Wacker Chemie
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Wacker Chemie: 80 Prozent Gewinneinbruch wegen Solarkrise

Die Krise im Solarsektor macht sich immer mehr bemerkbar. Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie meldete einen deutlichen Gewinneinbruch. Investitionen in Siliziumfabriken werden verschoben.

Auch am Mittwoch eröffnet das Papier der Wacker Chemie AG im Minus. Grund sind enttäuschende Zahlen für das dritte Quartal. "Anhaltender Preisdruck, hohe Lagerbestände, die schwierige finanzielle Situation vieler Marktteilnehmer und die Anti-Dumping-Klagen gegen chinesische Solarhersteller kennzeichnen derzeit unser Polysiliziumgeschäft", so Konzernchef Rudolf Staudigl. Das schlägt sich auch auf das Konzernergebnis nieder. Schließlich ist das Geschäft mit Solarsilizium immer noch für 40 Prozent der Gewinne verantwortlich.

Insgesamt erzielte der Wacker-Konzern im dritte Quartal 2012 ein EBITDA in Höhe von 204 Millionen Euro, das sind 36 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie rutschte sogar um 80 Prozent von 2,50 Euro im Vorjahr auf nur noch 0,50 Euro. Entsprechend schwach fällt auch der neue Ausblick aus: Bisher wurde für das Gesamtjahr 2012 ein Konzernumsatz "leicht unterhalb des Vorjahres" erwartet. Nun wurde Wacker Chemie deutlicher. Für das Gesamtjahr 2012 sieht der Konzern nur noch einen Konzernumsatz zwischen 4,6 und 4,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr wurden noch 4,9 Milliarden Euro erzielt.

Schwache Jahresprognose

In der Ergebnisentwicklung würden insbesondere die geringeren Abnahmepreise für Solarsilizium zu Buche schlagen. Deshalb werde das EBITDA bei etwa 750 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: 2012 lag das EBITDA noch bei 1.104 Millionen Euro.

Wacker Chemie hatte bereits für 650 Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Jetzt gibt es weitere Maßnahmen. Der Aufbau der Polysiliziumproduktion am US-Standort Charleston soll zeitlich gestreckt und erst 18 Monate später Mitte 2015 vollendet werden.

Auch die Bilanz spiegelt das schwierigere Marktumfeld wider. Die Finanzverbindlichkeiten haben sich innerhalb eines Jahres von 0,6 auf 1,2 Milliarden verdoppelt. Die Eigenkapitalquote ist mit 40 Prozent jedoch weiterhin stark.

KGV deutlich gestiegen

Die Aktie war "Short der Woche" in der AKTIONÄR-Ausgabe 31/2012. Mit dem Unterschreiten der 50-Euro-Marke wurde ein deutliches Verkaufssignal ausgebildet. Auch fundamental scheint der Boden noch nicht gefunden. Da Analysten in den letzten Tagen ihre Gewinnschätzungen deutlich korrigiert haben, liegt das 2013er-KGV mittlerweile bei hohen 18.

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