- Martin Weiß - Leitender Redakteur

Wall Street: Am 31. Dezember läuft die Zeit ab

Die amerikanischen Börsen dürften am Donnerstag etwas fester in den Handel starten, nachdem sie am Vortag leichte Verluste erlitten. Beherrschendes Thema in den US-Medien bleibt die drohende Fiskalklippe, auf die Amerika scheinbar unaufhaltsam zusteuert. Kann Präsident Obama das Steuer rechtzeitig herumreißen?

Die USA steuern im Haushaltsstreit immer weiter auf die sogenannte Fiskalklippe zu. US-Präsident Barack Obama hat seinen Weihnachtsurlaub auf Hawaii abgebrochen, um am Donnerstag in Washington in das Tauziehen mit den Republikanern einzugreifen. Gelingt bis zur Silvesternacht in den Bemühungen um ein Programm zum Defizitabbau kein Kompromiss, droht der Sturz von der "Fiskalklippe". Auf die Amerikaner kämen dann vom 1. Januar an Steuererhöhungen und automatische massive Ausgabenkürzungen zu. Experten warnen vor einer neuen US-Rezession und schweren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Kein schneller Durchbruch erwartet

Viel Bewegung wurde am Donnerstag nicht erwartet, da Obama erst im Laufe des Tages nach einem längeren Flug in Washington erwartet wurde. Und der Senat wollte erst am Abend (Ortszeit) zusammentreten, berichtete die Washington Post.

Frühe Indikationen deuten am Donnerstag dennoch auf eine behauptete Eröffnungstendenz an den New Yorker Börsen hin. Der Dow Jones Index schloss zur Wochenmitte bei 13.114 Punkten 0,2 Prozent leichter. Beobachter verwiesen auf die kurze Handelswoche und die vielen - feiertagsbedingt - leerstehenden Schreibtische in den Handelsabteilungen.

Die Uhr tickt

Zusätzliche Komplikationen könnte es dadurch geben, dass die USA ausgerechnet am Jahresende erneut ihr Schuldenlimit erreichen. Finanzminister Timothy Geithner teilte am Mittwoch dem Kongress mit, dass der derzeitige Rahmen von 16,4 Billionen Dollar (12,4 Billionen Euro) am 31. Dezember ausgeschöpft sei. Zwar will Geithner nach eigenen Angaben durch Etat-Umschichtungen etwas zeitlichen Spielraum gewinnen, aber er machte zugleich deutlich, dass auch hier die Uhr tickt - sonst können die USA spätestens in zwei Monaten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Der US-Nachrichtensender CNN sieht das Tauziehen indes gelassen und meint, dass spätestens in zehn Tagen - aber nicht unbedingt vor dem Stichtag 1. Januar" - eine Einigung wahrscheinlich sei. Dann aber würden in der Einigung Punkte aus Vorschlägen stehen, die bisher von den Republikanern in den vergangenen zwei Jahren abgelehnt wurden. "Hier geht es nur um politische Punkte", zitiert CNN die republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen, die das politische Ringen um einen Kompromiss definiert. "Ich weiß, dass das amerikanische Volk von uns schon genug hat."

Scheitern der 'wahrscheinlichste Ausgang'

Obama und die Senatoren hätten "einen letzten Versuch", schrieb die "Washington Post" am Donnerstag. Allerdings meinte das Blatt unter Berufung auf Mitarbeiter beider Parteien, dass ein Scheitern "nicht nur eine Möglichkeit, sondern der wahrscheinlichste Ausgang" sei.

Hauptstreitpunkt sind Steuererhöhungen für die Reicheren. Obama will, dass Haushalte mit einem Jahreseinkommen ab 250 000 Dollar (knapp 190 000 Euro), zumindest aber ab 400 000 Dollar künftig stärker zur Kasse gebeten werden. Steuererleichterungen für die Mittelschicht will er dagegen beibehalten.

(dpa-AFX)

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