LEICA CAMERA AG
- DER AKTIONÄR

Wachstum im Fokus

Nur wenige Märkte haben sich in den vergangenen Jahren derart verändert wie der Fotomarkt. Die Digitalfotografie hat die Analogtechnik so gut wie verdrängt. Nach Schätzungen des deutschen Branchenverbands werden dieses Jahr nur noch 500.000 Analogkameras verkauft, dafür über 7,5 Millionen Digitalkameras. Dieser Trend hätte der deutschen Traditionsfirma Leica Camera fast die Existenz gekostet.

Nach der Sanierung kann der Kamerahersteller Leica wieder an Wachstum denken. Eine Turnaroundstory mit Tradition.

Nur wenige Märkte haben sich in den vergangenen Jahren derart verändert wie der Fotomarkt. Die Digitalfotografie hat die Analogtechnik so gut wie verdrängt. Nach Schätzungen des deutschen Branchenverbands werden dieses Jahr nur noch 500.000 Analogkameras verkauft, dafür über 7,5 Millionen Digitalkameras. Dieser Trend hätte der deutschen Traditionsfirma Leica Camera fast die Existenz gekostet, da das mittlerweile ausgetauschte Management zu lange an der analogen Technik festgehalten hatte.

Pleite abgewendet

Vor rund eineinhalb Jahren drohte dem Spezialisten für Fotokameras, Optiken und Ferngläsern die Insolvenz, nachdem Verluste von über der Hälfte des Grundkapitals angehäuft wurden. Ein Teil der finanzierenden Banken hatte daraufhin die Kreditlinien gekündigt. Eine Brückenfinanzierung sicherte dann kurzfristig den Fortbestand, bevor das Traditionsunternehmen durch einen Kapitalschnitt und anschließende Kapitalerhöhung über 20 Millionen Euro wieder handlungsfähig wurde.

Produktoffensive

Nach der Refinanzierung konnte Leica die technischen Hürden bei der Umstellung ihrer Produkte auf die digitale Technik angehen. Dabei behilflich war unter anderem die Partnerschaft mit Panasonic, die erst kürzlich verlängert wurde. Mittlerweile ist die Phase der Restrukturierung – vor allem in technischer Hinsicht – weitgehend abgeschlossen, so Unternehmenssprecher Gero Furchheim gegenüber dem AKTIONÄR. Mit einer zur Photokina vorgestellten umfangreichen Produktpalette und einer neuen Unternehmensführung will das Unternehmen nun wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Erste Erfolge zeigten sich bereits im Geschäftsjahr 2005/06 (zum 31. März). Der Umsatz kletterte um knapp 16 Prozent auf 106 Millionen Euro, wobei operativ ein Minus von 6,2 Millionen Euro erwirtschaftet wurde – bedingt durch einmalige Restrukturierungsaufwendungen von 6,8 Millionen Euro. Im laufenden Jahr ist ein Umsatzanstieg auf 122 Millionen Euro möglich, wobei netto bedingt durch ein negatives Finanzergebnis noch ein Minus stehen dürfte. Die endgültige Rückkehr in die schwarzen Zahlen sollte im nächsten Jahr gelingen.

Tradition fürs Depot

Mit der Aktie des 1896 gegründeten Unternehmens holen sich Anleger ein Stück deutscher Tradition mit Turnaroundfantasie ins Depot. Gelingt durch die Produktoffensive die Sanierung, winken für die Leica-Aktionäre endlich wieder Kursgewinne, zumal durch den mit 88 Prozent beteiligten Großaktionär ACM auch ein Schuss Abfindungsfantasie in dem Wert steckt. Falls sich jedoch die Kunden von der Mischung aus Tradition und moderner Digitaltechnik nicht überzeugen lassen, könnten sich bei Leica auch endgültig die Linsen trüben.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 42/2006.

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