Volkswagen Vz.
- Jochen Kauper - Redakteur

VW-Aktie: Verhagelt das schleppende Wachstum in China die Halbjahresbilanz?

Am 29. Juli legt Volkswagen seine finanzielle Halbjahresbilanz vor. Nach Jahren der ungebremsten Rekordfahrt steht beim Volkswagen-Konzern ein kleiner Richtungswechsel an. Nachdem die Auslieferungen wegen Rückgängen im April und Mai auf Fünfmonatssicht bereits nur noch stagniert hatten, zog nun ein spürbares Juni-Minus von 4,3 Prozent Europas größten Autobauer nach sechs Monaten auf Talfahrt: Per Juni liegen die Verkäufe des Zwölf-Marken-Konzerns im Vergleich mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 0,5 Prozent im Minus. Das teilten die Wolfsburger am späten Freitagabend nach Börsenschluss mit.

Nachlassendes Tempo
Per Mai stand bereits nur noch ein Miniwachstum (plus 0,3 Prozent) in der globalen Auslieferungsbilanz. Der April hatte 1,3 Prozent Minus ergeben, im Mai wuchs der Rückgang auf 2,6 Prozent an. Nun folgte zur Halbzeit 2015 mit den gut 4 Prozent ein noch dickeres Juni-Minus. Mit dem Bruch reißt bei Volkswagen eine rund fünfeinhalb Jahre lange Erfolgsgeschichte ab. Vor dem aktuellen Minus diesen Frühling hatte es zuletzt Ende 2009 Verluste gegeben. Die Gründe sind bekannt: Vor allem das fehlende Tempo in China und teils dramatische Einbrüche auf anderen Märkten würgen derzeit den jahrelangen Absatz-Höhenflug ab, mit dem Volkswagen den Konkurrenten General Motors überholte und 2014 nah an den Weltmarktführer Toyota heranrückte.

Zweistelliges Minus

"Angespannt bleibt neben Südamerika und Russland auch die Entwicklung in China. (...) Diesen aktuellen Marktveränderungen konnte sich vor allem die Marke Volkswagen-Pkw als Marktführer nicht entziehen", sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler zur Begründung der Zahlen. Denn Europas Branchenprimus fand auch mit seiner Pkw-Kernmarke keinen Ausweg aus der Talfahrt. Im Juni sank die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat fast zweistellig um 8,6 Prozent auf 470.700 Stück. Die Hausmarke VW-Pkw rund um Golf und Passat steckt damit nunmehr schon seit neun Monaten in Folge im Rückwärtsgang. Zum Halbjahr 2015 steht ein Minus von 3,9 Prozent (per Mai minus 3,0 und per April minus 2,2 Prozent).

Wie geht es in China weiter

China ist der wichtigste Markt für den VW-Konzern und vor allem für die Kernmarke VW-Pkw. Konzernweit steht das Reich der Mitte per Juni bei minus 3,9 Prozent, für VW-Pkw sind es minus 6,7 Prozent. Branchenexperte Stefan Bratzel hatte mit Blick auf China der dpa vor wenigen Tagen gesagt: "Es herrscht dort im Moment eine gewisse Ratlosigkeit. Die Frage ist, ob die Verkaufsrückgänge nur eine vorübergehende Delle sind oder ob sich das länger zieht." Für den gesamten VW-Konzern entfällt gut ein Drittel des Absatzes auf China.

Wird China zum Problem für VW?

Das Wachstum auf Chinas Automarkt hat sich unerwartet stark verlangsamt. Die Vereinigung der chinesischen Autohersteller (CAAM) schraubte ihre Vorhersage für den Absatz auf dem weltgrößten Fahrzeugmarkt in diesem Jahr von bisher sieben auf nur noch drei Prozent herunter, wie ihr Generalsekretär Dong Yang der Deutschen Presse-Agentur in Peking sagte. Der langsamere Absatz von Autos, Bussen und Lastwagen wird die deutschen Autohersteller wegen ihrer großen Marktanteile im Reich der Mitte besonders stark treffen. 

VW wäre als Massenhersteller von einem langsameren Wachstum in China besonders stark betroffen. Knapp 37 Prozent aller Autos verkauft VW mittlerweile in China. Weitaus mehr als alle anderen Autobauer. Besonders brisant ist die Tatsache, dass China zuletzt knapp 60 Prozent der Gewinne zum VW-Konzern beisteuerte.

Abwarten   

DER AKTIONÄR sah zuletzt Daimler und VW auf der Kaufliste. Daimler liegt gut in der Spur und konnte in China zuletzt sogar zulegen. VW wird aufgrund der China-Problematik auf halten gesetzt. Das Papier sollte allerdings im Bereich von 195 Euro einen Boden finden. Hier liegen mehrere starke Unterstützungen. Ein Kaufsignal ergibt sich erst mit Überwinden der oberen Begrenzung des Abwärtstrendkanals bei 208 Euro.

 (Mit Material von dpa-AFX).

 

 

 

 

 


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