Vtion Wireless
- Werner Sperber - Redakteur

Vtion: Meldung und Wirklichkeit

Vtion Wireless Technology legt sehr gute Zahlen für das abgelaufene Jahr vor und der Aktienkurs steigt entsprechend sehr gut. Es scheint, als sei es vergessen, dass die Perspektiven des Unternehmens eher verhalten sind. Das Management stellt das anders dar. IR-Leiter Drew Burns nimmt im Gespräch mit dem AKTIONÄR zu Widersprüchen und Aussichten Stellung.

Die Ergebnisse von Vtion Wireless Technology für das Jahr 2010 sind veröffentlicht und sie sind weit besser ausgefallen als von den Analysten geschätzt. Der Umsatz stieg um 50,3 Prozent auf 101,7 Millionen Euro. Obwohl der Rohertrag um 65,2 Prozent zulegte, verbesserte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) nur um 37,7 Prozent auf 26 Millionen Euro. Aufgrund höherer Steuern stieg der Gewinn um 32,8 Prozent auf knapp 22 Millionen Euro. Der Ertrag je Aktie legte lediglich um 5,3 Prozent auf 1,38 Euro zu. Nach Wechselkurseffekten verbesserte sich das Nettoergebnis um 117,3 Prozent auf 33,4 Millionen Euro. Analysten hatten den Gewinn je Aktie nur auf höchstens 1,25 Euro geschätzt. Die Anleger bejubeln die Zahlen für die abgeschlossene Vergangenheit mit einem prozentual zweistelligen Kursplus. Dabei scheinen sie zu vergessen, dass Vtion schon jetzt und auch zukünftig der Kernmarkt und die Margen wegbrechen, denn der Verkauf von Datenkarten ist für Smartphones und Tablet-PCs unnötig und die Mobilfunkanbieter zahlen nicht mehr so viel für diese Karten von Vtion. Drew Burns, Finanzkommunikation von Vtion, nimmt im Gespräch mit dem AKTIONÄR auch Stellung zu missverständlichen Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden Guoping Chen, die Gewinnspannen betreffend.

Chen sagt, Burns erklärt

Chen sagt, Vtion Wireless Technology habe Marktnischen identifiziert und wolle Spitzenanbieter von umfassenden mobilen Datenservicelösungen werden. Burns erklärt, damit seien ab dem Ende des Jahres erste Angebote für die Versicherungswirtschaft gemeint und danach auch solche für die Tabakindustrie. Zunächst sollen Versicherungsvertreter über den Tablet-PC von Vtion mit der Software von Vtion die Verträge ihrer Kunden einsehen können. Später sollen die Versicherungskunden Anträge für neue Verträge direkt auf dem Tablet unterschreiben können. In der Tabakindustrie sollen Verantwortliche für die Produktion über die Vtion-Tablets Zugriff auf Abläufe erhalten.

Es lebe die Zensur

Chen sagt, Vtion soll "Hauptintegrator mobiler Anwendungen sowohl aus China als auch aus dem Ausland" werden. Burns erklärt, damit ist gemeint, Apps über die Vertriebskanäle für den Kunden zugänglich und diese Anwendungsprogramme etwa mit einer Übersetzung praktischer zu machen. Solange die Regierung der Volksrepublik China Internetangebote weiter zensiert und solange es keine besseren technologischen Lösungen gibt, kann damit Geld verdient werden. Burns erläutert, dass dieses App-Geschäft in zwei Jahren die höchsten Gewinnspannen liefern wird. Chen erweckt den Eindruck, als ob Vtion schon sehr bald wieder an die Gewinnspannen aus dem Jahr 2010 mit einer EBIT-Marge von fast 29 Prozent anschließen kann. Burns erklärt, ab dem Jahr 2013 ist eine EBIT-Marge von 20 Prozent möglich.

Kein konkreter Plan

Auch Übernahmen können zum Wachstumstreiber werden. Chen erweckt den Eindruck, dass die (lediglich) bis zu einer Million Aktien, welche ab Dienstag, 26. April, zurückgekauft werden sollen, auch als Akquisitionswährung verwendet werden können. In der deutschsprachigen Meldung steht jedoch nichts davon, dass diese Papiere auch für Mitarbeiter-Optionsprogramme wieder ausgegeben werden können. Zudem erklärt Burns, Vtion habe noch keine Firma entdeckt, an der sich der Konzern beteiligen möchte und es gebe auch keine konkreten Zukaufspläne.

20 Prozent höheres Kursziel

Bleiben noch die Dividende, die 0,21 Euro pro Anteilschein betragen soll, was bei einem Aktienkurs von 4,90 Euro einer Rendite von 4,3 Prozent entspricht, und die flüssigen Mittel von fast 99 Millionen Euro zum Jahresende 2010, was 6,19 Euro je Aktie gleichkommt. Der niederländische Aktivistfonds Exchange Investors rühmt sich, Unternehmen zu verklagen, um mehr für Aktionäre herauszuholen. Dieser Fonds hält 2,71 Prozent an Vtion und schätzt den Liquidationswert auf acht Euro je Aktie. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung, welche Exchange Investors durchsetzen möchte, ist genau das das Ziel: Vtion abwickeln und acht Euro an die Aktionäre auszahlen. Zu den "missverständlichen Aussagen" des Managements von Vtion sind damit auch klare Forderungen von Großaktionäre gekommen. An den Aussichten für Vtion ändert das wenig. Das Kursziel bleibt etwa auf Höhe der flüssigen Mittel und die sind nun bei (Ex-Dividende) rund sechs Euro.

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