Vtion Wireless
- Werner Sperber - Redakteur

Vtion als "kleine Apple"

Wer in der Volksrepublik China in das Internet will, brauchte bislang Mobilfunk-Datenkarten. Ein Viertel davon lieferte Vtion Wireless Technology. Die großen drei Netzbetreiber, China Mobile, China Telecom und China Unicom, wollen nun aber Smartphones und Tablet-PCs verkaufen und die brauchen keine Datenkarten mehr. Vtion stellt sich darauf ein und IR-Leiter Drew Burns nimmt im Gespräch mit dem AKTIONÄR Stellung zum Stand der Dinge.

"Dummes deutsches Geld", nennen die Einen das investierte Kapital, welches Anleger beim Börsengang von Vtion Wireless Technology am 1. Oktober 2009 ausgegeben haben. Damals kostete die Aktie 10,75 Euro und im Hoch im vergangenen April rund 12,50 Euro. "Das wird schon wieder, die Aktie ist unterbewertet", machen sie die Anderen Mut, die im März dieses Jahres gerade einmal gut drei Euro je Aktie bekommen hätten. Die Frage ist, was wird wieder? Vtion Wireless Technology AG ist die in Deutschland börsennotierte Holdinggesellschaft der auf den Britischen Jungferninseln ansässigen Vtion Technology (China) ltd. und deren beiden in der Volksrepublik China operativ tätigen Tochterfirmen Vtion Information Technology (Fujian) ltd. und Vtion Software (Fujian) ltd. Da es in China drei verschiedene Mobilfunkstandards gibt, benötigt jeder, der ins Internet gehen will, entsprechende sogenannte Datenkarten. Smartphones und Tablet-PCs brauchen diese Karten jedoch nicht mehr. China Mobile, China Telecom und China Unicom kaufen 80 Prozent der hergestellten Karten. Vtion ist mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent unter den großen drei Herstellern: Huwei, ZTE und Vtion. Die Mobilfunk-Konzerne drückten nach Angaben von Vtion jüngst die Preise für die Karten und zudem wollen sie Smartphones und Tablet-PCs verkaufen. Die Gewinnspanne sinkt und der Markt bricht weg. Drew Burns, Finanzkommunikation von Vtion Wireless Technology, erklärt im Gespräch mit dem AKTIONÄR die Lage in den Bemühungen um ein wirtschaftliches Fortbestehen.

Nischenprodukt PCtoTV

Bislang besteht das Sortiment von Vtion Wireless Technology aus Modems, Datenkarten, einem 3G-Router (Netzwerkgerät der dritten Generation, welches Rechnernetze koppelt oder trennt) und einem E-Book-Reader (ein für die Darstellung elektronisch gespeicherter Buchinhalte, sogenannter E-Books, eingerichtetes tragbares Gerät). Nach Angaben von Burns genügen die Datenkarten den Qualitätsansprüchen der Netzwerkbetreiber vollauf. Allerdings haben diese Kunden Vtion darum gebeten, den monatlichen Ausweis der Menge und des Preises der abgesetzten Karten zu beenden, um den jeweiligen Konkurrenten keinen Einblick in die eigenen Kauf-Modalitäten zu ermöglichen. Ab übermorgen, 1. April, fügt Vtion ein neues Produkt hinzu: PCtoTV. Dieses mobile Terminal ist von Vtion und einem Fremdanbieter entwickelt worden und wird von diesem Fremdanbieter produziert. PCtoTV erhält vom Computer oder Notebook (in einer späteren Version laut Drew Burns auch von Smartphones oder Tablet-PCs) ein Funksignal und überträgt dieses über ein HDMI-Kabel an einen Standard-HDTV-Monitor, auf dem das Videosignal abgespielt werden kann. Vtion zielt damit auf den Privatkunden, vor allem aber auf Schulungsveranstalter oder Anbieter von Videokonferenzen ab.

Noch ein Tablet-PC-Anbieter

Im zweiten Halbjahr möchte Vtion verschiedene Dienstleistungen über Apps (Applications, Anwendungsprogramme) anbieten, welche bislang nur für zahlende Kundengruppen zugänglich waren. Zudem soll dann auch der eigene Tablet-PC (tragbarer, stiftbedienbarer Computer) auf den Markt kommen, den auch eine Fremdfirma mitentwickelt, welche bereits Tablet-PCs baut. Burns erklärt, diese Tablet-PCs, ähnlich dem iPad von Apple, werden an den speziellen Bedarf von Firmen angepasst. Minengesellschaften haben beispielsweise andere Anforderungen an die Hardware als Versicherungsgesellschaften. Auch die Software wird dem Kunden angepasst. Paketangebote mit den Netzwerkbetreibern sollen dafür sorgen, dass die Komplettlösung von Vtion verkauft wird. Burns zufolge verhandelt Firmengründer, 49,9-Prozent-Aktionär und Vorstandsvorsitzender Guoping Chen darüber derzeit mit den Netzwerkbetreibern. Burns sagt weiter: "Mit den neuen Produkten, welche über den Einzelhandel vertrieben werden, möchte sich Vtion von der Abhängigkeit von den drei wichtigen Kunden lösen."

Bargeldbestand 5,23 Euro je Aktie

Natürlich kosten neue Produkte Geld, denn sie müssen erst entwickelt werden. Burns versichert jedoch, Vtion werde im laufenden Jahr nicht mehr oder nicht viel mehr Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben als im Jahr 2010. Ausschlaggebend dafür seien die Ausgaben für die Softwareentwicklung. Der Bestand an flüssigen Mitteln, welcher zum 30. September 2010 rund 83,6 Millionen Euro (5,23 Euro je Aktie) betragen hat, dürfte im vierten Quartal 2010 wohl stabil geblieben sein. Bezüglich des genehmigten Aktienrückkaufs sagte der IR-Manager: "Zur richtigen Zeit und zum Vorteil unserer Aktionäre werden wir darüber nachdenken."

Vorsätzlich Vertrauen verschenken?

Zum Vorteil der Kunden hätte der Vorstand bereits viel früher auf den sich abzeichnenden Markteinbruch reagieren müssen. Das Management hat mit seiner Vorgehensweise, auch bezüglich der Aktionärsstruktur, und seiner Kommunikation viele Anleger verschreckt und verärgert. Das "Prinzip Hoffnung" funktioniert aber nur, wenn die Investoren Vertrauen in den Vorstand haben. Auch wenn PCtoTV und Tablet-PC erfolgreich werden, sind die einstigen Gewinnspannen nur mehr Historie. Die beiden Analysten, welche Vtion noch beobachten, sind sich für den Gewinn je Aktie im vergangenen Jahr noch ziemlich einig, sie schätzen ihn auf 1,13 Euro beziehungsweise 1,25 Euro. Für das Jahr 2011 gehen sie aber nur mehr von 0,27 Euro beziehungsweise 0,47 Euro aus. Für das Jahr 2012 ist keine Besserung in Sicht, das Ergebnis pro Anteilschein soll demnach 0,28 respektive 0,49 Euro betragen. Ausschließlich mutige Anleger, welche dem Vorstand vertrauen wollen, können bei rund 3,50 Euro einsteigen und auf Kurse von annähernd fünf Euro hoffen. Der Stoppkurs sollte bei 2,90 Euro gesetzt werden.

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