es sei sicherlich kein Zufall gewesen, dass die Kurse nach dieser Aussage wieder gestiegen seien, merkte die New York Times am Dienstag an.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

Der Tag danach - DAX noch immer in der Warteschleife

Die Europäische Zentralbank ist am Vortag den Erwartungen des Marktes gerecht geworden und hat die Leitzinsen bei Null belassen. Ferner wurde der Ausstieg aus dem milliardenschweren Anleihenkaufprogramm bestätigt. Der Markt hat (noch) nicht auf die an sich positiven Nachrichten reagiert. Trotzdem … mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

DAX: Anleger, was wollt Ihr mehr?

Die Europäische Zentralbank reduziert wie erwartet das Volumen ihrer milliardenschweren Anleihekäufe. Auch bleibt bei den Zinsen alles beim Alten. Der DAX reagiert kaum auf die Entscheidung des EZB-Rates. Die Bodenbildungsphase im Bereich von 12.000 Punkten setzt sich fort. mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

Wichtig! EZB-Entscheidung könnte DAX befreien

In knapp zwei Stunden wird die Europäische Zentralbank ihre neueste Zinsentscheidung verkünden. Experten erwarten, dass Mario Draghi und dessen Kollegen an diesem Donnerstag den nächsten Schritt zur Normalisierung ihrer Geldpolitik gehen werden. Die Phase ultraniedriger Zinsen dürfte … mehr