Vtion Wireless
- Werner Sperber - Redakteur

Vtion: Hurra, ein Geschäftseinbruch

Die Ergebnisse von Vtion Wireless Technology für das erste Quartal 2011 geben die Richtung der künftigen Entwicklung vor – es geht bergab. Dennoch legt der Aktienkurs zu und er hat aufgrund des hohen Bargeldbestandes sogar noch rund 50 Prozent Potenzial. Allerdings ist immer mit Überraschungen des Vorstands zu rechnen.

Guoping Chen, Gründer, Großaktionär und Vorstandsvorsitzender von Vtion Wireless Technology, bleibt dabei: Im laufenden Jahr setzt der Anbieter mobiler Datenlösungen in der Volksrepublik China 75 bis 100 Millionen Euro um. Dabei beträgt die Gewinnspanne vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) zehn bis zwölf Prozent. Chen klammert sich an die neue Tochterfirma Vtion Anzhou, welche im zweiten Halbjahr den Geschäftbetrieb aufnehmen und zum Jahresende erste Umsätze mit den Anwendungsprogrammen (Apps) für Mobiltelefone und Computer erzielen soll. Chen hofft zudem auf die blanke Masse der Chinesen, also eine noch höhere Durchdringungsrate bei Internetanschlüssen, für die die Datenkarten von Vtion nötig sind. Smartphones und Tablet-PCs kommen ohne diese Karten aus. Chen zufolge werde Vtion das Geschäftsmodell in diesem "Jahr des dynamischen Wandels" ständig verbreitern, "was die Rentabilität des Unternehmens kurzfristig beeinträchtigen wird". Im Juli möchte Vtion dafür einen Tablet-PC mit einem sieben Zoll großen Bildschirm auf den Markt bringen und im September soll einer mit zehn Zoll folgen.

Zu niedrige Steuern, zu hohe Verwaltungskosten

Die Ergebnisse des ersten Quartals 2011 entsprechen den Erwartungen des Managements für das Gesamtjahr. Zum Jahresauftakt erlöste das Unternehmen 12,6 Millionen Euro. Das sind 52 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. (Dabei sackte der Erlös mit den Datenkarten und entsprechenden Produkten um 61,6 Prozent auf 9,85 Millionen Euro ein. Der Gewinn dieses Segments schmolz um 89,3 Prozent auf 777.000 Euro zusammen.) Das Konzern-EBIT brach um 86 Prozent auf 1,03 Millionen Euro ein. Das ist vor allem auf die Verwaltungskosten zurückzuführen, welche um 62,1 Prozent auf 1,09 Millionen Euro angehoben worden sind. Diesbezüglich ist auch die Personalverteilung von Vtion interessant: 27 Mitarbeitern in der Forschung und elf in der Produktion stehen 77 in der Verwaltung gegenüber. Dazu kommen noch 24 Angestellte im Kundenservice, 65 im Vertrieb und fünf im Management. Als Nettogewinn bleiben trotz einer außergewöhnlich niedrigen Steuerquote von sieben Prozent und hoher Zinseinkünfte lediglich 2,3 Millionen Euro beziehungsweise 0,14 Euro je Aktie übrig. Das entspricht einem Rückgang von 49 Prozent. In dem angelaufenen Aktienrückkauf-Programm für bis zu eine Million Anteislcheine hat Vtion bis zum 11. Mai insgesamt 19.225 Stück für 78.458,27 Euro, also ungefähr 4,08 Euro pro Stück erworben.

Warnung vor dem Vorstand

Vtion weist zum 30. März Verbindlichkeiten an nahestehende Unternehmen und Personen von 11,4 Millionen Euro aus. Dabei ist die Summe der flüssigen Mittel seit dem Jahresende 2010 um 5,1 Prozent auf 104 Millionen Euro respektive 6,51 Euro pro Anteilschein gestiegen. Selbst wenn davon die angekündigte Dividende von 0,21 Euro je Aktie abgezogen wird, bleiben 6,30 Euro, was dem Kursziel entspricht. Dieser Betrag dürfte sich weiter erhöhen, da auch die Analysten weiterhin von Gewinnen des Unternehmens ausgehen. In den Jahren 2011 bis 2013 soll Vtion 0,37 Euro beziehungsweise 0,39 Euro respektive 0,29 Euro pro Anteilschein verdienen. Allerdings sollten die mutigen Vtion-Anleger immer mit negativen Überraschungen von Seiten des Vorstands rechnen. Der Stoppkurs sollte auf rund 3,60 Euro angehoben werden.

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