Volkswagen Vz.
- Jochen Kauper - Redakteur

VW: Nach Rücktritt von US-Chef Horn laufen Händler Sturm – Aktie verkaufen?

Es war einmal mehr eine turbulente Woche für Volkswagen. Rücktritt des US-Chefs Michael Horn, Diskussionen über einen Stellenabbau und ein erneuter Schwächeanfall der Aktie von 117 bis auf 109 Euro. Nach dem Rücktritt von US-Chef Michael Horn inmitten der Abgas-Affäre bringt sich der eigene Vertrieb gegen Volkswagen in Stellung. Der US-Verband der VW-Händler droht dem Konzern mit Konsequenzen. "Wir sind beunruhigt angesichts des Missmanagements des Skandals und den Folgen, die dies für die Entscheidungen der US-Behörden haben könnte", teilte die Händler-Vereinigung am Freitag mit.



Horn tritt zurück

Der Wechsel an der Spitze der US-Tochter Volkswagen of America könne das Unternehmen nur noch tiefer in die Bredouille bringen, heißt es in der Mitteilung. Es sei Horn gewesen, der nach Ausbruch der Krise Haltung gezeigt und Fehler eingeräumt habe, als sich keine Führungskräfte der Volkswagen AG in den USA hätten blicken lassen. Horn war am Vortag ohne Angabe von Gründen zurückgetreten. Der Zeitpunkt - knapp ein halbes Jahr, nachdem die Affäre um manipulierte Emissionswerte Hunderttausender Diesel-Wagen in den USA ihren Lauf nahm - überraschte selbst Aufsichtsratskreise. "Wir sind sehr besorgt über den Kurs der Volkswagen AG", erklärte die Händler-Vereinigung.
Der Diesel-Skandal habe die Verkäufe und den Ruf in den USA mehr beschädigt als in jedem anderen Markt. Ein Ende der Krise sei nicht in Sicht und durch den Abgang von Horn werde sich das Verhältnis von Volkswagen zu den Händlern und den US-Behörden weiter verschlechtern.

Keine Garantie

Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag) erhöhte der Vorsitzende des Händler-Verbands, Alan Brown, den Druck auf Volkswagen noch. "Wenn die VW-Führung in Wolfsburg nicht umgehend bestätigt, dass alle Zusagen, die Horn uns gemacht hat, eingehalten werden, dann kann ich für nichts mehr garantieren", sagte Brown.
Er deutete an, dass sich die selbständigen Autohausbesitzer in diesem Fall gegen den Konzern wenden und ihrerseits auf Schadenersatz klagen könnten. Damit wäre für VW das Desaster in den USA perfekt. "Dann herrscht Chaos", so der Verbandschef, der am Sonntagabend zu Gesprächen mit der VW-Führung nach Deutschland reisen wird.

 

Abwarten?

Und was macht die Aktie? Nach einem erneuten Erholungsversuch bis auf 117 Euro machte legte das VW-Papier erneut den Rückwärtsgang ein. Zum ende der Handelswoche notierte die Aktie bei knapp110 Euro. Klar prallen die negativen Nachrichten nicht völlig an der Aktie ab, dennoch ist kein großer Abgabedruck mehr zu spüren. Insgesamt sind die Risiken für den Konzern derzeit noch immer kaum abzuschätzen. Entsprechend Anleger agieren. Eine Position als Depotbeimischung ist aber vertretbar. Auf Sicht von 12 bis 24 Monaten überwiegen eher die Chancen als die Risiken.

(Mit Material von dpa-AFX).

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